FAQ: Arbeitsrecht – wenn das Kind krank wird

Nach dem erfolgreichen beruflichen Wiedereinstieg gilt es, die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nachhaltig zu meistern. Was haben Angestellte für Rechte, wenn das Kind krank wird und zuhause gepflegt werden muss?

Foto: Mann spielt einem Kind mit dem Saxophon etwas vor

Wie viele freie Tage stehen Angestellten in diesem Fall zu?

Alle Angestellten dürfen kurzfristig zur Betreuung eines kranken Kindes bei voller Bezahlung zu Hause bleiben. Das regelt § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) für den Fall, dass die häusliche Pflege durch die oder den Angestellten selbst erfolgen muss. Die Notwendigkeit der Beaufsichtigung, Betreuung und Pflege des Kindes muss mit einem ärztlichen Attest nachgewiesen werden. Die Rechtsprechung geht davon aus, dass Angestellten auf diese Weise bis zu fünf Tagen im Jahr zustehen, wenn das Kind jünger als acht Jahre ist. Dieser Anspruch kann jedoch im Arbeitsvertrag ausgeschlossen sein oder es gibt im Unternehmen andere Regelungen, die sogar bessere Möglichkeiten bieten und dann Vorrang haben.

Über die Regelungen zur vorübergehenden Verhinderung nach BGB hinaus besteht die Möglichkeit, sich vom Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin unbezahlt freistellen zu lassen. Pro Jahr dürfen Angestellte sich je zehn Arbeitstage für jedes Kind unter zwölf Jahren freistellen lassen. Bei mehreren Kindern sind es maximal 25 Tage pro Jahr. Wenn beide Eltern berufstätig sind, können beide jeweils für jedes Kind die Höchstdauer beanspruchen. Alleinerziehenden steht das Doppelte zu: 20 Tage im Jahr bei ein bis zwei Kindern, ab dem dritten Kind sind es maximal 50 Arbeitstage.

Welche finanzielle Unterstützung gibt es in der Phase der Freistellung?

Wer gesetzlich krankenversichert ist, kann für ein Kind unter zwölf Jahren bei der Krankenkasse Kinderkrankengeld beantragen. Leben im Haushalt andere Personen, die das Kind pflegen könnten, gibt es kein Kinderkrankengeld. Privat Krankenversicherte erhalten generell keine finanzielle Unterstützung, wenn sie sich bei Krankheit von Kindern freistellen lassen.

Das Kinderkrankengeld ersetzt nur einen Teil des Gehalts. Es beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, höchstens jedoch 90 Prozent des Nettoeinkommens. Beiträge für die Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung werden direkt von der Krankenkasse abgezogen.

Ist es möglich, die gesetzlichen Freistellungszeiten auf den Partner bzw. die Partnerin zu übertragen?

Arbeiten beide Eltern, kann zum Beispiel die Mutter ihren Anspruch auf unbezahlte Freistellung – mit Zustimmung des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin – auf den Vater des Kindes übertragen lassen und umgekehrt. Hat ein Elternteil seine eigenen Freistellungstage für die Betreuung von kranken Kindern bereits verbraucht, kann er oder sie die Freistellungstage des anderen nutzen. Das gilt auch, wenn Mutter und Vater Mitglied in verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen sind.

Link:

Informationen zum Kinderkrankengeld
Bundesministerium für Gesundheit

Foto: stockfreeimages.com / orangeline

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