Pflege und Beruf vereinbaren: Leitfaden unterstützt bei der Entwicklung einer pflegesensiblen Unternehmenskultur

Zwischen vier und fünf Millionen Menschen kümmern sich in Deutschland um pflegebedürftige Angehörige. Etwa zwei Drittel der Pflegenden sind berufstätig. Für viele ist es nicht nur aus finanziellen Gründen wichtig, weiter im Job zu bleiben. Gleichzeitig stellt die Pflege eines bzw. einer Angehörigen die Betroffenen vor große emotionale und zeitliche Herausforderungen. Beschäftigte sind in dieser Situation auf die Unterstützung ihrer Arbeitgeberin oder ihres Arbeitsgebers angewiesen. Mit dem Leitfaden „Pflegende Beschäftigte brauchen Unterstützung“ möchte das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ für das Thema sensibilisieren und zeigen, wie Beschäftigten aktiv geholfen werden kann.

Cover der Erfolgsfaktor-Familie-Broschüre Pfegende Beschäftigte brauchen Unterstützung - auf dem Bild sind ein blaues und ein gelbes Seil verknotet

Der Leitfaden zeigt anhand von Praxisbeispielen auf, wie Vereinbarkeit von Pflege und Beruf gelingen kann. Zudem bietet er Informationen zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen, Tipps und Checklisten für die Entwicklung einer pflegesensiblen Unternehmenskultur und die Gestaltung von Vereinbarkeitsmaßnahmen. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege hilft nicht nur den Betroffenen, sondern langfristig auch den Unternehmen. Denn eine gute Unterstützung für Pflegende kann Fachkräfte im Unternehmen halten und verhindern, dass Arbeitszeiten stark reduziert werden müssen bzw. dass Beschäftigte ganz aus dem Beruf aussteigen.

Pflegebedarf steigt – Frauen leisten die meiste Pflegearbeit

Angesichts der demografischen Entwicklung gewinnt die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zusätzliche Bedeutung: Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt und die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass immer häufiger Angehörige Pflegeaufgaben übernehmen. Laut dem vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem DIHK initiierten  Netzwerk „Erfolgsfaktor Familie“ sind es überwiegend Frauen, die diese Aufgabe leisten. Sie stellen derzeit zwei Drittel der Hauptpflegepersonen. Die meisten von ihnen sind im mittleren Alter, berufstätig und haben zusätzlich Kinder zuhause oder in der Ausbildung.

Die Pflege eines oder einer Angehörigen ist laut Umfragen für die meisten Menschen eine große körperliche und psychische Belastung. Dennoch findet es der überwiegende Teil der Betroffenen wichtig, auch in einer Pflegesituation erwerbstätig zu bleiben. Dabei geht es nicht nur um die eigene finanzielle Absicherung, sondern auch darum, Abstand vom häuslichen Pflegealltag zu bekommen und um berufliche Kompetenzen und soziale Kontakte zu erhalten.

Entscheidend für pflegende Angehörige ist, wie gut beide Aufgabenbereiche miteinander vereinbart werden können. Nicht in jedem Fall haben Beschäftigte Anspruch auf Leistungen wie berufliche Freistellungen für die Pflege oder finanzielle Hilfen. Diese staatlichen Unterstützungsangebote können aufgrund der gesetzlichen Definition von Pflege nur von einem Teil der Betroffenen in Anspruch genommen werden. Umso wichtiger ist die Unterstützung durch Arbeitgebende. Laut dem Leitfaden bietet aktuell jedes dritte Unternehmen seinen Beschäftigten betriebsinterne Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, die über die gesetzlich vorgesehenen Regelungen hinausgehen. Große Unternehmen kümmern sich dabei deutlich häufiger um entsprechende Angebote als kleine Unternehmen.

Pflegesensible Unternehmenskultur hilft Beschäftigten und Unternehmen

Machen Unternehmen die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zum Thema und entwickeln eine pflegesensible Unternehmenskultur, erleichtern sie ihren Beschäftigten nicht nur den anstrengenden Vereinbarkeitsspagat, sondern setzen zugleich ein positives Signal als familienbewusster Betrieb.

Unterstützte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können die Doppelbelastung leichter meistern, sind leistungsfähiger und haben ein hohes Interesse daran, ihre Arbeitskraft weiterhin voll und ganz dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Wer sich in seiner Lebenssituation ganzheitlich gesehen fühlt, entwickelt eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen. Diese Bindung schlägt sich in einer geringeren Fluktuation der Beschäftigten wider und sorgt für ein positives Image sowohl am Arbeitsmarkt wie auch gegenüber Kundinnen und Kunden. Eine bedarfsorientierte Personalpolitik wird damit zu einem Gewinn für alle Beteiligten.

Links:

Leitfaden „Pflegende Beschäftigte brauchen Unterstützung“


perspektive-wiedereinstieg.de

Rubrik Vereinbarkeit von Beruf - Familie – Pflege

Cover: © BMFSFJ

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang