FAQ: Pflege von Angehörigen

Für diejenigen, die ihre Berufstätigkeit kurzfristig oder für eine längere Zeit unterbrechen müssen, um Pflegeaufgaben zu übernehmen, stellen sich viele, oft neue Fragen. Dann sind nicht nur Vereinbarungen zur Pflege- oder Familienpflegezeit mit dem Unternehmen zu treffen, sondern auch organisatorische, finanzielle und versicherungsrechtliche Aspekte der Pflege von Angehörigen zu klären.

Foto: Formular und Gesetzbuch zum Thema Pflegeversicherung

Was ist zu tun, wenn ein naher Angehöriger bzw. eine nahe Angehörige nicht mehr alleine zurecht kommt?

Familienangehörige, die sich um die anstehenden Fragen zur Pflege kümmern und dazu bevollmächtigt sind, können sich zuerst an die für die pflegebedürftige Person zuständige Kranken-/Pflegekasse wenden. Für grundsätzliche Informationen zum Thema Pflege s. „Angebote und Unterstützung für pflegende Angehörige“

Wer erhält Leistungen aus der Pflegeversicherung?

Als pflegebedürftig gelten Menschen, die in ihrem Alltag wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für mindestens sechs Monate oder auf Dauer Hilfen in erheblichem oder höherem Maße benötigen. Sie erhalten auf Antrag bei ihrer zuständigen Pflegekasse oder Pflegeversicherung Leistungen aus der Pflegeversicherung. Dazu erfolgt ein Einstufungsverfahren durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit der Begutachtung zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit.

Welche Leistungen können Pflegebedürftige erhalten, wenn sie zuhause gepflegt werden möchten?

Grundsätzlich haben Pflegebedürftige die Wahl zwischen Sachleistungen (Hilfe von Pflegediensten) und Geldleistungen (Pflegegeld). Erfolgt die Pflege zum Beispiel durch nahe Angehörige, besteht ein Anspruch auf Pflegegeld. Das Pflegegeld erhält der Pflegebedürftige von der Pflegekasse und gibt es regelmäßig an die ihn versorgenden und betreuenden Personen als Anerkennung weiter. Das Pflegegeld ist wie die Sachleistung nach dem Schweregrad der Pflegebedürftigkeit gestaffelt. Seit dem 01.01.2017 betragen die Leistungssätze für das monatliche Pflegegeld: "Pflegegrad 2" 316 Euro, "Pflegegrad 3" 545 Euro, "Pflegegrad 4" 728 Euro und "Pflegegrad 5" 901 Euro. Der Bezug von Pflegegeld kann auch mit der Inanspruchnahme von Pflegediensten kombiniert werden. Das Pflegegeld vermindert sich in diesem Fall anteilig um den Wert der in Anspruch genommenen Sachleistungen.

Gibt es Steuervorteile für Pflegehaushalte, die gelegentlich oder regelmäßig Haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen?

Pflegebedürftige Menschen und ihre Familien, die sich für den Bezug von Pflegegeld entscheiden und zusätzlich einen professionellen Pflegedienst beauftragen, können das steuerlich geltend machen. Für die Inanspruchnahme ist der Nachweis einer Pflegestufe nicht erforderlich. Konkret geht es dabei um den Steuerabzug für Haushaltsnahe Dienstleistungen (s. FAQ: Steuerliche Behandlung von Haushaltsnahen Dienstleistungen).

Leistungen der Pflegeversicherung, die zweckgebunden für bestimmte Aufwendungen gewährt werden, werden auf die abzugsfähigen Aufwendungen für Haushaltsnahe Dienstleitungen angerechnet. Das seitens der Pflegekassen ausgezahlte Pflegegeld bleibt davon unberührt, hier findet keine Anrechnung auf den Steuervorteil statt. Dies gilt auch, wenn Angehörige für die Kosten aufkommen und das Pflegegeld an sie weitergeleitet wird.

Auch der sogenannte Pflege-Pauschbetrag von 924 Euro nach § 33b Einkommensteuergesetz kommt nicht zum Abzug. Er wird ohne Nachweis für außergewöhnliche Belastungen, die den Steuerpflichtigen durch die Pflege einer Person erwachsen, die schwerstpflegebedürftig oder hilflos ist (Behindertenausweis mit Merkzeichen H), gewährt.

Gibt es eine Unfallversicherung für pflegende Angehörige?

Personen, die einen Pflegebedürftigen im Sinne der Pflegeversicherung nicht erwerbsmäßig in häuslicher Umgebung pflegen, besitzen automatisch mit Aufnahme der Pflegetätigkeit den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dafür ist keine Anmeldung erforderlich. Es werden auch keine Beiträge erhoben. Der Versicherungsschutz ist aus Steuermitteln finanziert. Zuständig sind die Unfallversicherungsträger. Unfallversicherungsschutz besteht für die Pflegeperson grundsätzlich bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen in den Tätigkeitsbereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung. Vertiefende Informationen und die Adressen der zuständigen Unfallkassen fasst das Informationsblatt „Gesetzliche Unfallversicherung für häusliche Pflegepersonen“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zusammen.

Links:

Servicetelefon und Informationsportal Wege zur Pflege
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Informationen zum Thema Pflege
Bundesgesundheitsministerium

Erläuterung zu den Leistungen in der Pflegeversicherung
Bundesgesundheitsministerium

§ 35a Einkommensteuergesetz - Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen

§ 33b Einkommensteuergesetz - Pauschbeträge für behinderte Menschen, Hinterbliebene und Pflegepersonen, hier Absatz 6

„Gesetzliche Unfallversicherung für häusliche Pflegepersonen“
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung

Zu Ihrer Sicherheit - Unfallversichert bei häuslicher Pflege von Angehörigen
Bundesministerium für Arbeit und Soziales 

Foto: ASB A. Königstein

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