Der unabhängige Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf hat seinen ersten Bericht mit zahlreichen Handlungsempfehlungen vorgelegt

Die demografische Alterung unserer Gesellschaft hat spürbare Konsequenzen: die Anzahl der plegebedürftigen Männer und Frauen nimmt in Deutschland stetig zu. Diese werden zum Großteil zu Hause versorgt, gleichzeitig nimmt die Frauenerwerbstätigkeit zu. Die pflegenden Angehörigen - zu gut Zweidrittel Frauen - stehen damit vor der Herausforderung, Familie, Pflege und Beruf zu vereinbaren. In seinem ersten Bericht nimmt der unabhängige Beirat zu diesem Thema Stellung. Es werden Weiterentwicklungsmöglichkeiten für das Pflegezeitgesetz (PflegeZG) und Familienpflegezeitgesetz (FPfZG) aufgezeigt und zahlreiche konkrete Handlungsempfehlungen formuliert. Einige davon werden vom Beirat als zentral für die Verbesserung der aktuellen Situation angesehen.

Foto: Cover der Broschüre Erster Bericht des unabhängigen Beirats für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Der Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf wurde im September 2015 durch das BMFSFJ einberufen, Rechtsgrundlage ist § 14 FPfZG. In diesem Rahmen befasst er sich mit Fragen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Er begleitet jedoch auch die Umsetzung der einschlägigen gesetzlichen Regelungen, insbesondere dem PflegeZG und dem FPfZG, und berät über deren Auswirkungen. Im Juni 2019 wurde der erste Bericht des Beirats an das Bundesfamilienministierium übergeben. Dieser wurde am 17. September 2019 durch die Bundesfamilienministerin Frau Dr. Franziska Giffey der Öffentlichkeit vorgestellt.   

Die zugrundegelegten Punkte für die Beiratsarbeit

Im Vordergrund der Beiratsarbeit steht die Frage, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, damit die Sorgearbeit für pflegebedürftige Angehörige und die eigene Berufstätigkeit gut miteinander verein­bart werden können. Für die Formulierung der Handlungsempfehlungen war ein zenraler  Punkt, dass die Angehörigen nicht wegen  der Übernahme einer häuslichen Pflege aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssen oder sich nur mit hohen finanziellen Verlusten für einen begrenzten Zeitraum um die zu pflegende Person kümmern können. Der Beirat spricht sich für Maßnahmen aus, welche die geschlechtergerechte Vereinbarkeit von Pflege und Beruf fördern, daneben sollte die betriebliche Umsetzbarkeit und die besondere Situationen von Selbstständigen berücksichtigt werden. Nach Ansicht des Beirats ist die häusliche Pflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Die zentralen Handlungsempfehlungen des unabhängigen Beirats

Der Beirat hat im Hinblick auf diese Überlegun­gen zahlreiche Handlungsempfehlungen zu unterschiedlichen Themen formuliert. Die zentralen Empfehlungen um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf für Frauen und Männer gleichermaßen zu verbessern, sind dabei die folgenden:

  1. Einführung einer Entgeltersatzleistung analog zum Elterngeld für bis zu 36 Monate, die das Darlehen als finanzielle Unterstützung ablöst.
  2. Erhöhung der teilweisen Freistellung auf 36 Monate, bei einer Mindestarbeitszeit von durchschnittlich 15 Stunden pro Woche. Dieser Anspruch gilt einmalig für jede beschäftige Person für die Pflege ein und desselben pflege­bedürftigen nahen Angehörigen.
  3. Erweiterung der Regelung zur kurzzeitigen Arbeitsverhinderung (§ 2 PflegeZG) und deren Finanzierung durch das Pflegeunterstützungsgeld von bis zu zehn Arbeitstagen pro Jahr.
  4. Zusammenführung des Pflegezeitgesetzes und des Familienpflegezeitgesetzes in ein Gesetz.
  5. Verbesserung und Ausbau der professionellen Pflegeinfrastruktur.
  6. Unterstützungsangebote, die für pflegende Angehörige einfach und schnell zugänglich, flexibel und verlässlich sind.

Der Erste Bericht des unabhängigen Beirats mit allen Handlungsempfehlungen sowie weitere Informationen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf stehen auf der Internetseite www.wege-zur-pflege.de zur Verfügung- Link.

Links:

BMFSFJ - Unabhängiger Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf legt ersten Bericht vor

Wege zur Pflege - Der unabhängige Beirat zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

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