Projekt "Sonne, Mond & Sterne": Flexible Lösungen zur ergän­zenden Kinderbetreuung für Alleinerziehende in Essen

Wenn Alleinerziehende berufstätig bleiben oder es (wieder) werden wollen, stehen sie oft vor Herausforderungen bei der Organisation der Kinderbetreuung. Besonders schwierig wird die Situation vielfach, wenn die Eltern ihre Familien­aufgaben mit besonderen Arbeitszeiten vereinbaren müssen. Ein dreijähriges Modellprojekt der Walter Blüchert Stiftung und des Verbands allein erziehender Mütter und Väter e.V. macht deutlich, wie groß der Unterstützungs­be­darf ist und wie wirkungsvoll bereits relativ einfache Angebote helfen können.

Sonne, Mond & Sterne: Logo des Modellprojekts des VAMV NRW

Die Walter Blüchert Stiftung und der Verband allein erziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV) realisieren bis Herbst 2017 drei Modellprojekte für Alleinerziehende in Berlin, Essen und Mainz. Ziel der dreijährigen Pilotangebote ist es, mit ergänzender Kinder- und Notfallbetreuung alleinerziehenden Müttern bzw. Vätern eine Erwerbs­tätigkeit zu ermöglichen oder zu erleichtern. Forscherinnen und Forscher begleiten das Projekt und untersuchen die Wirkung der Angebote auf die Einkommens­situation in den Familien.

Kinderfeen: individuelle Unterstützung bei der Kinderbetreuung

Marion Hering leitet das Modellprojekt des VAMV-Landesverbands Nordrhein-Westfalen in Essen. Sie berichtet: Unser Projekt heißt ‚Sonne, Mond & Sterne’, denn der zentrale Baustein unseres Angebots ist ergänzende Kinderbetreuung durch unsere Kinderfeen –  früh morgens, spät abends und in der Nacht. Die Projektidee resultiert aus praktischen Erfahrungen: Wir beraten zu Kinderbetreuungsfragen und vermitteln Kindertagespflegepersonen. Es gab jedoch immer wieder Bedarfe Alleinerziehender, die wir mit dem regulären Angebot der Kindertagespflege nicht abdecken konnten. Denn viele Eltern arbeiten in Branchen mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten – zum Beispiel im Einzelhandel oder der Kranken- und Altenpflege. Sie haben dadurch oft sehr individuelle zusätzliche Betreuungsbedarfe.

Beratung: Was kann dazu beitragen, den Familienalltag zu entlasten?

Beratung und Coaching gehören ebenfalls zum Projektangebot. Gemeinsam mit den Alleinerziehenden, die zu uns kommen, überlegen wir, wie sich Familie und Beruf bzw. beruflicher Wiedereinstieg vereinbaren lassen: Gibt es zum Beispiel Menschen im sozialen Umfeld, die die Familie unterstützen können? Könnte eventuell ein Umzug Wegezeiten verringern und die Situation verbessern? Ist vielleicht ein Wechsel des Kindes bzw. der Kinder in eine Kita oder Schule denkbar, die andere Betreuungszeiten anbietet oder günstiger gelegen ist? Ließe sich mit dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin über die Lage der Arbeitszeiten verhandeln?, sagt Marion Hering. Häufig gelingt es, durch einzelne Veränderungen den Familienalltag spürbar zu entlasten. Bleiben Betreuungslücken bestehen, können die im Projekt betreuten Alleinerziehenden auf das Kinderfeen-Angebot vertrauen.

Sofort große Nachfrage

Wie groß die Nachfrage nach Angeboten ist, die Betreuungsengpässe überbrücken helfen, merkte Marion Hering, als das Projekt startete: Wir hatten noch kaum für das Projekt geworben und trotzdem sofort zahlreiche Anfragen von Müttern, die in verzweifelten Situationen waren. Sie benötigten dringend Unterstützung, um weiter berufstätig sein bzw. ihre Ausbildung abschließen zu können, erzählt die Projekt­leiterin. Unsere Erfahrungen mit dem Notmütterdienst haben dazu beigetragen, dass wir sehr schnell reagieren und Kinderfeen vermitteln konnten.

Fahrdienste und Randzeitenbetreuung organisiert

Eine Mutter muss zum Beispiel morgens immer das eine Kind in die Schule, und das andere in die Kindertagestätte bringen, die in entgegengesetzter Richtung liegt. An Tagen, an denen sie in die Berufsschule muss, lässt sich dieses Pensum nicht schaffen. Wir haben jetzt für diese Tage einen Fahrdienst organisiert. Er überbrückt die Zeit, bis das jüngere Kind in eine andere, günstiger gelegene Kita wechseln kann, berichtet Marion Hering. In einer anderen Familie kommt die Kinderfee, wenn die Mutter Frühschicht hat. Sie weckt die Kinder, macht ihnen Frühstück und bringt sie in die Grundschule. Oder sie übernimmt bei Bedarf die Abendbetreuung, bis die Mutter gegen 21.00 Uhr von der Spätschicht nach Haus kommt.

Service für Eltern kostenfrei

Finanziert wird die Unterstützung aus Geldern der Walter Blüchert Stiftung. Für die Alleinerziehenden, die die Dienste in Anspruch nehmen, ist das Angebot kostenfrei. Alles andere wäre unrealistisch, sagt Marion Hering. Die Mütter und Väter müssen zumeist mit einem Gehalt auskommen, arbeiten vielfach mit reduzierter Stundenzahl oder befinden sich in Aus- oder Weiterbildung. Einen zusätzlichen Kostenfaktor könnten sie sich meist nicht leisten.

Strukturen fehlen bislang: Modellprojekt betritt Neuland

Vielfach sind es nur wenige zusätzliche Betreuungsstunden, die für die Eltern den entscheidenden Unterschied machen und sie vor der Arbeitslosigkeit bewahren. Aber bislang stehen dafür weder Geld noch entsprechende Strukturen und Angebote zur Verfügung. Daher ist unser Modellprojekt so wichtig, sagt Marion Hering.

Weitere Unterstützerinnen und Unterstützer gesucht

Da die Stiftungsmittel begrenzt sind und die Stadt Essen sich aufgrund einer Haushaltssperre zu Beginn nicht an dem Modellprojekt beteiligen konnte, engt das unseren Handlungsspielraum ein, sagt die Projektleiterin. Nachdem die Dringlichkeit der Anfragen deutlich wurde, prüft die Stadt Essen zurzeit aber zumindest einzelfallbezogene Förderungen und übernimmt dann die personen­bezogenen Kosten. Marion Hering wünscht sich, dass Jugendamt und Jobcenter gemeinsam mit dem VAMV NRW Lösungswege finden, wie das Modellprojekt auch in seiner Infrastruktur gestärkt werden kann. Sie ist sich sicher: Wir haben erst die Spitze des Eisbergs gesehen. Gerne würden wir mit unserem Angebot mehr Alleinerziehende unterstützen. Ihre Erfahrungen aus diesem Projekt möchte sie gerne weitergeben. Ich erlebe, wie engagiert und motiviert die alleinerziehenden Elternteile sind, die sich bei uns melden und welche Belastungen sie auf sich nehmen, um eine Berufstätigkeit realisieren zu können. Und dann soll es an einem solchen Detail wie einer fehlenden Ergänzungsbetreuung für die Kinder scheitern? – Dauerhaft und flächendeckend hierfür kind- und familiengerechte Lösungen zu finden, dafür setze ich mich ein.

Links:

Förderprojekte: Ergänzende Kinderbetreuung und Notfallbetreuung für Einelternfamilien
Informationen auf der Website der Walter Blüchert Stiftung

Sonne, Mond und Sterne: Modellprojekt zur ergänzenden Betreuung
Informationen auf der Website des Verbands allein erziehender Mütter und Väter Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

Projektstart: Walter Blüchert Stiftung fördert drei VAMV-Modellprojekte zur Rand- und Notfallbetreuung für Alleinerziehende
Pressemitteilung vom 01.10.2014 auf der Website des Verbands allein erziehender Mütter und Väter e.V.

Bild: VAMV NRW

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