FAQ: Steuerliche Behandlung von Kinderbetreuungskosten

Eltern können Kosten für die Betreuung ihrer Kinder bei der Einkommensteuer steuermindernd geltend machen. Ab dem Steuerjahr 2012 ist die steuerliche Handhabung der Kinderbetreuungskosten dahingehend vereinfacht, dass fortan alle Eltern ohne den bisher notwendigen Nachweis der persönlichen Voraussetzungen – wie zum Beispiel die Berufstätigkeit - die Kosten der Kinderbetreuung als Sonderausgaben steuerlich absetzen können.

Foto: Steuerformular und Geldscheine

Damit entfällt die bis einschließlich Steuerjahr 2011 gültige Nachweispflicht der Eltern, dass die jeweiligen Anspruchsvoraussetzungen – insbesondere die Berufstätigkeit - vorliegen. Auch hinsichtlich der Art der Absetzbarkeit gibt es eine Änderung: Bis einschließlich Veranlagungszeitraum 2011 wurden Kinderbetreuungskosten wie Werbungskosten (bei Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen),  wie Betriebsausgaben (bei Selbständigen) oder Sonderausgaben geltend gemacht. Ab dem Veranlagungszeitraum 2012 gibt es diese Unterscheidungen nicht mehr. Kinderbetreuungskosten sind steuerlich stets Sonderausgaben.

Was sind Kinderbetreuungskosten und wie werden sie steuerlich betrachtet?

Kinderbetreuungskosten sind Ausgaben, die Eltern für die Betreuung ihrer Kinder haben.

Ab dem Steuerjahr 2012 regelt der neue § 10 Abs. 1 Nr. 5 Einkommensteuergesetz (EStG), dass Eltern zwei Drittel der Kinderbetreuungskosten - höchstens aber 4.000 Euro je Kind jährlich für Dienstleistungen zur Betreuung eines zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehörenden Kindes als Sonderausgaben steuerlich geltend machen können. Das gilt für alle Kinder, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, bei Kindern mit Behinderungen auch darüber hinaus, sofern die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist.

Folgende Kinderbetreuungskosten können bei  der Steuer abgesetzt werden:

  • Betreuung in der Kindertagesstätte (abzüglich Material- und Verpflegungsgeld)
  • Betreuung durch Tagespflegepersonen (abzüglich Material- und Verpflegungsgeld)
  • bezahlte Betreuungspersonen im Haushalt
  • Au-Pairs (Nachweis über Ausgaben in Geld oder Geldeswert - Wohnung, Kost, Waren, sonstige Sachleistungen - für Dienstleistungen zur Betreuung eines Kindes. Kann der Umfang der Kinderbetreuung nicht nachgewiesen werden, kann pauschal ein Anteil von 50 Prozent der Gesamtaufwendungen für das Au-Pair-Mädchen oder den Au-Pair-Jungen als Kinderbetreuungskosten berücksichtigt werden.)
  • Babysitterin bzw. Babysitter

Aufwendungen für Unterricht, die Vermittlung besonderer Fähigkeiten sowie für sportliche und andere Freizeitbetätigungen (Nachhilfeunterricht, Musikunterricht, Sportvereine etc.) gelten steuerlich nicht als Kinderbetreuungskosten.

Unter welchen Voraussetzungen können die Kosten steuerlich berücksichtigt werden?

Es muss nachgewiesen werden, dass der oder die Steuerpflichtige für die Kinderbetreuungskosten eine Rechnung erhalten hat und dass die Zahlung auf das Konto des Erbringers bzw. der Erbringerin der Leistung erfolgt ist Die Rechnung sowie die Zahlungsnachweise sind nur auf Verlangen des Finanzamts vorzulegen.. Einer Rechnung stehen gleich:

  • bei einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis oder einem Minijob der zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer abgeschlossene schriftliche (Arbeits-)Vertrag,
  • bei Au-pair-Verhältnissen ein Au-pair-Vertrag, aus dem ersichtlich ist, dass ein Anteil der Gesamtaufwendungen auf die Kinderbetreuung entfällt,
  • bei der Betreuung in einem Kindergarten oder Hort der Bescheid des öffentlichen oder privaten Trägers über die zu zahlenden Gebühren,
  • eine Quittung, z. B. über Nebenkosten zur Betreuung, wenn die Quittung genaue Angaben über die Art und die Höhe der Nebenkosten enthält. Ansonsten sind Nebenkosten nur zu berücksichtigen, wenn sie in den Vertrag oder die Rechnung aufgenommen worden sind.

Barzahlungen werden nicht anerkannt.

Können auch Verwandte Betreuungspersonen sein, die entgeltlich das Kind oder die Kinder betreuen, und die Aufwendungen steuerlich geltend gemacht werden?

Auch Verwandte - zum Beispiel Großeltern oder volljährige Geschwister - können Betreuungspersonen sein. Die Kosten für die Aufwendungen können dann steuerlich abgesetzt werden, wenn entsprechende Verträge mit den Betreuungspersonen abgeschlossen sind, die zivilrechtlich wirksam zustande gekommen sind, inhaltlich auch üblich unter Fremden sind („Fremdvergleich“) und tatsächlich auch so durchgeführt werden und die Leistungen nicht üblicherweise auf familienrechtlicher Grundlage unentgeltlich erbracht werden. So können z. B. Aufwendungen für eine Mutter, die zusammen mit dem gemeinsamen Kind im Haushalt des Steuerpflichtigen lebt, nicht berücksichtigt werden. Auch bei einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft oder einer Lebenspartnerschaft zwischen dem Steuerpflichtigen und der Betreuungsperson ist eine Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten nicht möglich. Leistungen an eine Person, die für das betreute Kind Anspruch auf einen Freibetrag nach § 32 Absatz 6 EStG oder auf Kindergeld hat, können nicht als Kinderbetreuungskosten anerkannt werden.

Kommen Kinderbetreuungskosten auch als Steuer­ermäßigung für Haushaltsnahe Dienstleistungen in Frage?

Erfüllen Kinderbetreuungskosten grundsätzlich die Voraussetzungen für einen Abzug als Sonderausgaben, kommt für diese Aufwendungen eine Steuerermäßigung nach § 35a EStG nicht in Betracht (§ 35a Absatz 5 Satz 1, 2. Halbsatz EStG). Auf den tatsächlichen Abzug als Sonderausgaben kommt es dabei nicht an. Dies gilt sowohl für das nicht abziehbare Drittel der Aufwendungen, als auch für die Aufwendungen, die den Höchstbetrag von 4.000 Euro je Kind übersteigen.

Links:

Einkommensteuérgesetz § 10 Absatz 1 Nummer 5

Steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten
Familienportal des BMFSFJ

Foto: pixelio.de / Rolf van Melis

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang