Gutscheine für haushaltsnahe Dienstleistungen – Modellprojekt in Baden Württemberg gestartet

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, den Fachkräftebedarf in der Region sichern und Schwarzarbeit verhindern – darum geht es in einem neuen Modellprojekt rund um haushaltsnahe Dienstleistungen. Der Pilotversuch setzt auf direkte Unterstützung. Über Gutscheine erhalten zum Beispiel Wiedereinsteigerinnen bzw. Wiedereinsteiger einen Zuschuss, um haushaltsnahe Dienstleistungen finanzieren zu können. Initiatoren des Modellprojekts sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg (WM), die Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit (RD) und die Stiftung Diakonie Württemberg. Mit der Umsetzung ist das Diakonische Werk Württemberg beauftragt.

Foto: Schaufel und Besen

Die Idee: Frauen und Männer, die ihre Wochenarbeitszeit erhöhen, erhalten einen Zuschuss in Höhe von acht Euro je Stunde, wenn sie sozialversicherungspflichtig haushaltsnahe Dienstleistungen wie Putzen, Bügeln oder Wäschewaschen in Anspruch nehmen. Gleichzeitig bieten die Agenturen für Arbeit Qualifizierungsmaßnahmen für Dienstleister an und tragen so zur Professionalisierung von haushaltsnahen Dienstleistungen bei.

Vereinbarkeit erleichtern, Dienstleister stärken und Schwarzarbeit verhindern

Aktuell arbeiten gut qualifizierte Frauen häufig weniger Stunden als sie möchten, da sie neben dem Beruf nach wie vor einen Großteil der Familien- und Hausarbeit erledigen. Doch eine höhere Arbeitszeit geht oft einher mit qualifizierteren Aufgaben und führt zu einer besseren Einkommenssituation – laut Expertinnen und Experten ist das bereits bei einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit von fünf bis zehn Stunden der Fall.

Unser Ziel ist es, qualifizierte Frauen, die stark in die Familienarbeit eingebunden sind, aber gerne wieder – oder wieder mehr – arbeiten würden, zu unterstützen. Durch haushaltsnahe Dienstleistungen können sie in ihrem Alltag entlastet werden, sagt Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im Bundesfamilienministerium. Auf der anderen Seite stärken wir mit dem Modellprojekt die Dienstleistungsunternehmen und bekämpfen wirksam Schwarzarbeit, da die Gutscheine nur da eingelöst werden können, wo die Firmen ihr Personal sozialversicherungspflichtig beschäftigen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen professionalisieren

Das Pilotprojekt bietet zudem geringqualifizierten Personen die Möglichkeit, sich weiterzubilden und einen hauswirtschaftlichen Abschluss zu erreichen. Der Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen wird so professionalisiert und zu einer attraktiven Job-Alternative.

Rund vier Millionen Privathaushalte beschäftigen momentan Dienstleistende – in nur einem Prozent der Haushalte geschieht dies sozialversicherungspflichtig. Schwarzarbeit ist in diesem Bereich nach wie vor weitverbreitet und wird häufig als Kavaliersdelikt angesehen. Dazu drängen aktuell zahlreiche Internet-Anbieter auf den Markt, die Haushaltshilfen zu niedrigen Preisen vermitteln und sich nicht um deren soziale Absicherung kümmern.

Wir brauchen aber dringend einen gleichberechtigten Zugang aller zur Erwerbsarbeit, damit wir eine gleichberechtigte Teilhabe an Arbeit und Gesellschaft garantieren können! so der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg und der Stiftung Diakonie Württemberg, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann.

Den beruflichen Wiedereinstieg erleichtern – Fachkräftepotenziale nutzen

Die Rechnung ist einfach: Werden Frauen im Bereich Haushalt und Familie entlastet, kann ihr Fachkräftepotential stärker erschlossen werden als bisher. Durch die Gutscheine können beispielsweise Wiedereinsteigerinnen dabei unterstützt werden, in den Beruf zurückzukehren und entsprechend ihrer Qualifikation berufstätig zu sein, erklärt Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin in Baden-Württemberg.

Wer kann die Gutscheine nutzen und wo sind sie erhältlich?

  • Wiedereinsteigende, Arbeitslose oder Arbeitssuchende mit Familienaufgaben, die statt der üblichen 15 bis 20 Wochenstunden eine Beschäftigung mit mindestens 25 bis 30 Wochenstunden aufnehmen.
  • Berufstätige, die wegen Betreuungs- und Pflegeaufgaben für Angehörige ihre Arbeitszeit auf unter 25 bis 30 Stunden reduzieren beziehungsweise ihre Berufstätigkeit aufgeben müssten.
  • Berufstätige, die wegen Betreuungs- und Pflegeaufgaben für Angehörige in Teilzeit arbeiten und nun ihre Arbeitszeit auf mindestens 30 Stunden erhöhen möchten. 

Im Rahmen des in Baden-Württemberg durchgeführten zweijährigen Modellprojekts werden die Gutscheine derzeit bei den Arbeitsagenturen Aalen und Heilbronn ausgegeben. Eingelöst werden dürfen die Gutscheine bei Dienstleistungsunternehmen, die ihr Personal überwiegend sozialversicherungspflichtig beschäftigen. Der große Vorteil ist, dass die nachfragenden Privatpersonen die Dienstleistung einkaufen und nicht selbst als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber fungieren müssen. 

TIPP: Mit dem Wiedereinstiegsrechner Einkommensperspektiven und Rentenansprüche ermitteln

Wer im Zusammenhang mit einem beruflichen Wiedereinstieg oder einer Aufstockung der Arbeitszeit mögliche Einkommensperspektiven und die damit einhergehende Entwicklung der Rentenansprüche berechnen möchte, kann dazu den Wiedereinstiegsrechner des BMFSFJ nutzen.

Hintergrund: Das Modellprojekt „Gutscheine für haushaltsnahe Dienstleistungen“

Das zweijährige Pilotprojekt läuft seit dem 1.März 2017 in den Arbeitsagenturen Aalen und Heilbronn. Projektende ist Februar 2019. Mit einem Gesamtvolumen von 1,6 Millionen Euro finanzieren BMFSFJ, RD Baden-Württemberg, Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und Stiftung Diakonie den Modellversuch.

 

Links:

Pressemitteilung BMFSFJ

Pressemitteilung Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Internetportal www.hilfe-im-haushalt.de
Website

Wiedereinstiegsrechner des BMFSFJ

 

Links - perspektive-wiedereinstieg.de:

Checkliste Haushaltsnahe Dienstleistungen

FAQ: Formen der Inanspruchnahme Haushaltsnaher Dienstleistungen

Studien: Haushaltsnahe Dienstleistungen – ein Markt mit Möglichkeiten

Haushaltsnahe Dienstleistungen: Zeit für den beruflichen Wiedereinstieg, für Familie und persönliche Interessen

Personen- und haushaltsnahe Dienstleistungen: Neue Qualität einer gleichberechtigten Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestalten


Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? – Abonnieren Sie den RSS-Feed und erhalten Sie eine Nachricht, wenn ein neuer Artikel auf perspektive-wiedereinstieg.de erscheint.

Geben Sie sich oder anderen einen Motivationsschub für den beruflichen Wiedereinstieg! Versenden Sie hier Ihre persönliche perspektive-wiedereinstieg.de-E-Card.

Foto: © Pixabay

Themenlotse

Themen-Schnellzugang