Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf private Haushalte und Familien?

Die Digitalisierung hat in fast alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft Einzug gehalten. Neue Technologien verändern den beruflichen und privaten Alltag. Die Studie „Digitalisierung in deutschen Haushalten“ von McKinsey in Kooperation mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie Microsoft Deutschland zeigt, wie sich durch die Nutzung von digitalen Produkten und Anwendungen mehr Zeit für Familie gewinnen lässt.

Foto: Deckblatt der Broschüre "Digitalisierung in deutschen Haushalten"

Es bestätigt sich immer wieder: Vielen Familien fehlt es an Zeit. Zeit, die sich Mütter und Väter für ihre Kinder und füreinander wünschen; Zeit, die nicht unterbrochen wird durch die lästigen, immer wiederkehrenden Aufgaben des Alltags. Diese Aufgaben werden auch in Zukunft nicht verschwinden. Aber es gibt Möglichkeiten, sie zu reduzieren und sich wertvolle Zeit freizuschaufeln, so Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Vorwort zur Studie Digitalisierung in deutschen Haushalten. Wie Familien mehr Qualitätszeit gewinnen können. Die Untersuchung wurde durchgeführt von dem Beratungsunternehmen McKinsey in Kooperation mit dem BMFSFJ sowie Microsoft Deutschland.

Welche Chancen bieten digitale Technologien den Familien, mehr Qualitätszeit zu gewinnen und diese besser zu nutzen? Um konkret zu ermitteln, welche Aufgaben in Haushalt und Familie verhindern, dass genügend Raum für gewünschte Aktivitäten bleibt, führte die von McKinsey beauftragte Innofact AG im November 2015 eine Online-Umfrage mit Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren mit minderjährigen Kindern durch. Der repräsentativen Studie liegen die Befragungsergebnisse von 1.540 Haushalten zugrunde. Der Anteil der Alleinerziehenden betrug 15 Prozent. Innerhalb der fünf Themenblöcke waren Mehrfachnennungen zur Beantwortung der Fragen möglich.

Wandel im Familienleben bringt veränderten Zeitbedarf

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Gesellschaft nachhaltig verändert. Trends wie eine steigende Frauenerwerbstätigkeit, aktive Vaterschaft, Pflege von Angehörigen, Urbanisierung und Mobilität wirken sich auch auf die Gestaltung des Familienlebens aus. Dieser Wandel geht häufig mit einem veränderten Zeitbedarf einher und erfordert somit ein neues Zeitmanagement. Entsprechend groß ist der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten und Arbeitsorten.

Mehr „Qualitätszeit“, weniger „Zeitfresser“ gewünscht

Für welche Aktivitäten hätten Familien gerne mehr Zeit zur Verfügung, für welche Aufgaben möchten sie tendenziell weniger Zeit aufwenden? Aus der subjektiven Zuordnung vorgegebener Aktivitäten konnten von den Autorinnen und Autoren der Studie Qualitätszeit und Zeitfresser identifiziert werden.

Qualitätszeit

Die fünf meist genannten Aktivitäten, für welche die Befragten tendenziell gerne mehr Zeit verwenden möchten, sind: Gemeinsame Aktivitäten mit Kindern (89%), Schlafen (86%), Partnerschaftliche Intimität (84%), Kultur und Unterhaltung (83%) sowie Ausruhen, Nichtstun (81%).

Eine hohe Zustimmung erreichten auch die folgenden Aktivitäten: Hobbys (76%), Persönliche Bildung (76%), Essen und Trinken (74%), Kinder begleiten (73%) sowie Sport und körperliche Fitness (71%).

Zeitfresser

In der Regel verbringen die Befragten pro Woche rund 25 Stunden mit „Zeitfresseraktivitäten“. Für die folgenden fünf Aufgabenbereiche würden die meisten gerne weniger Zeit aufwenden: Putzen und Aufräumen (73%), Weg zum Arbeitsplatz (73%), Besuche beim Arzt oder bei der Ärztin (71%), Waschen, Bügeln und Nähen (68%), Dienstleistungen (z.B. Friseur bzw. Friseurin) und Behördengänge (63%) sowie Einkaufen von Lebensmitteln und sonstigen täglichen Bedarfsgütern (62%).

Auf die Frage, warum sie Zeitfresser nicht vermeiden können, antworten die Befragten, dass sich die Tätigkeiten nicht schneller erledigen lassen (40%), ihnen zeitsparende Alternativen fehlen (34%) bzw. sie kein Geld für Dienstleistungen ausgeben möchten (23%). Danach befragt, ob sie grundsätzlich für eine Zeitersparnis bezahlen würden, zeigten sich allerdings zwei Drittel der Befragten dazu bereit. Eine Stunde Zeitgewinn pro Woche wäre ihnen im Durchschnitt 11 Euro wert.

Gründe für die Nutzung digitaler Technologien

Digitalisierung ist einer der Megatrends in unserer Gesellschaft und birgt auch Entlastungspotenziale für Haushalte und Familien. Derzeit nutzen Eltern mit minderjährigen Kindern digitale Technologien vor allem zur Informationsbeschaffung (56%), Organisation und Strukturierung (24%) sowie soziale Interaktion (23%). Die fünf beliebtesten Beschäftigungen, bei denen digitale Technik zum Einsatz kommt, sind: Kommunikation (84%), persönliche Bildung mittels entsprechender Websites oder Apps (83%), Kultur und Unterhaltung (77%), Einkaufen von Bekleidung, Elektro- und Freizeitartikeln, Einrichtungsgegenständen etc. (76%) und Hobbys (63%). Die Bereitschaft, auch weitere digitale Produkte und Anwendungen zu nutzen, wenn sie damit Zeit – insbesondere bei haushaltsnahen Tätigkeiten – sparen können, ist bei den Befragten vorhanden.

Die Autorinnen und Autoren der Studie stellen fest, dass Familien derzeit digitale Technologien zumeist nur für einfachere Tätigkeiten einsetzen. Der Nutzen vieler weiterer Möglichkeiten, die die Qualitätszeit erhöhen könnten, wird oft noch nicht wahrgenommen, oder die entsprechenden Angebote sind nicht bekannt. Kosten, unzureichendes Vertrauen in die Anbieter bzw. Anbieterinnen digitaler Dienste, mangelnder Datenschutz, Sicherheitsbedenken oder technische Restriktionen sind dagegen keine wesentlichen Hindernisse für die Nutzung der Angebote.

Es gibt bereits heute viele Möglichkeiten, wie digitale Technologien im Haushalt genutzt werden können. Vielleicht finden Sie in den folgenden Beispielen Anregungen, die sich in Ihren individuellen Alltag integrieren lassen und Ihnen somit Zeit schenken:

  • Haushaltsroboter können beim Staubsaugen, Wischen oder Rasenmähen hilfreich sein.
  • Onlineportale machen die Angebote zur flexibleren Nutzung von Personen- und Haushaltsnahen Dienstleistungen, wie zum Beispiel Putzen, Aufräumen, Waschen, Bügeln und Nähen, zugänglich.
  • Digitale Einkaufszettel mit Zugriff für alle Mitglieder des Haushalts und Onlinebestelldienste mit flexiblen Lieferzeiten oder persönlicher Abholung im nächsten Supermarkt sparen Einkaufszeiten und langes Anstehen an der Kasse.
  • Der Weg zum Arbeitsplatz lässt sich durch eine Software zur verkehrsabhängigen Routenplanung (fast) in Echtzeit oder die Ermittlung der besten Abfahrzeit auf Basis von Kalendereinträgen und aktueller Verkehrslage durch digitale Assistenten optimieren.
  • Wer Wegezeiten an einzelnen Tagen in der Woche ganz einsparen möchte, lotet aus, ob Home-Office-Lösungen durch das Unternehmen unterstützt werden.
  • Behörden, Dienstleistungsunternehmen und Arztpraxen bieten heute vielfach die Möglichkeit, Termine online zu vereinbaren. Im Trend liegen auch Videotelefonate zwischen Arzt bzw. Ärztin und Patient bzw. Patientin.

Wenn es gelingt, durch den Einsatz digitaler Technologien mehr Qualitätszeit zu gewinnen, kann das viele positive Auswirkungen für die Familienmitglieder haben. So kann es sein, dass mehr Zeit für gemeinsame familiäre bzw. partnerschaftliche Aktivitäten, Bildung, soziale Kontakte und ehrenamtliches Engagement zur Verfügung steht. Die gewonnene Zeit und die damit verbundenen Aktivitäten können zu einer Steigerung der Lebensqualität führen. Phasen, die zur Erholung genutzt werden, können sich positiv auf die Leistungsfähigkeit, die Stimmung und die Gesundheit auswirken. Gerade für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger können digitale Technologien eine gute Möglichkeit sein, die Alltagspflichten im Haushalt anders zu verteilen, um nicht in eine Doppelbelastung durch Beruf und Familie zu geraten.

Digitale Kompetenzen aneignen

Angesichts der Themen wie Datensicherheit, Cyberkriminalität und Wahrung der Privatsphäre erfordert die fortschreitende Digitalisierung, klare Entscheidungen zu treffen, welche Services von welchem Anbieter bzw. welcher Anbieterin erwünscht sind und auf welche Dienstleistungen verzichtet werden kann. Für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Produkten und Anwendungen brauchen Eltern digitale Kompetenzen, die sie wiederum an ihre Kinder weitergeben. Wichtig in diesem Zusammenhang ist es, sich die entsprechenden technischen Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, neue Trends bezüglich familienunterstützender digitaler Angebote im Blick zu behalten und sich gleichzeitig kritisch mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen.

Tipp: Der gemeinnützige Verein Initiative D21 e.V., Deutschlands größte Partnerschaft von Politik und Wirtschaft für die Informationsgesellschaft, initiiert und fördert vertrauensbildende Maßnahmen für die Nutzung digitaler Anwendungen und hält ein breites Spektrum an Informationen bereit, um sich Wissen im Zusammenhang mit digitalen Kompetenzen anzueignen: www.initiatived21.de

Digitale Technologien – Ein Ausblick auf das Jahr 2025

Für die Zukunft zeichnet sich ab, dass digitale Technologien zu einem festen Bestandteil des Alltags werden. Je ausgereifter die entsprechenden Produkte und Anwendungen werden, je mehr die Nutzungsfreundlichkeit steigt, das Vertrauen in die Datensicherheit und die Wahrung der Privatsphäre gegeben ist, umso selbstverständlicher werden die Menschen das digitale System annehmen. Gerade Neuerungen wie das Smart Home, in dem sich Heizung, Licht etc. an die Verhaltensweisen der Bewohnerinnen und Bewohner anpassen, das selbstfahrende Auto (Smart Driving) und die intelligente Infrastruktur der Smart City könnten Familien die Lebensgestaltung erleichtern. Flexiblere Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle tragen zusätzlich dazu bei, mehr Qualitätszeit zu gewinnen.

Links:

Digitalisierung in deutschen Haushalten. Wie Familien mehr Qualitätszeit gewinnen können.
Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, McKinsey & Company, Inc. und Microsoft Deutschland GmbH

Initiative D21 e.V.
Informationen in der Rubrik „Vertrauen“ auf der Website der Initiative

eServices der Bundesagentur für Arbeit

www.perspektive-wiedereinstieg.de:

Digitalisierung der Arbeitswelt: Mobile Arbeitsformen eröffnen Chancen für eine partnerschaftliche Aufgabenteilung

Internetportal www.hilfe-im-haushalt.de

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