Studie: „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“

Wie teilen sich Paare nach der Geburt ihrer Kinder die Aufgaben in Familie und Beruf? Was ist für diese Entscheidung ausschlaggebend? Welche Faktoren begünstigen eine partnerschaftliche Aufgabenverteilung? Erstmals bietet eine repräsentative Studie Antworten zu diesen Fragen: Das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) befragte Ende 2014 im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mehr als 3.000 Mütter und Väter, die als Paare mit ihren Kindern unter sechs Jahren zusammenleben. Es zeigt sich, dass die meisten Frauen nach der Geburt eines Kindes ihre Berufstätigkeit einschränken, obwohl dies dem Wunsch vieler Eltern nach einer gleichberechtigten Verteilung der Aufgaben in Familie und Beruf widerspricht.

Foto: Frau und Mann halten zwei Puzzle-Teile aneinander

Im Zusammenhang mit der Geburt des ersten Kindes treffen Paare Entscheidungen, die vor allem das weitere Leben von Frauen langfristig verändern. Die meisten stecken nicht nur kurzfristig, sondern für viele Jahre, oft für immer, beruflich zurück - mit gravierenden Auswirkungen auf berufliche Chancen und Rentenansprüche, benennt Prof. Renate Köcher vom IfD Allensbach ein zentrales Ergebnis der vom Bundesfamilienministerium beauftragten repräsentativen Befragung mit dem Titel „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“. Befragt wurden insgesamt mehr als 3.000 Frauen und Männer, die als Paare mit ihren Kindern zusammenleben und deren jüngstes Kind jünger als sechs Jahre ist. Bei mehr als einem Fünftel der Familien wurde das älteste Kind bereits vor der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 geboren.

Die Entscheidungen zur Aufgabenteilung werden von den Wünschen nach Zeit für Familie, Wertvorstellungen, dem Einkommen und den Arbeits- und Betreuungsbedingungen beeinflusst.

Modelle für die Verteilung der Aufgaben in Familie und Beruf im Wandel

Die vor der Geburt des ersten Kindes mit 71 Prozent dominierende Vollzeit/Vollzeit-Konstellation wird nach der Elternzeit von vielfältigen Modellen abgelöst. Eltern wählen vor allem Modelle, in denen eine Vollzeitbeschäftigung des Vaters mit einer Teilzeittätigkeit der Mutter kombiniert wird, wobei aber der zeitliche Umfang dieser Teilzeitarbeit stark variiert.

Im Untersuchungsbericht zu dieser aktuellen repräsentativen Befragung weist das IfD Allensbach auf ergänzende Statistiken der jährlich aktualisierten Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse AWA hin. Dort zeigt sich ein Wandel hin zu einer umfangreicheren Erwerbstätigkeit von Müttern in Paarverbindungen mit Kindern unter sechs Jahren. Insgesamt wuchs der Anteil der berufstätigen Mütter zwischen 2005 und 2015 von 51 auf 59 Prozent (hier einschließlich derjenigen in Elternzeit). Der Anteil der Berufstätigen mit mehr als 15 Wochenstunden stieg von 24 Prozent in 2005 auf 33 Prozent im Jahr 2015. Auch die Teilgruppe der Vollzeit-Berufstätigen wuchs um immerhin drei Prozentpunkte. Im zurückliegenden Jahrzehnt wurde die Konstellation „Nichtberufstätige Mutter und alleinverdienender Vater“ nach der Geburt der Kinder deutlich seltener gewählt.

Wunsch nach größerer Gleichverteilung von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung

Wenn sie frei wählen könnten, entschieden sich insgesamt 47 Prozent der Eltern für ein Modell, in dem Mutter und Vater gleich oder annähernd gleich lange arbeiten. Als besonders attraktiv gilt die Konstellation, in der beide Elternteile in Teilzeit berufstätig sind. Eine längere Teilzeit für den Vater – unabhängig von den Idealvorstellungen für die Mütter – wünscht sich fast ein Drittel der Paare. Dieses wird allerdings aktuell in nicht einmal jeder zwanzigsten Familie realisiert.

Auch bei der Kinderbetreuung wünschen sich viele der Befragten mehr Partnerschaftlichkeit: 29 Prozent der Väter möchte sich gern auch im Alltag mehr den Kindern widmen, als es ihnen aktuell möglich ist, mehr als 50 Prozent der Väter möchte am liebsten die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen.

Vielfältige Einflussfaktoren

Dass Eltern in der Praxis oft andere Modelle umsetzen, hat laut Studie unterschiedliche Gründe: Vielfach haben sie traditionelle Vorstellungen verinnerlicht, wonach die Mutter in den ersten Jahren ganz für ihr Kind da sein und der Vater als Familienernährer das Einkommen sichern sollte.

Oft sind es auch finanzielle Aspekte, die den Ausschlag geben: Es tritt die Person beruflich kürzer, die weniger verdient. Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschweren, sowie fehlende oder unzureichende Kinderbetreuungsangebote können ebenfalls einer gleichmäßigen Aufgabenteilung im Wege stehen.

Berufstätigkeit der Mutter: Unterstützung durch den Vater wichtig

Wo auch die Väter der Berufstätigkeit der Mutter bei der Aufteilung Bedeutung zuerkennen, entscheiden sich Mütter deutlich häufiger für eine zeitlich umfangreichere Berufstätigkeit, heißt es in der Allensbach-Studie. Dies geht in der Regel mit der Bereitschaft der Väter einher, vermehrt Familienaufgaben zu übernehmen und damit die Berufstätigkeit der Mutter zu unterstützen.

Was sind die Voraussetzungen für eine annähernd gleiche Aufteilung der Aufgaben in Beruf und Familie?

Die Studie fasst die Erfolgsfaktoren für eine partnerschaftliche Arbeitsteilung wie folgt zusammen: „Voraussetzungen für eine gleiche oder annähernd gleiche Aufteilung sind also vor allem

  • geeignete Betreuungsmöglichkeiten,
  • gute betriebliche Möglichkeiten für Mütter und Väter, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, was geeignete Arbeitszeitmodelle mit einschließt,
  • familienpolitische Maßnahmen, die Hürden für eine weniger ungleiche Aufteilung verringern,
  • die Bereitschaft beider Elternteile, sich bei der Familienarbeit wie auch bei den beruflichen Plänen gegenseitig zu unterstützen.“

Hier setzt unter anderem auch das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundesagentur für Arbeit an. An 23 Standorten bundesweit unterstützen Träger und Trägerverbünde Frauen und Männer nach einer längeren Familienphase dabei, die Weichen neu zu stellen und den Weg zurück in den Beruf erfolgreich zu realisieren. Die Modellstandorte knüpfen dazu Kontakte zu Betrieben sowie Unternehmensverbänden und informieren Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber über die Potenziale von beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern. Bei Bedarf stellen die Beratungskräfte Kontakte zwischen Wiedereinstiegsinteressierten und personalsuchenden Unternehmen her.

Link:

Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf - Untersuchungsbericht zu einer repräsentativen Befragung von Elternpaaren im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2015

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