Man sollte sich nicht entmutigen lassen, sagt Drehbuchautorin Kristin Derfler

Kristin Derfler ist zweifache Mutter und Drehbuchautorin. In ihrem Fernsehfilm „Mama arbeitet wieder“ erzählt sie die Geschichte eines jungen Ehepaars zwischen Familienmanagement und beruflicher Verwirklichung – mit allen Freuden und Fallhöhen. Was an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf so schwierig ist und warum es sich trotzdem lohnt, verrät sie im Gespräch mit perspektive-wiedereinstieg.de.

Foto: Kristin Derfler

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie sind Sie zu dem Stoff des Films gekommen?

Kristin Derfler: Ich habe mit meiner Produzentin über das Thema gesprochen und wir sind zu dem Schluss gekommen – auch aufgrund meiner eigenen Erfahrung – , dass wir unbedingt einmal erzählen sollten, wie das ist, wenn eine Frau und Mutter wirklich eine beanspruchende Vollzeittätigkeit annimmt und nicht mehr so für ihre Familie da sein kann, wie das zuvor der Fall gewesen ist. Dann muss sich nämlich auch der Mann anders aufstellen, der ebenfalls seiner Arbeit nachgeht, aber nun auch im Alltag größere Mitverantwortung für die Kinder übernimmt.

perspektive-wiedereinstieg.de: … wofür der moderne Vater ja aufgeschlossen ist...

Kristin Derfler: Ja. Männer finden es mittlerweile gut, wenn ihre Partnerinnen wieder arbeiten und wollen sie unterstützen. Das Thema ist insofern in der Gesellschaft angekommen. Im Film verschieben sich die Akzente in die Richtung, dass der Mann auf einmal mehr oder weniger alles allein handhaben muss, weil die Frau sehr erfolgreich, aber in einem Job mit großem Zeitdruck und -aufwand arbeitet. Er findet sich also in der Situation wieder, in der sich in der Regel immer noch die Frau befindet. Genau diese Konstellation war reizvoll für mich. Um dann auch auf die Beziehungsebene zu schauen: Was passiert eigentlich, wenn die Familie sich neu organisieren muss.

perspektive-wiedereinstieg.de: Der Mann hat Schwierigkeiten mit seiner neuen Herausforderung?

Kristin Derfler: Ich habe ihn in die Baubranche gesetzt, die immer noch sehr männlich strukturiert ist. Dort bekommt er Probleme, weil es nicht üblich ist, dass jemand sagt: Ich muss früher weg. Ihm fällt es zunächst schwer, offen damit umzugehen, dass er für seine Kinder da sein muss. Das führt zu einer Zerreißprobe. Er verliert einen wichtigen Auftrag und fühlt sich von seiner Frau zurückgesetzt, lernt aber, mit dem Thema offensiv umzugehen und zu sagen: Ich habe eine Familie, meine Arbeit schaffe ich trotzdem. Das ist eine neue Situation, dass die Frau ihm nicht mehr den Rücken frei hält, sondern selbst agiert. In die müssen er und sein Umfeld sich erst einmal einfinden.

perspektive-wiedereinstieg.de: Und wie gelingt ihm das?

Kristin Derfler: Das ist eine Frage der Priorität. Tagsüber sein Arbeitspensum schaffen, darüber hinaus die Kinder zu betreuen und abends wieder am Schreibtisch zu sitzen –das fordert heraus. Ich habe das zugegeben stark an mein eigenes Erleben angelehnt, nach der Geburt meiner Kinder. Ich habe mich regelrecht zerrissen, um wieder Aufträge zu bekommen. An erster Stelle steht die Familie, dann kommt der Job und dann erstmal nichts. Man muss verzichten können. Ich finde es wichtig, sich das in aller Nüchternheit klarzumachen. Und das ist etwas, worüber meiner Meinung nach bei den Diskussionen um Modernität und Elterngeld viel zu wenig gesprochen wird.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Reaktionen gab es auf den Film?

Kristin Derfler: Die arbeitenden Mütter, mit denen ich gesprochen habe, waren begeistert, dass ohne Beschönigung gezeigt wird, wie schwierig es ist, allen gerecht zu werden: den Kindern, dem Partner, dem Job. Das hohe Maß an Eigenorganisation, Disziplin und Entscheidungsfreude, das Frauen aufbringen müssen, vor allem, wenn sie in verantwortungsvolle Berufe zurückkehren —das Frauen, die Mütter sind, sich aber auch aneignen. Allein die Organisation der Kinderbetreuung. Die Horte sind nicht flexibel genug, wenn es darum geht, Frauen ihre Arbeitseinteilung zu erleichtern. Diesen Part müssen sie in der Regel selbst übernehmen: ein Mütternetzwerk aufbauen, in dem man sich gegenseitig aushilft.

perspektive-wiedereinstieg.de: Sie selbst haben noch junge Kinder und einen zeitintensiven Beruf. Wie gehen Sie damit um?

Kristin Derfler: Ich habe ja eher eine Umstiegs- denn eine Wiedereinstiegskarriere hinter mir. In den 80er Jahren ging ich auf die Schauspielschule, und erst sehr viel später und auf Umwegen bin ich zum Schreiben gekommen. Ich habe noch mal studiert, und während dieser Zeit  — meine Tochter war bereits geboren — haben wir viel in meine Ausbildung investiert. Mein Mann hat mich da sehr unterstützt. Aber in den Urlaub sind wir lange nicht gefahren. Auch das war eine Sache der Priorität. Heute habe ich einen streng strukturierten Tagesablauf. Die acht Stunden Arbeitszeit, die ich täglich zur Verfügung habe, nutze ich intensiv – und vielleicht effektiver, als ich es täte, wenn ich mehr Zeit hätte. Bei allen Widerständen, die es geben kann, muss ich sagen: Man sollte sich nicht entmutigen lassen. Ich möchte nichts missen. Weder die Kinder, noch die Arbeit.

Foto: Heike Steinweg

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