Picco Bella gGmbH

Die Picco Bella gGmbH in Aachen ist ein gemeinnütziges Dienstleistungs- und Qualifizierungsunternehmen, das Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen auf dem Arbeitsmarkt schwer Fuß fassen können, im Bereich der Haushaltsnahen Dienstleistungen aus- bzw. weiterbildet und anschließend auch große Chancen der Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt eröffnet. Geschäftsführerin Christiane Feldmann berichtet darüber.

Foto: Frau trägt Wäschekorb

Wir bieten eine breite Palette von Dienstleistungen vom Veranstaltungs- bis zum Wäscheservice am Markt an und qualifizieren Frauen für diese Arbeit, erklärt Christiane Feldmann, Geschäftsführerin des öffentlich geförderten Sozialunternehmens Picco Bella gGmbH in Aachen. Haushaltsnahe Dienstleistungen für Privatkundinnen und -kunden gehören ebenfalls zum Angebot. Dieses Geschäftsfeld bauten wir vor 17 Jahren auf, als eine Zeitung fälschlich meldete ‘Picco Bella reinigt auch Privathaushalte’ und wir mit Anfragen überschüttet wurden, lacht Christiane Feldmann. Inzwischen beschäftigt und qualifiziert das Unternehmen 30 tariflich bezahlte Mitarbeiterinnen dafür und hat langjährige Erfahrung in der fachlichen Ausbildung von Personal.

Qualifizierung: mehr als Fachwissen gefragt

Wer bei Picco Bella diese Qualifizierung beginnt, entscheidet sich für einen der drei Schwerpunkte „Kinderbetreuung“, „Haushaltsbezogene Dienstleistungen“ oder „Seniorinnen- bzw. Seniorenbetreuung“ und schließt die Fortbildung als „Geprüfte Servicekraft für familienunterstützende Dienstleistungen“ ab. Die Schulung dauert - je nachdem in welchem Tempo eine Teilnehmerin sie absolviert – rund ein Jahr. Auch eine Ausbildung in Teilzeit ist möglich, berichtet die Picco-Bella-Geschäftsführerin. Da das Unternehmen die Dienstleistung am Markt anbietet, ist die Qualifizierung stark an der Praxis orientiert. Wir machen zum Beispiel die Erfahrung, dass eine gute Kommunikation mit den Kundinnen bzw. Kunden ein wichtiger Faktor für unseren Erfolg ist. Dabei eine professionelle Haltung zu bewahren, ist vielfach eine Herausforderung, da die Arbeit in der sensiblen Sphären eines Privathaushalts geleistet wird und sich die dabei entstehenden persönlichen Beziehungen deutlich von denen in geschäftlicher Umgebung unterscheiden. In unseren Seminaren spielt das Thema daher eine große Rolle, berichtet Christiane Feldmann. Die Vermittlung von Fachwissen sei ein substantieller Bestandteil der Qualifizierung, aber es gehe zum Beispiel auch um rechtliche Rahmenbedingungen sowie um rationelle und gesundheitsschonende Arbeitsverfahren.

Im Unternehmen Praxiserfahrung sammeln

Im Anschluss an die mit dem Zertifikat abgeschlossene Qualifizierung können die Absolventinnen weitere Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Picco Bella erwerben. Wir verstehen das als ‚Routinierungsphase’, in der die Teilnehmerinnen Praxiserfahrung gewinnen, erläutert Christiane Feldmann. Sie haben dann die Möglichkeit, sich auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bewerben, wobei ein erfolgreicher Abschluss bei Picco Bella ein Gütesiegel sei, betont Christiane Feldmann. Je besser die Qualifizierung, desto höher seien die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die steigende Zahl von Absolventinnen zu beschäftigen, sei kein Problem. Ausreichend neue Aufträge erhält das gut etablierte Unternehmen auch ohne großes Akquirieren. Anders als viele andere Dienstleisterinnen und Dienstleister in diesem Segment berechnet Picco Bella keine Stundensätze, sondern schnürt Leistungspakete. Gemeinsam mit den Kundinnen bzw. Kunden definieren wir die Dienstleistung, die gebraucht und gewünscht wird, und bieten sie zu einem Festpreis an, erläutert Christiane Feldmann.

Angestellt arbeiten hat Vorteile

Die meisten Picco-Bella-Beschäftigten, die sich anderweitig orientieren, erhalten Unterstützung bei der Suche nach einer Festanstellung. Kaum jemand wage den Schritt in die Selbstständigkeit, weiß Christiane Feldmann aus Erfahrung. Dafür sei der Markt zu schwierig. Dienstleistungen in Privathaushalten wie Putzen, Gartenarbeiten und kleine Reparaturen werden in Deutschland überwiegend durch Schwarzarbeit erledigt, schrieb das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) schon vor zehn Jahren. Daran hat sich leider nicht viel verändert. Sich gegen diesen verzerrten Wettbewerb durchzusetzen und sich als Fachfrau zu profilieren, ist eine besondere Herausforderung, sagt Christiane Feldmann. Viele der geprüften Servicekräfte für familienunterstützende Dienstleistungen sind daher in der Qualifizierung für Picco Bella tätig und profitieren dort neben der tariflichen Bezahlung auch von der Möglichkeit, die Arbeitszeit den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

Mehr gesellschaftliche Anerkennung

Für die Zukunft wünscht sich Christiane Feldmann mehr gesellschaftliche Anerkennung für haushaltsbezogene Dienstleistungen. Reinigung ist eine verantwortungsvolle, werterhaltende Arbeit, die - professionell ausgeführt - fundiertes Wissen verlangt, betont die Geschäftsführerin. In Österreich zum Beispiel betrachte man diese Leistungen mit größerer Wertschätzung. Dort hat das sogenannte Housekeeping eine lange Tradition. Auch in Deutschland scheine sich langsam etwas zu verändern. Unsere jüngeren Kundinnen und Kunden sehen das Thema zumeist ganz pragmatisch. Sie sagen sich: ‚Warum soll ich mir das Leben nicht einfacher machen und Aufgaben in Haushalt und Familie delegieren?’. Daraus entwickelt sich dann oft eine freundliche und respektvolle Zusammenarbeit, von der beide Seiten gleichermaßen profitieren, berichtet Christiane Feldmann.

Links:

Picco Bella gGmbH
Website

„Förderung von Agenturen für haushaltsnahe Dienstleistungen schafft Arbeitsplätze für Geringqualifizierte”
Wochenbericht des DIW Berlin 23/02 auf der Website des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin)

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Foto: pixelio.de / Benjamin Thorn

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