Hoppen Innenausbau GmbH

Vor zehn Jahren stellte Katrin Hoppen, Geschäftsführerin von Hoppen Innenausbau in Mönchengladbach, vier berufliche Wiedereinsteigerinnen ein. Sie bot wiedereinstiegsfreundliche Rahmenbedingungen und machte damit gute Erfahrungen.

Foto: Katrin Hoppen

Perspektive-wiedereinstieg.de: Frau Hoppen, Sie werben als Unternehmerin bei anderen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern dafür, berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiederein­steiger einzustellen. Was motiviert Sie dazu?

Katrin Hoppen: Wir haben selbst sehr gute Erfahrungen damit gemacht und machen sie immer noch. Das möchte ich weitergeben. Hoppen Innenausbau ist ein kleiner Handwerksbetrieb mit 25 Beschäftigten. Vor rund zehn Jahren hatten wir personell eine kritische Situation: eine Mitarbeiterin ging in Rente, eine andere wurde langfristig krank und ich selbst war schwanger. Unser Bürobereich lag quasi lahm. In dieser Situation habe ich mit Unterstützung des Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit ganz bewusst nach beruflichen Wiedereinsteigerinnen bzw. Wiedereinsteigern gesucht. Bei der Qualifikation haben wir dabei keine Kompromisse gemacht. Das war auch nicht nötig, denn die Agentur für Arbeit verfügte über einen großen Pool entsprechender hoch qualifizierter Kräfte. Wir haben dann vier berufliche Wiedereinsteigerinnen eingestellt, zwei von ihnen alleinerziehend, und die Arbeitszeiten und -bedingungen so „gestrickt“, dass es für alle passte. Immer zwei Beschäftigte decken einen Bereich der Büro-Arbeit ab. Für Fenster-Beratung und -Verkauf haben wir eine fachfremde berufliche Wiedereinsteigerin beschäftigt, die technisches Verständnis und Interesse mitbrachte und die wir entsprechend geschult haben. Da mehr Kundinnen als Kunden das Beratungsangebot nutzen, erwies sich das als sehr gute Wahl. Was meine Mit-Geschäftsführer damals nur „das Experiment“ nannten, hat sich bis heute sehr bewährt.

Perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Vorteile haben denn Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die wiedereinstiegsfreundliche Rahmenbedingungen bieten und berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger beschäftigen?

Katrin Hoppen: Die Vorteile, die ich erlebe, sind vielfältig. Dadurch, dass wir Teilzeitarbeit anbieten und die Möglichkeit, teilweise von Zuhause aus zu arbeiten, konnten wir eine Bilanzbuchhalterin für uns gewinnen, die sich ansonsten sicherlich nicht für Hoppen Innenausbau entschieden hätte und die wir uns auch nicht hätten leisten können. Eine andere Mitarbeiterin besitzt ein abgeschlossenes Betriebswirtschaftsstudium. Sie zeichnet sich durch ihr unternehmerisches Denken aus und trifft so in ihrem Fachbereich die richtigen Entscheidungen. Solche Kräfte binden zu können, ist sehr wertvoll für ein Unternehmen. Dadurch, dass die Rahmenbedingungen stimmen und die Beschäftigten durch flexible Arbeitszeiten eine gute Balance zwischen den Anforderungen in Beruf und Familie finden können, haben wir einen sehr geringen Krankenstand. Auch die Tatsache, dass sich unsere Büro-Mitarbeiterinnen die Arbeitsplätze teilen, wirkt sich positiv aus. Wenn eine ausfällt oder Urlaub macht, kann die Kollegin unkompliziert Aufgaben übernehmen. Durch diese Doppelbesetzung bleibt nichts liegen. In Ausnahmesituationen, zum Beispiel bei Kinderbetreuungsengpässen, finden wir Lösungen. Dann kommt das Kind zum Beispiel nach der Schule in die Firma und macht hier seine Hausaufgaben, so dass die Mutter noch zwei Stunden weiter arbeiten kann.

Perspektive-wiedereinstieg.de: Ihre positiven Erfahrungen machen Sie zu einer überzeugenden Botschafterin für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger. Wie kamen Sie zu dieser Rolle?

Katrin Hoppen: Hoppen Innenausbau wurde 2009 als familienfreundlicher Betrieb ausgezeichnet. Daraufhin kam das Netzwerk W hier in Mönchengladbach auf mich zu und fragte an, ob ich mich beteiligen wolle. Das Netzwerk, das inzwischen „Mönchengladbacher Allianz für Alleinerziehende zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ heißt, ist ein Zusammenschluss von Arbeitsagentur, Jobcenter, der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach sowie Bildungsträgern und Einrichtungen der Familienbildung, die Angebote für Frauen und Männer machen, die beruflich wieder einsteigen wollen. Durch die Zusammenarbeit verbessern wir die Angebote und setzen uns vereint für die Belange der Zielgruppe ein – zum Beispiel, wenn es um den Ausbau der Kinderbetreuung geht. Ich bin bislang die einzige Unternehmensvertreterin im Netzwerk. Seit 2012 repräsentiere ich dort offiziell die Wirtschaftsförderung. Das ist sehr positiv, weil ich damit andere Unternehmen besser mit unserem Thema erreichen kann.

Perspektive-wiedereinstieg.de: Wie offen sind denn andere Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dafür, „das Experiment“ ebenfalls zu wagen?

Katrin Hoppen: Das ist sehr unterschiedlich und kommt sehr auf die Branche an. Vor allem in Sektoren, in denen Fachkräftemangel zu spüren ist, zum Beispiel in der Pflege, tut sich viel. Da gibt es mittlerweile vielfach neue Arbeitszeitmodelle, die beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern entgegen kommen. Insgesamt sind es immer noch eher einzelne Unternehmen, die den Trend erkannt haben und sich mit wiedereinstiegsfreundlichen Rahmenbedingungen für Beschäftigte attraktiv machen. Bei diesen Unternehmen ist die Nachfrage nach offenen Stellen oft so groß, dass sie ihre Familienfreundlichkeit gar nicht mehr offensiv kommunizieren. „Wir wollen ja keine Hoffnung wecken, die wir dann nicht einlösen können“, heißt es dann. Ich kann das nachvollziehen. Wir erhalten ebenfalls sehr viele Initiativbewerbungen und mir tut es jedes Mal Leid, wenn ich keine Stelle anbieten kann. Unternehmen, die dringend gute Leute suchen, kann ich daher nur raten, mit passenden Rahmenbedingungen um berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger zu werben. Ein Hinweis in der Stellenanzeige, dass Bewerbungen dieser Zielgruppe willkommen sind, kann das unterstützen.

Perspektive-wiedereinstieg.de: Herzlichen Dank für den spannenden Erfahrungsbericht, Frau Hoppen. 

Links:

Hoppen Innenausbau
Website

Mönchengladbacher Allianz für Alleinerziehende – Netzwerk Wiedereinstieg
Weiterführende Informationen auf der Website der vhs Mönchengladbach

Netzwerk W
Informationen auf der Website der Landesinitiative

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Foto: Katrin Hoppen

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