Wettbewerbsfaktor Wieder­einstei­gerinnen und Wiedereinsteiger

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, stellen Frauen und Männer, die Familienaufgaben wahrnehmen und (zeitweise) nicht erwerbstätig sind, ein wichtiges Potenzial dar. Im Zuge der Diskussion um den demografischen Wandel entwickeln Unternehmen neue Strategien, um qualifiziertes Personal zu gewinnen. Studien belegen, dass Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger dafür eine interessante Zielgruppe bilden.

Foto: Frau in der Pose einer Siegerin

Frauen und Männer, die nach einer Familienphase wieder in den Beruf zurückkehren, haben häufig noch 20 oder mehr Jahre vor sich, in denen sie erwerbstätig sein und ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen können.

Wettbewerbsfaktor Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinstieg – Gute Gründe im Überblick:

Dem Fachkräftemangel begegnen

In einigen Branchen und Regionen werden bereits heute Fachkräfte – also Personen mit mindestens abgeschlossener Berufsausbildung oder vergleichbarem Sekundärabschluss – dringend gesucht. Zudem sorgt die demografische Entwicklung dafür, dass das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland, also Frauen und Männer, die einer Arbeit nachgehen können, nach Einschätzungen der Bundesagentur für Arbeit bis zum Jahr 2025 um rund 6,5 Millionen Personen sinken wird. Da Fachkräfte der Motor für Wachstum und Wohlstand sind, muss dieser Entwicklung bereits heute entgegengewirkt werden. Eine zentrale Handlungsoption besteht darin, die Erwerbsbeteiligung und das Arbeitszeitvolumen von Frauen zu erhöhen. Nach Prognosen der Bundesagentur für Arbeit liegt hier ein Potenzial von 0,7 bis 2,1 Millionen Vollzeiterwerbstätigen.

Potenziale der bestausgebildeten Frauengeneration nutzen

Seit den Bildungsreformen der 1970er Jahre haben sich die Bildungserfolge von Frauen und Männern insgesamt deutlich verbessert. Doch insbesondere die Frauen profitieren: Lag 1966/67 der Anteil der Frauen, die eine Hochschulreife erlangten, noch bei 36,5 Prozent, beträgt der Anteil seit 1993/94 stets über 50 Prozent. Noch deutlicher zeigen sich die Bildungserfolge bei den Zahlen der Hochschulabschlüsse: Seit 1960 hat sich die Zahl der Frauen mit einem Hochschulabschluss im früheren Bundesgebiet bis 1990 versechsfacht und seit der Wiedervereinigung Deutschlands bis 2009 noch einmal nahezu verdoppelt. Der Frauenanteil lag 1990 im alten Bundesgebiet bei 36,1 Prozent. Im Jahr 2011 bilden die Frauen auch an den Hochschulen die Mehrheit mit 50,7 Prozent Hochschulabsolventinnen.

Von Familienkompetenzen und Lebenserfahrung profitieren

Viele Personalverantwortliche schreiben Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern neben Engagement und Organisationstalent auch einen Zuwachs an sozialer Kompetenz zu. Das ist ein Ergebnis der Befragung von Personalverantwortlichen in der Wirtschaftsregion Aachen mit dem Titel Wiedereinstieg (k)ein Thema für Unternehmen? im Rahmen der Landesinitiative Netzwerk W in Nordrhein-Westfalen.

Bereits im Jahr 2000 hat das Deutsche Jugendinstitut mit der „Kompetenzbilanz“ ein Instrument entwickelt, mit dem berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger ihre familienbezogenen Fähigkeiten und Kompetenzen, die Erwachsene in informellen Kontexten erworben haben, erfassen können. Es werden folgende Familienkompetenzen sichtbar:

  • Selbstorganisation/Selbstmanagement
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Belastbarkeit, Fähigkeit zur Stressbewältigung
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kooperationsfähigkeit/Teamfähigkeit
  • Interkulturelles Handeln
  • Flexibilität und Mobilität
  • Organisationsfähigkeit
  • Führungsfähigkeit

Die in der Familienphase erworbenen Fähigkeiten gepaart mit den guten Ausbildungsabschlüssen sind eine Grundlage dafür, dass berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger auch komplexen Herausforderungen im Arbeitsalltag mit Lebenserfahrung lösungsorientiert begegnen können. Berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger verfügen häufig über eine routinierte Gelassenheit besonders dann, wenn es hektisch wird, und werden daher sowohl im Team als auch von Kundinnen und Kunden ernst genommen und geschätzt.

Langfristig motiviertes Personal halten

Starke Motivation für den Beruf plus Organisationstalent“ schreiben die befragten Personalverantwortlichen in der oben zitierten Unternehmensbefragung zum Thema Wiedereinstieg den Frauen zu: „Unsere Wiedereinsteigerinnen zeichnen sich durch eine überdurchschnittliche Motivation aus. Sie wollen in jedem Fall eine Dequalifikation verhindern und da wieder einsteigen, wo sie aufgehört haben. Oder: Sie sind meist gut organisiert und strukturiert. Das ist nötig, wenn sie Beruf und Familie koordinieren müssen und das überträgt sich auf die Arbeitsweise. Sie haben gelernt, Prioritäten zu setzen.

Wer Familie hat, deren Mitglieder im sozialen Umfeld aus Kindergarten, Schule und Beruf (des Partners bzw. der Partnerin) verwurzelt sind, sucht sich häufig einen Arbeitsplatz, der in der Nähe des Wohnorts liegt. Das sorgt oft für eine Standortverbundenheit und kann in eine langjährige gute Zusammenarbeit führen.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Bestandteil der Unternehmenskultur etablieren

Beschäftigte mit Familienaufgaben arbeiten besonders motiviert in einer Unternehmenskultur, die die Familienpflichten ernst nimmt und Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt. Unternehmen, die entsprechende Angebote vorhalten, zeigen sich als attraktive Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen. Das wiederum ist ein weiterer Wettbewerbsvorteil, wenn es darum geht Fachkräfte für den Unternehmenserfolg zu gewinnen und für gemeinsames Wachstum zu halten.

Links:

Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland
Publikation der Bundesagentur für Arbeit, PDF (4,18 MB)

Erwerbstätigkeit von Frauen
Themengrafik der Bundeszentrale für politische Bildung

Anteil der Schulabgängerinnen an den Schulabgängerinnen/-abgängern insgesamt nach Art des Abschlusses
Zeitreihe: 1966/1967 - 2009/2010, Datenportal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Hochschulabsolventinnen und -absolventen insgesamt sowie ausländische Hochschulabsolventinnen und -absolventen nach Prüfungsgruppen, Ländern und Geschlecht
Zeitreihe: 1999 - 2011, Datenportal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Wiedereinstieg (k)ein Thema für Unternehmen?
Eine Befragung von Personalverantwortlichen in der Wirtschaftsregion Aachen

Kompetenzbilanz - Dokumentation des Projekts Familienkompetenzen als Potenzial einer innovativen Personalentwicklung
Deutsches Jugendinstitut 

Foto: stockfreeimages.som / Yanc

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