Mit Stellenanzeigen auch die Zielgruppe der beruflichen Wieder­einsteigerinnen und Wiedereinsteiger erreichen

Immer mehr Betriebe interessieren sich bei der Personalgewinnung für die sogenannte Stille Reserve. Das sind Menschen, die weder arbeitssuchend noch arbeitslos gemeldet sind und die nach einer Familienphase ins Berufsleben zurückkehren möchten. Meike Böttger, Ansprechpartnerin für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber im Münchner Projekt power_m erläutert, wie Unternehmen ihre Stellenanzeigen gestalten können, um diese interessante Zielgruppe noch besser zu erreichen.

Meike Böttger

Mehr als zwei Millionen Frauen und Männer haben nach einer Familienphase derzeit wieder freie Kapazitäten für eine Erwerbstätigkeit. Viele dieser beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger sind hoch qualifiziert: Fast 50 Prozent von ihnen verfügen über einen Hochschulabschluss. Immer mehr Betriebe interessieren sich für diese Zielgruppe und möchten sie mit ihren Stellenangeboten dazu bewegen, sich bei ihnen zu bewerben. Meike Böttger von der Münchner Arbeit gGmbH ist im Rahmen des Verbundprojekts power_m Ansprechpartnerin für Unternehmen aus dem Raum München, die gezielt Arbeitskräfte aus dieser "Stillen Reserve" gewinnen möchten. Aufgrund ihrer Erfahrungen gibt sie folgende Tipps zur Formulierung von Stellenanzeigen:

Zielgruppe zur Bewerbung auffordern

Besonders wirkungsvoll ist die direkte Ansprache der Zielgruppe. So können Stellenanzeigen durchaus den Zusatz enthalten: ‚Bewerbungen von beruflichen Quer- bzw. Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern sind willkommen. Damit verstießen Arbeitgeberinnen und Arbeitsgeber auch nicht gegen die Auflagen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).

Auch weibliche Berufsbezeichnung ausschreiben

Frauen bilden in der Zielgruppe der beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger  aktuell noch die Mehrheit. Deren Ansprache gelingt besser, wenn die weibliche Berufsbezeichnung ebenfalls ausgeschrieben ist, erklärt die Expertin. Unternehmen, die ihren Frauenanteil erhöhen wollten, könnten zudem darüber nachdenken, einmal die Reihenfolge zu ändern und zuerst die weibliche und dann die männlich Form zu nennen.

Bei Formulierungen die Wirkung auf die Zielgruppe beachten

Bei der Beschreibung des Unternehmens rät Meike Böttger dazu, die Wirkung auf berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger zu bedenken. Statt vom einem "jungen, dynamischen Team" zu sprechen sei es vielfach zielführender, die Altersmischung im Team deutlich zu machen. Jung ist ja ein relativer Begriff und manche Teams, die sich so bezeichnen, weisen dann z.B. einen Altersschnitt zwischen 30 und 40 Jahren auf, berichtet Meike Böttger. Auch wer in Stellen­anzei­gen eine Du-Ansprache wähle, müsse bedenken, dass sich dadurch manche eher ausgeschlossen fühlten, weil diese Form ein jugendliches Team suggeriere.

Gegebenenfalls familienfreundliche Rahmenbedingungen betonen

Mit einer Beschreibung familienfreundlicher Rahmenbedingungen und Angebote in ihrem Unternehmen wie z.B. flexiblen Arbeitszeiten, Home-Office-Möglichkeiten und betrieblich unterstützter Kinderbetreuung könnten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei der Zielgruppe der beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger punkten, da hier die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Regel ein wichtiges Thema ist.

Anforderungsprofil offen formulieren

Laut Meike Böttger gelingt es den Unternehmen zudem vielfach nicht, interessante Bewerberinnen und Bewerber anzusprechen, wenn sie das Anforderungsprofil zu eng fassen. Ein Unternehmen suchte zum Beispiel eine Person mit betriebswirt­schaft­lichem Abschluss für eine Marketingstelle. Auf Nachfrage stellte sich dann heraus, dass beispielsweise auch ein geisteswissenschaftlicher Abschluss mit Berufserfahrung im Marketing möglich wäre, berichtet Meike Böttger. Sie rät daher dazu, das gewünschte Qualifikationsprofil mit dem Zusatz oder vergleichbare Qualifikation bzw. Berufserfahrung zu versehen.

Lage und Flexibilität der Arbeitszeiten benennen

Viele berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger suchen aufgrund noch bestehender familiärer Verpflichtungen nach Teilzeitpositionen und wünschen sich in der Stellenausschreibung möglichst genaue Aussagen zur Lage der Arbeitszeiten, erklärt Meike Böttger. Soweit vorhanden, sei es in Stellenausschrei­bungen ebenfalls sinnvoll, die Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten zum Beispiel durch Gleitzeit, Jahresarbeitszeitkonten oder Vertrauensarbeitszeit zu benennen.

Gute Einarbeitung sicherstellen und damit werben

Wenn dann noch eine gute Einarbeitung sichergestellt ist – ein Faktum, das in der Stellenanzeige ebenfalls einen Platz erhalten sollte – dann gelingt es Arbeitgeberinnen und Arbeitgeberin sicherlich, berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger zu motivieren, sich bei ihnen zu bewerben, so die Expertin.

Kontakte zu beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern herstellen

Neben den gängigen Wegen der Bekanntmachung von Stellen in Print- oder Online-Medien kann es zielführend sein, sich an die Ansprechpersonen von wiedereinstiegsspezifischen Projekten oder Programmen zu wenden. Wie bei power_m in München stellen die Programmverantwortlichen gerne Kontakte zwischen Unternehmen und Wiedereinsteigerinnen bzw. Wiedereinsteigern her, erklärt Meike Böttger. Entsprechende Ansprechstellen finden Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber über die Beratungsstellenkarte auf www.perspektive-wiedereinstieg.de

Link:

Power_m für Arbeitgeber

Foto: Alice Vogel

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