IZA-Studie: Familienfreundliche flexible Arbeitszeiten - ein Baustein zur Bewältigung des Fachkräftemangels

Das Arbeitspotenzial und die Qualifikation hunderttausender Mütter werden bislang nicht genug beachtet, weil es an hinreichend flexiblen Arbeitsplätzen oder angemessenen Kinderbetreuungsangeboten fehlt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2011.

Foto: Geschäftsfrau vor einer Gruppe von Geschäftsleuten

Mehr als 1,5 Millionen Vollzeitstellen könnten in Deutschland von Müttern mit Kindern unter 16 Jahren besetzt werden – wenn Karriere und Familie besser vereinbar wären. Ein Großteil der Mütter, die derzeit nicht oder weniger arbeiten als sie es sich wünschen, verfügen über gute bis hervorragende Qualifikationen: knapp 830.000 Mütter mit Berufsausbildung und rund 310.000 Akademikerinnen waren nach Hochrechnungen im Jahr 2009 ohne Job. Außerdem äußern erwerbstätige Mütter mit Berufsausbildung einen starken Wunsch nach Arbeitszeitverlängerung. Hier besteht ein Potenzial von immerhin 117.000 Vollzeitstellen. Vollzeit arbeitende Akademikerinnen hingegen würden ihre überlangen Arbeitszeiten gerne auf ein „Normalmaß“ reduzieren.

Etwa 70 Prozent der Mütter kehren nach drei Jahren Elternzeit in den Beruf zurück, die meisten in Teilzeit. Auffällig sei, so die Autorinnen und Autoren der Studie, dass die reduzierte Arbeitszeit im weiteren Berufsverlauf zumeist konstant bleibe. Nur wenige Mütter erhöhen ihren Arbeitsumfang mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes. Die Ursache liegt nach wie vor in den fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten:  Aus diesem Grund steigen nach Angaben der Studie Mütter in Deutschland häufiger als in anderen europäischen Ländern aus dem Beruf aus und kehren relativ spät und meist in Teilzeit zurück.

Das „erhebliche und bei Weitem noch nicht ausgeschöpfte Arbeitsangebot“ beruflich qualifizierter Mütter in Deutschland, so die Studie, sei durch Maßnahmen auf betrieblicher Ebene, „ohne wesentliche politische Reformen“, mobilisierbar. Dafür empfiehlt das IZA flexible Arbeitszeiten, Telearbeit und Jobsharing, ein verstärktes Angebot vollzeitnaher Teilzeitarbeit zwischen 20 und 35 Wochenstunden, Angebote zu Teilzeitarbeit und Weiterbildung in der Elternzeit, Kontaktpflege zu Müttern in Elternzeit mit der Bemühung um baldige Berufsrückkehr sowie betriebliche Unterstützung bei „Engpässen“ – beispielsweise Vermittlung oder Hilfe bei familienbezogenen Dienstleistungen.

Die IZA-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler betonen, dass die Gewinnung von qualifizierten Müttern für den Arbeitsmarkt nicht nur wichtig sei, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Auch der Staat würde profitieren: Die Studie errechnet allein bei 750.000 besetzten Vollzeitstellen Sozialversicherungsbeiträge von 12,6 Milliarden Euro und Steuern in Höhe von 5,7 Milliarden Euro.

Link:

Familienfreundliche flexible Arbeitszeiten - ein Baustein zur Bewältigung des Fachkräftemangels
IZA Research Report No. 33, Februar 2011 (208 KB)

Foto: stockfreeimages.com / Yanc

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