Buch: "Sieben Jahre Equal Pay Day"

Der Business und Professional Women (BPW) Germany e.V., ein Zusammenschluss berufstätiger Frauen, führte 2007 einen Aktionstag für Entgeltgleichheit in Deutschland ein. Ein Buch zeichnet die Geschichte der Kampagne nach und beschreibt wichtige Meilensteine.

Buch: "Sieben Jahre Equal Pay Day"

In dem 2015 im Berliner Wissenschaftsverlag erschienenen Buch Sieben Jahre Equal Pay Day – Eine Forderung wird zur Kampagne schildern Henrike von Platen, Präsidentin des BPW Germany e.V., und Christel Riedel, Projektleiterin Forum Equal Pay Day, die Entstehung und Entwicklung des Aktionstags in Deutschland. Gastbeiträge von Ursula Ott, stellvertretende Chefredakteurin von Chrismon, Helmut Schümann, Kolumnist beim Tagesspiegel, sowie Uta Zech, Inhaberin der Agentur Zech Dombrowsky Design, bieten humoristische Einlagen. Die Publikation ist auf der Equal-Pay-Day-Kampagnenwebsite kostenfrei als pdf oder E-Book verfügbar.

Das Thema „war reif“

Die als Equal Pay Day bekannte Initiative des BPW Germany e.V. kam 2007 zum richtigen Zeitpunkt: Das Thema Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern „zündete“, berichten die Buchautorinnen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) habe sofort das Potenzial einer solchen Kampagne erkannt und unterstütze das Projekt bis heute.

Eine wachsende Zahl regionaler Akteurinnen und Akteure, immer mehr Teil­neh­merinnen und Teilnehmer sowie ein starkes Medien-Echo machen den Equal Pay Day inzwischen bundesweit zum Ereignis.

Im Sommer 2011 wurde die Kampagne zum Equal Pay Day Forum. Organisiert wird sie durch eine Geschäftsstelle (Forum Equal Pay Day), die als Service-Kam­pagnen­zentrale und Koordinierungsstelle von Veranstaltungen und Foren fungiert. Es gibt seitdem jährlich wechselnde Schwerpunktthemen mit passenden Schwerpunkt­partnerinnen und -partnern, drei große Multiplikatorinnen-Veran­staltungen und zahlreiche kleine (on-demand) Veranstaltungen, welche das Thema bereits weit vor dem Equal Pay Day in die Öffentlichkeit tragen.

Idee kam aus den USA

Die Equal-Pay-Day-Idee und das Symbol der roten Taschen, die die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen symbolisieren, übernahm der BPW aus den USA. 2007 zum Europäischen Jahr der Chancengleichheit hieß der deutsche Beitrag Initiative rote Tasche, begleitet von der Frage Bekommen Sie, was Sie verdienen?. Die Antwort kam vom Statistischen Bundesamt, das gerade neue Zahlen vorgelegt und für 2006 einen Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern von 23 Prozent errechnet hatte. Das Datum für den Aktionstag besitzt ebenfalls Aussagekraft: Es macht den Entgeltunterschied zeitlich anschaulich. Rechnet man den Prozentwert in Tage um, arbeiten Frauen bis um den 20. März herum für lau. Je geringer die Lohndifferenz wird, desto näher rückt dieses Datum an den Jahresanfang.

Forderungskatalog des Aktionsbündnisses

Nach wie vor hat der Equal Pay Day seine Berechtigung. Die Entgeltlücke ist kaum geschrumpft. Das Statistische Bundesamt ermittelte für 2014 einen Gender Pay Gap von 22 Prozent. Die meisten der Forderungen, die das Aktionsbündnis 2011 an die Vorsitzenden der Bundestagsausschüsse Arbeit und Soziales sowie Familie, Senioren, Frauen und Jugend übergaben, sind nach wie vor aktuell.

BPW-Präsidentin Henrike von Platen listet die Forderungen auf: Eine geschlechtsrollensensible Erziehung in Kindertageseinrichtungen und Schulen; eine Unternehmens- und Arbeitskultur, die eine sinnvolle Vereinbarung von Arbeit und Familie für Frauen und Männern gewährleistet; die gleichmäßigere Aufteilung der Elternzeit zwischen Müttern und Vätern; der flächendeckende Ausbau von Kindertageseinrichtungen und Ganztagsschulen; der Abbau von Fehlanreizen im Steuer- und Sozialversicherungsrecht; die Abschaffung der kostenfreien Mitversicherung nicht erwerbstätiger EhepartnerInnen in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Lohnlücke hat vielfältige Ursachen

Ein wesentlicher Grund für das hartnäckige Fortbestehen der Entgeltunterschiede sei die Vielfalt und Komplexität der Ursachen, heißt es in dem Buch. Projektleiterin Christel Riedel schreibt: Wir nehmen praktisch das gesamte Themenspektrum der Gleichstellungspolitik in den Blick: tradierte Rollenbilder, Hinzuverdienst der Ehefrau und Mutter zum Hauptverdienst des Ehemannes, Unterstützung dieser Verhaltensmuster durch gesetzliche Rahmenbedingungen wie Ehegattensplitting, abgeleitete Sicherungsansprüche in der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung sowie unzureichende Kinder- und Altenbetreuung. Ergebnis ist – trotz bester Ausbildung der Frauen – weibliche Altersarmut wegen des segregierten Arbeitsmarktes mit Teilzeitfalle, monetär unterbewerteten Dienstleistungsberufen und zunehmender Minijobbisierung. 

Schwerpunktthemen vertiefen Einzelaspekte

Das Aktionsbündnis setzt daher seit 2011 jährlich Schwerpunktthemen und veranstaltet dazu im Vorfeld des Aktionstags Vortrags- und Diskussionsforen. Diese vertiefen das jeweilige Thema, bieten eine Plattform für die Vermittlung von Forschungsergebnissen und die Formulierung konkreter Forderungen.

Links:

Equal Pay Day
Kampagnenwebsite

Sieben Jahre Equal Pay Day. Eine Forderung wird zur Kampagne
Buch als pdf

Verdienstunterschied zwischen Frauen und  Männern in Deutschland  weiterhin bei 22 %
Presseinformation des Statistischen Bundesamtes vom 16. März 2015

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Abbildung: Bundesagentur für Arbeit

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