Kampagne Arbeiten - Pflegen - Leben im Ennepe-Ruhr-Kreis

Etwa zehn Prozent der Beschäftigten in Deutschland stehen derzeit vor der Herausforderung, die Pflege von Angehörigen mit ihrem Beruf zu vereinbaren. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können Rahmenbedingungen gestalten, die den Betroffenen diese Aufgabe erleichtern. Das Netzwerk W im Ennepe-Ruhr-Kreis startete die Kampagne Arbeiten - Pflegen - Leben, die Unternehmen vor Ort dabei unterstützt. Der Leitfaden sowie die Kampagnen-Website enthalten Informationen die für Interessierte aus dem gesamten Bundesgebiet wissenswert sind.

Foto: Ansicht der Kampagnen-Website

Das Netzwerk W(iedereinstieg) im Ennepe-Ruhr-Kreis in Nordrhein-Westfalen wirbt mit der Kampagne Arbeiten - Pflegen - Leben bei Unternehmen für Maßnahmen, die es Beschäftigten mit Pflegeaufgaben erleichtern, Beruf und Familie zu vereinbaren. Viele Menschen steigen nach einer Phase der Kinderbetreuung wieder in den Beruf ein und wollen noch einmal so richtig durchstarten. Doch was passiert, wenn es plötzlich einen Pflegefall in der Familie gibt? Wie können die Betroffenen die Situation bewältigen, ohne ihren beruflichen Wiedereinstieg zu gefährden?, sagt Christa Beermann, Netzwerk-W-Koordinatorin und Demografiebeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises. In manchen Fällen gehen Kinderbetreuungszeiten und Pflegezeiten auch nahtlos ineinander über. Zu einem beruflichen Wiedereinstieg kommt es dann erst gar nicht. Das schafft langfristig Probleme, weil diese Personen für ihr eigenes Alter oft finanziell zu wenig vorsorgen können. In vielen Unternehmen macht sich zudem das Fehlen dieser Arbeitskräfte zunehmend bemerkbar.

Bereits einfache Maßnahmen zeigen Wirkung

Diese Problematik zu lösen, sei keinesfalls allein Aufgabe von Unternehmen. Doch geeignete Rahmenbedingungen und Unterstützungsangebote in Betrieben könnten dazu beitragen, Menschen mit Pflegeaufgaben im Arbeitsleben zu halten bzw. sie als Beschäftigte zu gewinnen. Oft sind es schon kleine, einfach umzusetzende Maßnahmen, die für pflegende Beschäftigte eine wichtige Unterstützung bedeuten, sagt Christa Beermann. Eine betriebliche Pflegenden-Gruppe beispielsweise kann Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich mit anderen Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation auszutauschen. Oder das Unternehmen hält eine Sammlung mit den Adressen von Beratungsstellen und Pflegeeinrichtungen vor Ort bereit, an die sich Beschäftigte im Bedarfsfall wenden können.

Ist unser Unternehmen betroffen?

Viele Unternehmen würden jedoch bislang nicht aktiv, weil sie meinten, nicht betroffen zu sein, berichtet Christa Beermann aus Erfahrung. Das ist zumeist ein Trugschluss. In der Regel offenbaren Beschäftigtenbefragungen, dass es viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt, die Angehörige pflegen bzw. regelmäßig hilfebedürftige Verwandte im Alltag unterstützen. Im Betrieb ist das oft nicht bekannt. Pflege ist in der Regel kein Thema über das in Unternehmen gesprochen wird. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollten ein Interesse daran haben, es aus der Tabuzone zu holen, damit sie auf die Belange von pflegenden Angehörigen reagieren können. Von Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege profitieren – Studien zufolge – sowohl Beschäftigte als auch Unternehmen.

Aktiv werden!

Unternehmen aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, die in diesem Feld aktiv werden wollen, können sich der Kampagne Arbeiten - Pflegen - Leben anschließen. 18 kleine, mittlere und große Betriebe aus unterschiedlichen Branchen sind derzeit dabei. Wer mitmacht, unterschreibt eine Selbstverpflichtungserklärung, richtet eine Ansprechstelle für pflegende Beschäftigte im Unternehmen ein, informiert interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Thema Pflege, ermittelt eventuell weitere Maßnahmen, die im Unternehmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege passend sind, und setzt sie um. Netzwerk W unterstützt die Betriebe mit Informationen sowie Fachveranstaltungen und moderiert den Vernetzungsprozess unter den beteiligten Unternehmen.

Durch verschiedene Werbemaßnahmen, wie Plakate, Postkarten und die Kampagnen-Website sowie Pressetermine verschafft das Netzwerk W dem Thema Pflege mehr öffentliche Beachtung und regt weitere Unternehmen zum Mitmachen an.

Leitfaden für Unternehmen

Die Informationen auf der Website www.arbeiten-pflegen-leben.de sowie der im Rahmen der Kampagne entwickelte Leitfaden Zwischen Pflegebett und Büro: So können Mitarbeiter/innen unterstützt werden, der im Internet zur Verfügung steht, sind auch für Unternehmen außerhalb des Ennepe-Ruhr-Kreises interessant. Der Leitfaden führt in gesetzlichen Grundlagen ein, erläutert mögliche Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege und erklärt, wie Unternehmen das Thema angehen können. Er enthält auch die Vorlage eines Fragebogens für eine Beschäftigtenbefragung, um zu ermitteln wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind und welche Unterstützungsbedarfe sie haben.

Link:

„Arbeiten – Pflegen – Leben“
Kampagnenwebsite

Foto: Netzwerk W

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