Wettbewerbsvorteil familien­bewusste Personalpolitik

Prognosen zum Thema Fachkräftemangel zeigen: Nicht erwerbstätige Frauen und Männer mit Familienaufgaben stellen ein großes Arbeitskräftepotenzial dar. Um die Erwerbsbeteiligung dieser oft gut ausgebildeten Menschen zu erhöhen und ihnen den beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen, sind Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Schlüssel zum Erfolg. Viele Unternehmen erkennen zunehmend in einer familienbewussten Personalpolitik einen wichtigen Wettbewerbsvorteil.

Foto: Spielzeugkinderwagen vor einer Computertastatur

Wie eine Personalmarketingstudie aus dem Jahr 2010 des Marktforschungsinstituts Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) belegt, ist das Thema Familienfreundlichkeit von zentraler Bedeutung bei der Wahl des Arbeitsplatzes.

Familienfreundlichkeit - Erfolgsfaktor für Unternehmensattraktivität

Ein familienfreundlicher Arbeitgeber bzw. eine familienfreundliche Arbeitgeberin ist für über 90 Prozent der jungen Beschäftigten zwischen 25 und 39 Jahren mit Kindern mindestens ebenso wichtig wie das Gehalt. Auch für 72 Prozent in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen spielen familienfreundliche Angebote bei der Arbeitsplatzwahl eine wichtige Rolle. Mit 67 Prozent ist die Wechselbereitschaft für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Beschäftigten unter 40 Jahren nur wenig höher als bei der älteren Vergleichsgruppe, in der sie 60 Prozent beträgt.

Auch Unternehmen halten Familienfreundlichkeit für wichtig, sehen den Bedarf allerdings vor allem für junge Beschäftigte. „Die Arbeitgeber (bzw. Arbeitgeberinnen) vermuten fälschlicherweise, dass die Bedeutung von Familienfreundlichkeit mit zunehmendem Alter der Beschäftigten abnimmt und verschenken damit Bindungspotenzial für erfahrene Beschäftigte, die noch ein über 20-jähriges Berufsleben vor sich haben“, so die Schlussfolgerung der Studie.

Familienfreundlichkeit rechnet sich

Familienbewusste Personalpolitik rechnet sich für Unternehmen - sowohl für Kleinbetriebe als auch für große Konzerne. Das sind die Erfahrungswerte aus dem Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“, eine Initiative der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und dem BMFSFJ. Als „Werttreiber familienfreundlicher Maßnahmen“ werden folgende Effekte einer familienbewussten Personalpolitik beschrieben:

  • Familienbewusste Unternehmen können einfacher Fachkräfte gewinnen.
  • Familienbewusste Unternehmen können Fachkräfte besser im Betrieb halten. Durch die geringere Fluktuation entstehen weniger Kosten für die Wiederbesetzung von Arbeitsplätzen.
  • Familienbewusste Maßnahmen ermöglichen eine frühe Rückkehr aus der Familienphase. Das bedeutet geringere Kosten der Elternzeit durch eine Senkung der Überbrückungs- und Wiedereingliederungskosten.
  • Ein familienbewusstes Betriebsklima fördert die Motivation und Einsatzbereitschaft der Beschäftigten.
  • Familienbewusste Maßnahmen führen zu weniger Fehlzeiten wegen eines geringeren Krankenstands und unter Umständen auch zu kürzeren Eltern- bzw. Pflegezeiten.
  • Insgesamt erhöht dies die Produktivität des Unternehmens.

Wettbewerbsvorteil Familienbewusste Personalpolitik bewusst einsetzen - Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Die Broschüre „Familienfreundlichkeit - Erfolgsfaktor für Arbeitgeberattraktivität“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt Unternehmen, die eine familienbewusste Personalpolitik für sich nutzen oder nutzen möchten, fünf Handlungsempfehlungen mit auf den Weg, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfolgreich zu verankern und glaubwürdig für das Personalmarketing nutzen zu können

  1. Familienfreundlichkeit aktiv für eine vorausschauende Personalpolitik nutzen,
  2. flexible Strukturen schaffen, um auf wechselnde Bedarfe reagieren zu können
  3. das eigene familienfreundliche Angebot als wertvollen Bestandteil der Unternehmenskultur begreifen,
  4. das Unternehmensimage gezielt um Familienfreundlichkeit ergänzen,
  5. familienfreundliche Angebote regelmäßig und zielgruppengerecht kommunizieren.

Ein Schritt, das eigene familienbewusste Engagement für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger und andere potenzielle Fachkräfte sichtbar zu machen, kann darin bestehen, sich dem Unternehmensnetzwerk "Erfolgsfaktor Familie" anzuschließen und wie über 4.000 andere kleine, mittelständische und große Betriebe Mitglied zu werden. Ausführliche Informationen bietet die Website www.erfolgsfaktor-familie.de.

Links:

Familienfreundlichkeit - Erfolgsfaktor für Arbeitgeberattraktivität
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010

Familienorientierte Personalpolitik
Bundesagentur für Arbeit

Betriebswirtschaftliche Effekte einer familienbewussten Personalpolitik
Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik 2008

Betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2006

Foto: pixelio.de / Silke Kaiser

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