Mobiles Arbeiten im Fokus – Report 2020: „DGB-Index Gute Arbeit“

Auf der einen Seite mehr Einfluss auf die Gestaltung der eigenen Arbeit und der Arbeitszeiten, auf der anderen Seite ständige Erreichbarkeit und häufig sehr lange Arbeitszeiten: Wie verbreitet ist mobiles Arbeiten in Deutschland, welche Formen gibt es und wie sehen die Arbeitsbedingungen aus? Diese Fragen bilden den Schwerpunkt des „DGB-Index Gute Arbeit 2020“. Basis für den Report sind die Umfrageergebnisse von rund 6.300 abhängig Beschäftigten in Deutschland.

Foto: Deckblatt der Broschüre Report 2020: DGB-Index Gute Arbeit

Die Studie zur Arbeitsqualität in Deutschland, die vom Institut DGB-Index Gute Arbeit veröffentlicht wurde, zeigt, dass mobiles Arbeiten deutlich weiter verbreitet ist, als häufig angenommen. 36 Prozent der Befragten gehen ihrer Arbeit auch außerhalb eines festen, vom Unternehmen bereitgestellten Arbeitsplatzes nach. Am weitesten verbreitet ist mit 22 Prozent die Arbeit vor Ort, etwa bei Kundinnen bzw. Kunden. Auf Platz zwei folgen mit 19 Prozent Dienst- und Geschäftsreisen. Das Homeoffice liegt mit 18 Prozent auf Rang drei.

Mobiles Arbeiten: Geschlecht, Qualifikation und Branche entscheidend

Mobiles Arbeiten hängt stark vom Geschlecht, dem beruflichen Status sowie der Branche ab. Mit 46 Prozent ist fast die Hälfte der männlichen Befragten auch mobil tätig. Bei den Frauen liegt der Anteil bei lediglich 25 Prozent. Im Hinblick auf die Qualifikation wird umso häufiger mobil gearbeitet, je höher die Qualifikationsstufe ist. Bei Beschäftigten mit sogenannten hochkomplexen Tätigkeiten, etwa Berufe in Forschung und Entwicklung, liegt der Anteil bei 53 Prozent. Im Vergleich dazu beträgt er bei Hilfs- und Anlernarbeiten nur bei 21 Prozent.

Bei den Wirtschaftszweigen liegt das Baugewerbe mit 70 Prozent mobiler Arbeit, die überwiegend bei Kundinnen und Kunden geleistet wird, an der Spitze. Beschäftigte in der Informations- und Kommunikationsbranche kommen auf 56 Prozent. Die geringste Mobilität gibt es mit 5 Prozent im Gastgewerbe.

Größere Gestaltungsspielräume versus ständige Erreichbarkeit und lange Arbeitszeiten

Als Pluspunkte können die größeren Gestaltungsspielräume verbucht werden, die zwischen 80 und 90 Prozent der Befragten für das mobile Arbeiten angeben. Dabei geht es sowohl darum, die eigene Arbeit wie auch die Arbeitszeit in hohem Maße selber planen zu können. Bei Beschäftigten in mobilen Arbeitsformen liegt der Anteil derjenigen, welche die Arbeitszeit deutlich selbst beeinflussen können, bei bis zu 84 Prozent. Bei Beschäftigten mit einem festen Arbeitsplatz sind es 49 Prozent.

Die Kehrseite ist, dass bei mobiler Arbeit von den Beschäftigten deutlich häufiger erwartet wird, auch außerhalb der normalen Arbeitszeit erreichbar zu sein. Während insgesamt ein Fünftel der Befragten angibt, auch außerhalb der Arbeitszeiten für ihr Unternehmen erreichbar sein zu müssen, sind es bei den mobil Arbeitenden bis zu 50 Prozent. Hinzu kommen überdurchschnittlich häufig sehr lange Arbeitszeiten. Zwischen 16 und 20 Prozent der mobil Beschäftigten arbeiten mehr als 48 Stunden pro Woche und überschreiten damit die gesetzlichen Schutzstandards. Viele leisten darüber hinaus unbezahlte Arbeit für den Betrieb. 

Mobiles Arbeiten keine Garantie für gute Vereinbarkeit

Bei vielen Arbeitenden führt die Entwicklung der ständigen Erreichbarkeit und Mehrbelastung durch längere Arbeitszeiten zu einem Gefühl der Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben. Während 35 Prozent aller Befragten berichten, auch in der Freizeit gedanklich von der Arbeit eingeholt zu werden, sind es bei den mobil Beschäftigten bis zu 59 Prozent.

Laut dem Report 2020: „DGB Index Gute Arbeit“ ist mobiles Arbeiten auch kein Garant für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Mit 26 Prozent hat rund ein Viertel aller Befragten häufig Probleme mit der zeitlichen Vereinbarkeit. Bei mobil Arbeitenden sind es bis zu 42 Prozent. 

ZT Methodik

Die Daten für den Report 2020: „DGB Index Gute Arbeit“ wurden im Rahmen einer bundesweiten Repräsentativumfrage im Zeitraum Januar bis Mai 2020 telefonisch erhoben. Befragt wurden zufällig ausgewählte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von mindestens zehn Stunden, quer durch alle Branchen, Einkommens- und Altersgruppen, Regionen, Betriebsgrößen, Wirtschaftszweige und Beschäftigungsverhältnisse.

Der DGB-Index wird jährlich aus den Antworten auf 42 Fragen zur Qualität der Arbeitsbedingungen errechnet, die jeweils einer bundesweit repräsentativen Stichprobe von Beschäftigen gestellt werden. Die Studie misst die Arbeitsqualität am Urteil der Beschäftigten über ihre Arbeitsbedingungen. Das aktuelle Ergebnis liegt bei 65 Punkten und damit zwei Punkte über dem Vorjahr.

Der Report 2020: „DGB-Index Gute Arbeit“ hält für Interessierte übersichtliche Grafiken und weitere Details zu den Umfrageergebnissen bereit.

Links:

Report 2020: „DGB-Index Gute Arbeit“

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Foto: DGB-Index Gute Arbeit

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