Vereinbarkeit von Arbeit und Familie: Arbeitsbedingungen belasten viele Beschäftigte

Welche Rolle spielt die Qualität der Arbeitsbedingungen für die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und privaten Interessen? Wodurch wird Vereinbarkeit behindert? Wie kann sie durch bessere Bedingungen gefördert werden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des aktuellen DGB-Index „Gute Arbeit – Report 2017“. Bundesweit wurden knapp 5000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus allen Branchen, Einkommens- und Altersgruppen und Regionen befragt.

Foto: Deckblatt der Broschüre DGB-Index Gute Arbeit

Bei der diesjährigen Befragung lag der Fokus auf dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Daten wurden vom Umfragezentrum Bonn GmbH (uzbonn) erhoben und vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (INIFES) analysiert. Gemessen wird die Arbeitsqualität anhand der Auskünfte der Beschäftigten über ihre Arbeitsbedingungen. Das aktuelle Ergebnis – ein Indexwert von 63 Punkten – weist laut den Initiatoren der Studie wie in den Vorjahren eine Arbeitsqualität im unteren Mittelfeld aus. Dabei zeichnen sich deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen sowie zwischen weiblichen und männlichen Beschäftigen ab.

Wie Arbeitsstress Vereinbarkeitsprobleme bedingt

Laut dem Index steht das Auftreten von Vereinbarkeitsproblemen in einem deutlichen Zusammenhang mit der Qualität der Arbeitsbedingungen. Die Vereinbarkeit wird zum einen durch verschiedene Stressfaktoren im beruflichen Bereich gestört. Zum anderen gibt es zeitlich bedingte Schwierigkeiten, die durch ungünstige Lagen und Längen der Arbeitszeit hervorgerufen werden. So sind 41 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nach der Arbeit sehr häufig oder oft zu erschöpft, um sich noch um private oder familiäre Angelegenheiten zu kümmern. Das sagen 37 Prozent der Männer und 47 Prozent der Frauen. 27 Prozent der Beschäftigten haben sehr häufig oder oft Schwierigkeiten, die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Personen, für die sie verantwortlich sind, zeitlich zu vereinbaren. Auch private Interessen leiden unter dieser Situation. Das gilt laut dem Index für 25 Prozent der Männer und 30 Prozent der Frauen.

Lange Arbeitszeiten und ständige Erreichbarkeit beinträchtigen die Balance

Zeitliche Probleme, Arbeit und private Interessen in Einklang zu bringen, sind bei Beschäftigten, die nachts oder am Wochenende arbeiten, besonders häufig. Wenig überraschend ist, dass auch überlange Arbeitszeiten von mehr als 45 Wochenstunden mit stärkeren Beeinträchtigungen einhergehen. 52 Prozent der Betroffenen geben an Probleme mit der Vereinbarkeit zu haben. Unter den Frauen liegt der Anteil mit 47 Prozent um 10 Prozentpunkte höher als unter den Männern (37 Prozent). Doch nicht nur lange Arbeitszeiten bereiten Beschäftigten Probleme. Auch die ständige Erreichbarkeit für Arbeitgeberbelange beeinträchtigt ihre Balance.

Vereinbarkeit: Das Geschlecht spielt eine Rolle

Neben Themen wie Arbeitsstress und Arbeitszeiten gibt es nach wie vor auch eine geschlechterspezifische Dimension der Vereinbarkeit. Diese lässt sich vor allem bei den Beschäftigten ablesen, die Kinder oder pflegebedürftige Personen betreuen. Hier zeichnet sich ein traditionell geprägtes Geschlechterarrangement ab, in dem erwerbstätige Frauen deutlich mehr Sorgearbeit leisten als Männer. Eine Voraussetzung dafür ist die hohe Teilzeitquote bei Frauen: Etwa die Hälfte der befragten weiblichen Beschäftigten arbeitet weniger als 35 Stunden pro Woche. Fast drei Viertel der teilzeitbeschäftigten Frauen geben als Grund für die reduzierte Arbeitszeit an, sich dadurch besser um familiäre Aufgaben kümmern zu können. Sind Frauen vollzeitbeschäftigt, haben 35 Prozent von ihnen Vereinbarkeitsschwierigkeiten. Bei den Männern sind es lediglich 26 Prozent. 

Home-Office bedeutet nicht automatisch gute Vereinbarkeit

Erleichtert die Arbeit im Home-Office die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Laut dem aktuellen Index nicht unbedingt. Rund ein Drittel der Beschäftigten, die sehr häufig oder oft Arbeiten im Home-Office erledigen, geben an, Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit zu haben. Nur 22 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Möglichkeiten, von zu Hause zu arbeiten.

Wesentlich stärker ausgeprägt ist der Wunsch nach einer Begrenzung des Arbeitstags. Dies würde für 55 Prozent der Beschäftigten die Vereinbarkeitssituation verbessern. Unter den Beschäftigten, die sehr häufig oder oft auch außerhalb ihrer Arbeitszeit für Arbeitgeberbelange erreichbar sein müssen, sind es sogar 60 Prozent, die sich eine klare Grenze bei maximal acht Stunden Arbeit pro Tag wünschen.

Hintergrund

Der DGB-Index Gute Arbeit wird jährlich aus den Antworten auf 42 Fragen zur Qualität der Arbeitsbedingungen errechnet, die jeweils einer bundesweit repräsentativen Stichprobe von Beschäftigen gestellt werden. Für die aktuelle Erhebung wurden 4811 Beschäftigte aus allen Alters-, Branchen- und Beschäftigungsgruppen befragt.

Links:

DGB Index 2017 – Gute Arbeit

DGB-Index Gute Arbeit 2018 - Befragung gestartet

Perspektive-Wiedereinstieg.de

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Foto: DGB-Index Gute Arbeit

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