Memorandum: Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften gemeinsam für eine NEUE Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Angesichts der sich wandelnden Rollenvorstellungen in den Familien sowie den demografischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Fachkräftesicherung steht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Fokus. Spitzenvertreterinnen und -vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften haben im Memorandum "Familie und Arbeitswelt. Die NEUE Vereinbarkeit" die bisherigen Fortschritten beim Thema Vereinbarkeit bilanziert und sich auf fünf zentrale Handlungsfelder bis 2020 verständigt. Anlässlich des Vereinbarkeitskonvents "Familie und Arbeitswelt" am 21. September 2015 in Berlin unterzeichneten Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer und die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack zehn Leitsätze für gemeinsames Handeln.

Foto: Deckblatt der Publikation

"Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und damit für die Familien und die Wirtschaft. Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, mit Wirtschaft und Gewerkschaften einen bemerkenswerten Konsens für eine NEUE Vereinbarkeit zu erreichen", sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig im Rahmen des Vereinbarkeitskonvents. "Mütter und Väter müssen die Möglichkeit haben, Beruf und Familie tatsächlich zu vereinbaren. Dafür brauchen wir gute und verlässliche Kitas, Ganztagsschulen und eine neue Arbeitskultur, die auch Zeiten für Familien mitberücksichtigt, das heißt innovative Arbeitsmodelle und Rahmenbedingungen auf der Höhe der Zeit für alle: für Männer und Frauen als Eltern, Alleinerziehende, getrennt Lebende oder Pflegende."

Das Memorandum „Familie und Arbeitswelt. Die NEUE Vereinbarkeit“ wurde gemeinsam vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) im Rahmen des Unternehmensprogramms "Erfolgsfaktor Familie" erarbeitet.

Die Projektpartnerinnen und -partner stellten fest, dass durch die sich wandelnden Rollenvorstellungen, den demografischen Wandel und seine Auswirkungen auf die Fachkräftesicherung das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf von zentraler Bedeutung ist und für Gesellschaft und Wirtschaft an Stellenwert gewonnen hat. Der bundesweite Ausbau der Kindertagesbetreuung ist gut vorangekommen und der Konsens für eine flexible familienbewusste Arbeitszeitgestaltung wächst. Die Erwerbstätigkeit von Müttern steigt, gleichzeitig nehmen Väter vermehrt Familienaufgaben wahr. Der Begriff der Vereinbarkeit hat sich erweitert und nimmt immer stärker auch die Pflege von Angehörigen in den Blick.

Anlässlich des Vereinbarkeitskonvents unterzeichneten die Bundesfamilienministerin und die Spitzenvertreterinnen und -vertreter der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände zehn Leitsätze zur NEUEN Vereinbarkeit und bekräftigten damit ihr Engagement für eine neue Qualität der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. NEUE Vereinbarkeit bedeutet:

  • Eine Modernisierung der Arbeitskultur hin zu einer familienbewussten Arbeitszeitgestaltung für Frauen und Männer in verschiedenen Lebensphasen, die Beschäftigten mehr Optionen bei der Arbeits- und Lebensgestaltung gibt.
  • Ein gemeinsames Verständnis, dass familiengerechte Arbeitsbedingungen einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltig erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung leisten.
  • Die Erschließung neuer Potenziale vor dem Hintergrund der abnehmender Zahl an Fachkräften – nicht zulasten der Familien, sondern im gegenseitigen Einverständnis, dass berufliche und familiäre Verantwortung gleichwertig nebeneinander stehen.

Bereits seit mehreren Jahren sind die unterzeichnenden Institutionen in Projekten und Initiativen gemeinsam aktiv. Dazu gehören:

  • der alle drei Jahre mit großer Resonanz durchgeführte Unternehmenswettbewerb "Erfolgsfaktor Familie" im gleichnamigen Unternehmensnetzwerk, eine gemeinsame Initiative des BMFSFJ und des DIHK zusammen mit BDA, ZDH und DGB,
  • die Bundesinitiative "Lokale Bündnisse für Familie" des BMFSFJ, in denen die kommunalen Spitzenverbände, die Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern sowie Gewerkschaften wichtige Partnerorganisationen sind,
  • das DGB-Projekt "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten", gefördert durch das BMFSFJ und den Europäischen Sozialfonds.

Als zentrale Herausforderungen der Zukunft gilt die Weiterentwicklung folgender Aufgabenfelder: Ausbau pflegesensibler Arbeitsbedingungen, Unterstützung von aktiver Vaterschaft und partnerschaftlicher Aufgabenteilung in Familie und Beruf, Stärkung der Erwerbstätigkeit von Müttern, Förderung der Vereinbarkeit auch in Führungsfunktion – für Frauen und Männer – sowie räumliche und zeitliche Flexibilisierung als Potenzial für die Vereinbarkeit im Zuge der Digitalisierung.

Links:

„Memorandum Familie und Arbeitswelt. Die NEUE Vereinbarkeit“
Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2015)

„Familie und Arbeitswelt - Die NEUE Vereinbarkeit. Monitor Familienforschung. Beiträge aus Forschung, Statistik und Familienpolitik“
Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2015)

Unternehmensprogramm "Erfolgsfaktor Familie"
Im Rahmen des Programms "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, gefördert durch den Europäischen Sozialfonds

Lokale Bündnisse für Familie
Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

DGB-Projekt „Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten“

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Foto: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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