Handlungsleitfaden für Unternehmen: Potenziale nutzen, Ingenieurinnen zurückgewinnen

Das Thema Frauen im Ingenieurberuf gewinnt angesichts des Fachkräftemangels ökonomisch und politisch immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 2009 gab das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg im Rahmen der Initiative Frauen in Naturwissenschaft und Technik eine Studie zum Thema beruflicher Wiedereinstieg von Ingenieurinnen in Auftrag. Daraus entstand ein Handlungsleitfaden zur erfolgreichen Rückgewinnung von Frauen. Er richtet sich vornehmlich an Personalverantwortliche, Fachvorgesetzte und Geschäftsleitungen technisch orientierter Unternehmen.

Foto: Deckblatt der Studie

Die Handlungsempfehlungen basieren auf der Studie Potenziale nutzen, Ingenieurinnen zurückgewinnen des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg in Kooperation mit der IMPULS-Stiftung des VDMA und mit Südwestmetall. Die beauftragen Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München führten Interviews mit (ehemaligen) Ingenieurinnen und Frauen aus vergleichbaren Berufsgruppen. Außerdem fanden eine standardisierten Onlinebefragung von Unternehmen aus Baden-Württemberg und ein Workshop mit Expertinnen und Experten aus Unternehmen, Verbänden, Ministerium und Wissenschaft statt.

Die abgeleiteten Handlungsempfehlungen gliedern sich in drei Handlungsfelder:

1. Mitarbeiter/-innenzufriedenheit als Teil der Unternehmenskultur ausbauen

2. Schwerpunktverlagerung von Rekrutierungs- auf Bindungsstrategien

3. Flexible Arbeits(zeit)modelle und Anpassung von Unternehmensanforderungen

Für das erste Themenfeld empfehlen die Autorinnen und Autoren die Ergänzung des Unternehmensleitbildes um einen expliziten Hinweis darauf, dass der Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Familienphase gewünscht wird.

Um die Bindung ans Unternehmen auch in Teilzeit- und Familienphasen zu erhalten, können unter anderem Mentoring-Programme und ein bewusstes Einbinden betroffener Personen in die elektronische Tageskommunikation zielführend sein. Begleitet werden sollte eine (teilweise) Auszeit von einer individuellen Personalentwicklung, gegebenenfalls von Weiterbildungen sowie von regelmäßigen Mitarbeiterinnen- bzw. Mitarbeitergesprächen.

Um berufliche Wiedereinsteigerinnen gewinnen zu können, empfehle es sich, Angebote für Teilzeitarbeit zu machen, da für viele Ingenieurinnen nach einer Familienphase ein schrittweiser Einstieg in den Beruf besonders attraktiv sei. 

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, zeitlich und örtlich autonomes Arbeiten zu fördern und „Karriere auch in Teilzeit“ zu ermöglichen. Dazu kann es nötig sein, Projekte neu zu strukturieren und Aufgaben anders als bisher zu bündeln.

Nach Angaben der Autorinnen und Autoren gelten die vorgestellten Empfehlungen für einen gelingenden (frühen) beruflichen Wiedereinstieg gleichermaßen für viele andere hochqualifizierte Berufsgruppen.

Link:

Potenziale nutzen, Ingenieurinnen zurückgewinnen - Drop Out von Frauen im Ingenieurwesen: Analyse der Ursachen und Strategien zu deren Vermeidung sowie Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Rückgewinnung
Handlungsleitfaden auf der Website „Gender Studies in Ingenieurwissenschaften“ der TU München zum Download

Foto: Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg

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