Afriso: Innovative Ideen für familienfreundliche Maßnahmen in Verwaltung und Produktion

Die Beschäftigten sollen sich wohlfühlen und gerne langfristig bei der Afriso-Euro-Index GmbH arbeiten: Dafür startete das Unternehmen mit ca. 500 Be­schäftigten 2006 eine Offensive für mehr Familienfreundlichkeit. Personalleiter Martin Rheinberger und Personalreferentin Sandra Kull bauen das Thema mit immer neuen Angeboten weiter aus.

Herr und Frau Müller beschäftigt bei der Afriso-Euro-Index GmbH

Unser Unternehmen ist inzwischen bereits als familienfreundlicher Arbeitgeber in der Region bekannt, freut sich Sandra Kull, die seit zwei Jahren bei Afriso in Güglingen bei Heilbronn für dieses Thema zuständig ist. Das 1869 gegründete Familienunternehmen beschäftigt in Deutschland rund 590 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und stellt Mess-, Regel- und Überwachungsgeräte her. 2006 sind wir in das Themenfeld ‚Vereinbarkeit von Beruf und Familie’ eingestiegen. Wir wollten gute Rahmenbedingungen für unsere Beschäftigten schaffen. Das Audit berufundfamilie der gemeinnützigen Hertie-Stiftung hat uns dabei geholfen. Wir hatten fachkundige Begleitung und wussten, wie wir das Thema angehen können. Inzwischen benötigten sie die externe Unterstützung nicht mehr: Wir haben viele eigene Ideen, wie wir unsere familienbewusste Personalpolitik weiterentwickeln möchten.

Arbeitszeiten flexibilisieren – Teilzeit fördern

Das erste Projekt, das wesentlich zu einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für die Beschäftigten beigetragen habe, sei die Förderung von Teilzeit­arbeit sowie eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten gewesen. Unsere Beschäftigten haben die Möglichkeit, ihre Arbeitszeiten zu reduzieren und später, wenn sich ihre persönlichen Rahmenbedingungen geändert haben, versuchen wir gemeinsam – je nach Bedarf auch stufenweise – wieder aufzustocken, berichtet Sandra Kull. Zudem wurden Gleitzeitmöglichkeiten im kaufmännischen Bereich ausgeweitet und die Kernarbeitszeit reduziert.

Herausforderung in der Produktion

Im gewerblichen Bereich, in dem 217 der rund 400 Beschäftigten im Stammwerk in Güglingen sowie die meisten der insgesamt etwa 190 Beschäftigten an den fünf anderen deutschen Standorten arbeiten, sei die Flexibilität nicht ganz so hoch. In der Produktion hängen die Arbeiten vielfach voneinander ab. Ist ein Arbeitsplatz nicht besetzt, bringt das unter Umständen einen kompletten Arbeitsprozess ins Stocken. Wenn jemand seine Arbeitszeit reduziert, bedeutet das häufig, dass wir jemanden brauchen, der diese Stunden übernimmt. Das Unternehmen versuche jedoch trotzdem möglichst eine einvernehmliche Lösung anzustreben.

Individuelle Arbeitszeitlösungen finden

Feste Modelle für mögliche Teilzeitvarianten gibt es bei Afriso nicht. Wir schauen im Einzelfall, welche Lösung passend und realisierbar ist, sagt Sandra Kull. So fange zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter in der Produktion für die Wiederein­gliederung nach der Elternzeit morgens immer eine Stunden später an, damit sie ausreichend Zeit habe, ihr Kind vorher in die Kindertagesstätte zu bringen. Eine 63-jährige Führungskraft entschied sich bereits vor einigen Jahren für eine 70-Prozent-Stelle. Auch die Zahl der Fälle, in denen Beschäftigte Pflegezeit in Anspruch nähmen und anschließend in Teilzeit arbeiteten, steige. Die Modelle, die dafür jeweils gefunden wurden, funktionierten sehr gut. Wir arbeiten mit flachen Hierarchien und die Beschäftigten beherrschen in der Regel jeweils mehrere Arbeitsgebiete, so dass wir Aufgaben vielfach gut umverteilen können. Gemeinsam suchen und finden wir in den Teams bzw. auch über Abteilungsgrenzen hinweg gute Lösungen, die dann von allen mit getragen werden und die praxistauglich sind, erklärt die Personalreferentin. Die Erfahrungen sind positiv: Dadurch, dass sich das Unternehmen flexibel und entgegenkommend zeigt, sind es unsere Beschäftigten auch. Wenn etwas dringend fertig werden muss, organisieren sie ihre privaten Verpflichtungen so um, dass sie Überstunden machen können. Das ist ein Geben und Nehmen, von dem beide Seiten profitieren.

Kinderbetreuung sicherstellen

Als nächstes Projekt überlegte das Unternehmen, gemeinsam mit anderen Betrieben am Standort eine betriebsnahe Kindertagesstätte aufzubauen. Eine Umfrage unter unseren Beschäftigten zeigte jedoch, dass kaum Bedarf dafür vorhanden war. Daher setzten wir eine andere Lösung um: Wir unterstützen unsere Beschäftigten bei der Suche nach einem passenden Kitaplatz und haben auch die entsprechenden Informationsmaterialien und Antragsformulare hier. Wir arbeiten dabei eng mit der Stadt zusammen, die Träger aller Kitas in Güglingen ist, erklärt Sandra Kull. Zwei Kinder konnten so im letzten Jahr unkompliziert einen Kita-Platz erhalten. Sollte die Nachfrage nach Plätzen bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steigen und diese Lösung nicht mehr ausreichen, können wir auch feste Belegrechte erwerben. Das hat uns die Kommune bereits angeboten.

Betreuung von Schulkindern gefragt

Die Beschäftigtenbefragung zeigte, dass sich Eltern vielmehr eine Unterstützung bei der Betreuung schulpflichtiger Kinder – besonders in den Ferien – wünschen. Wir haben daraufhin Informationen gesammelt, welche Ferienbetreuungsangebote es in der Region gibt. Diese Infos hängen wir für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Schwarzen Brettern aus, berichtet die Personalreferentin. Wir haben außerdem erfahren, dass es auch möglich ist, dass Kinder an Angeboten in Kommunen teilnehmen, in denen sie nicht wohnen. Interessanterweise sind viele der Ferienbetreuungen nämlich gar nicht ausgebucht. Mit den Anbieterinnen und Anbietern hat Sandra Kull vereinbart, dass sie sie fortlaufend über neue Angebote informieren, so dass sie immer aktuelle Informationen an die Beschäftigten weitergeben kann.

Unternehmenskantine auch für Angehörige

Die Beschäftigten der Firma Afriso schätzen außerdem die Möglichkeit, dass ihre Angehörigen in der Unternehmenskantine, in der täglich aus regionalen Produkten frisch gekocht wird, mit essen können. Kinder zahlen sogar nur den halben Preis. Schulkindern steht anschließend der Kantinenraum zur Verfügung, um dort ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Kursangebot zur Gesundheitsförderung

Im Bereich der Gesundheitsförderung bietet das Unternehmen seinen Beschäftigten Rückenworkshops, Kurse zum Thema Stressmanagement sowie Vorträge zu Ernährungsthemen an, wovon besonders Personen mit Familienaufgaben profitieren.

Neustes Projekt: Sozialmappe mit Info-Material

Das jüngste Projekt, das Sandra Kull zusammen mit einer Praktikantin umsetzte, ist die sogenannte Sozialmappe, die jetzt zentral in der Produktion neben Kaffeeau­tomat und Schwarzem Brett zu finden ist. Sie enthält Hängeregister mit Broschüren und Informationsmaterialien zu Themen rund um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zu Elternzeit, Angehörigenpflege sowie zu Gesundheitsthemen, erzählt die Personalreferentin. Die Bundes- und Landesministerien bieten viele interessante Materialien an, die wir dort zugänglich machen. Ergänzt haben wir diese Grundsatzinformationen durch Informationen zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten hier vor Ort. So können wir unsere Beschäftigten im Bedarfsfall direkt an die passenden Ansprechstellen verweisen. Alle Materialien stehen auch digital im Intranet zur Verfügung. Dieser Zugang wird vor allem von den kaufmännischen Beschäftigten sowie von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den anderen Standorten genutzt. "Für unseren Standort in Amorbach haben wir jedoch eine eigene Infobox aufgebaut, die ebenfalls regionale Informationen enthält.“

Kontakt halten in der Elternzeit

Für Beschäftigte die Nachwuchs erwarten, erstellten wir vor kurzem ein Infopaket, das sie erhalten, wenn wir von dem bevorstehenden Ereignis erfahren, berichtet Sandra Kull weiter. Dass Väter ebenfalls Elternzeit nähmen, wenn der Nachwuchs da ist, sei inzwischen im Unternehmen fast selbstverständlich. Während der Elternzeit sind der bzw. die Vorgesetzte sowie ein Kollege bzw. eine Kollegin beauftragt, Kontakt zu halten und relevante Informationen weiterzugeben. Außerdem werden Elternzeitlerinnen und -zeitler zu den Betriebsversammlungen eingeladen und haben die Möglichkeit, an Schulungen teilzunehmen. Zum Ende der Elternzeit treffen sich Vorgesetzte, Beschäftigte sowie jemand aus der Personal­abteilung, um den Wiedereinstieg zu besprechen. Die Phase der erneuten Einarbeitung begleite ich, indem ich regelmäßig am Arbeitsplatz vorbeischaue und mich erkundige, wie es läuft. So können wir frühzeitig reagieren, wenn die Planungen sich als ungünstig erweisen sollten. 

Interesse an beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern

Wie die allgemeine Erfahrung zeigt, ist es für Menschen nach einer mehrjährigen Familienphase oft eine Hürde, sich zu bewerben. Sie sind vielfach unsicher, ob ihre Qualifikation den aktuellen Anforderungen von Unternehmen noch entspricht, sagt Sandra Kull. Wir formulieren unsere Stellenanzeigen zwar für alle Interessierten, hoffen aber, dass die Flexibilität, die familienfreundlichen Rahmenbedingungen und die Teilzeitmöglichkeiten, mit denen wir werben, berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger besonders ansprechen. In den letzten Jahren haben wir einige berufliche Wiedereinsteigerinnen eingestellt, mit denen wir sehr zufrieden sind. Wir schätzen die Qualitäten, die sie im Familienmanagement erworben haben und die sie auch in den Berufsalltag einbringen.

Mut zur Initiativbewerbung

Ich möchte beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern Mut machen, sich zu bewerben – gerne auch initiativ, sagt Sandra Kull. Wenn wir momentan keine passende Stelle anbieten können, nehmen wir die Bewerbung nach Rücksprache mit der Absenderin bzw. dem Absender in unseren ‚Bewer-bungspool’ auf. Wenn dann eine Position zu besetzen ist, schauen wir zuerst, ob uns nicht schon Unterlagen einer geeigneten Kandidatin bzw. eines geeigneten Kandidaten vorliegen. Vor einiger Zeit habe Afriso eine berufliche Wiederein­steigerin eingestellt, deren Bewerbung bereits eineinhalb Jahre im "Pool" lag. Die Interessentin hatte inzwischen eine Anstellung über eine Zeitarbeitsfirma gefunden. Es war jedoch unsicher, ob eine Übernahme in das Unternehmen, das sie entliehen hatte, klappen würde. Daher hat sie sich sehr gefreut, bei uns eine Anstellung zu bekommen. 

Rahmenbedingungen passen zu Lebensplänen vieler Bewerberinnen und Bewerber

Dass die familienfreundlichen Maßnahmen wirken, zeigt sich in vielen Bewer­bungs­gesprächen. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten viel in der Lebensgestaltung der Menschen verändert. Frauen und Männer möchten sich Erwerbstätigkeit und Familienarbeit gleichmäßiger aufteilen. Das kommunizieren Bewerberinnen und Bewerber inzwischen gleichermaßen, berichtet Sandra Kull. Wenn sie dann von den familienfreundlichen Angeboten hörten und erführen, dass sich bei Afriso Karriere und Zeit für die Familie nicht ausschlössen, sei dies für viele ein guter Grund, sich für das Unternehmen zu entscheiden.

Link:

Afriso-Euro-Index GmbH

Foto: Afriso-Euro-Index GmbH

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