Schritt für Schritt ins Erwerbsleben

Wenn die Familie rebelliert, ist es für Frauen besonders schwierig, die Rückkehr ins Berufsleben zu gestalten. Im Kurs „Schritt für Schritt ins Erwerbsleben“, den der Frankfurter Verein zur beruflichen Förderung von Frauen anbietet, wird auch thematisiert, welche unterschiedlichen Reaktionen der Familienmitglieder auftreten können.

Foto: Frauen in einem Seminarraum mit Computerarbeitsplätzen

Kursleiterin Anke Henigin erzählt von Frauen, denen es schwer fällt, den Alltag neu zu organisieren – wenn sie morgens regelmäßig die Weiterbildung besuchen. Da müssen dann Kinderarzt- oder Logopädie-Termine auf den Nachmittag gelegt werden und die Zeit für den Haushalt fehlt, berichtet Anke Henigin. Oder Kinder, die schon größer sind, protestieren, weil die Mutter morgens nicht mehr so viel Zeit hat, um sie aus dem Bett zu treiben. Meistens sind die Mütter selbst überrascht,  wie schnell die anfänglichen Schwierigkeiten in der Umbruchphase zu meistern sind und wie selbstständig ihre Kinder plötzlich werden.

Einige Teilnehmerinnen müssen zur Weiterbildung kommen, weil ihre Ansprechpersonen im Rhein/Main-Job-Center (RMJC) sie dazu aufgefordert haben. Was im ersten Moment vielleicht befremdlich klingt, wird nach der Erfahrung von Anke Henigin von Frauen mit Migrationshintergrund oft ausdrücklich begrüßt. Leben sie nämlich in patriarchalisch dominierten Familienstrukturen, können sie ihren skeptischen Ehemännern entgegenhalten, dass sie auf Druck des RMJCs  an der Weiterbildung teilnehmen müssen.

Die Frauen im Kurs sind Mutter, Lebenspartnerin, Ehefrau oder Tochter. Und so unterschiedlich jede Einzelne von ihnen in ihrer Persönlichkeit ist, so unterschiedlich sind auch die Reaktionen ihres Umfelds: Es gibt die Ehemänner und Lebenspartner, die ihre Frauen unterstützen, die sagen: Super, was du machst! Und dann gibt es auch diejenigen, die sagen: Super, was du machst, aber der Haushalt muss stimmen – und ich helfe dir nicht! 

Für die Teilnehmerinnen ist es hilfreich zu sehen, dass es auch in anderen Familien Widerstände gibt, so Anke Henigin. Im Kurs erhalten sie Denkanstöße und konkrete Hilfe, zum Beispiel Tipps aus dem Zeitmanagement. Und auch wir als Kursleiterinnen können Erfahrungen weitergeben – dass sich die neue Situation einspielt, dass Widerstände bröckeln können.

Besonders motiviert werden die Frauen, wenn sie nach einigen Wochen positive Signale von ihren Kindern empfangen. Da heißt es dann plötzlich: Toll, dass du jetzt ne selbstbewusste Mama bist!

Foto: pixelio.de / Manfred Jahreis

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