"Perspektive Wiedereinstieg"- Modellstandort Mainz: Angebote sprechen Interessierte aus der Stadt und aus den umliegenden Landkreisen an

In Mainz und auch im Umland hat es sich herumgesprochen: Im Rahmen des Aktionsprogramms  Perspektive Wiedereinstieg des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundesagentur für Arbeit unterstützen Fachleute von SPAZ und CJD seit 2009 berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger mit über dreijähriger Familienphase sehr erfolgreich auf ihrem Weg zurück in den Beruf. 2012 schufen die Projektträger zusätzliche Angebote für zwei bestimmte Zielgruppen: Wer sich für eine Tätigkeit im Bereich der Haushaltsnahen Dienstleistungen interessiert, kann sich im Rahmen des Programms entsprechend qualifizieren lassen. Akademikerinnen und Akademikern ebnet ein Netzwerk bei Bedarf Wege zur Weiterbildung an Hochschulen.

Foto: Uta Galle-Hahn, CJD Mainz; Tina Ziob, CJD Mainz; Marren Wrabetz, SPAZ Mainz; Sabine Becker, SPAZ Mainz; Elisabetz Kolz-Josic, bei beiden Trägern

Welche Unterstützung brauchen berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger nach drei oder mehr Jahren in der Familie, damit ihnen die Rückkehr in den Beruf gelingt? Wie lassen sich die Angebote so organisieren, dass sie für Menschen, die in der Stadt Mainz wohnen, und solche, die aus den angrenzenden Landkreisen kommen, gleichermaßen attraktiv sind? Auf diese Fragen fand der Perspektive Wiedereinstieg-Trägerverbund aus der SPAZ Mainzer Gesellschaft für berufsbezogene Bildung und Beschäftigung GmbH und dem CJD Mainz (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e.V.) überzeugende Antworten.

Mainz ist einer von bundesweit zehn Modellstandorten des Programms „Perspektive Wiedereinstieg“. Unterstützt wird das Projekt auf Landesebene von dem Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen und dem Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, auf kommunaler Ebene von der Landeshauptstadt Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen sowie der Arbeitsagentur Mainz und den Jobcentern. Im Rahmen der zweiten Programmphase „Perspektive Wiedereinstieg“ nahm der Mainzer Trägerverbund zwei Zielgruppen besonders in den Blick und baute 2012 zusätzliche Angebote für sie auf: Für Menschen, die im Bereich Haushaltsnaher Dienstleistungen tätig werden möchten, steht eine eigene Fortbildung zur Verfügung. SPAZ und CJD vernetzten sich zudem mit Hochschulen, um Akademikerinnen und Akademikern eine passgenaue Auffrischung ihres Wissens auf entsprechendem Niveau zu ermöglichen und ihnen dadurch den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern.

Umsetzung des Programms in der Stadt Mainz sowie den umliegenden Landkreisen

Unser Konzept zur Unterstützung für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger entwickelten wir gemeinsam. SPAZ setzt es spezifisch für Interessierte aus der Stadt Mainz um. Wir kümmern uns um die Versorgung der Frauen und Männer aus den Landkreisen, sagt Projektkoordinatorin Uta Galle-Hahn vom CJD.

Kernstück des Perspektive Wiedereinstieg-Angebots für Interessierte aus Mainz, das SPAZ realisiert, ist ein viermonatiger Halbtagskurs mit integriertem Betriebspraktikum. Im Kurs erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Überblick über den regionalen Arbeitsmarkt sowie ein Bewerbungs- und ein EDV-Training. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen, berichtet Uta Galle-Hahn. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer profitieren außerdem von individuellem Coaching. Fachleute begleiten die Frauen und Männer dabei, ihr eigenes Berufsziel zu finden, eventuellen Qualifizierungsbedarf zu ermitteln, Bewerbungsunterlagen zu optimieren und das Selbstmanagement gut zu gestalten.

Für die Zielgruppe der Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger aus den Landkreisen haben wir das Angebot so strukturiert, dass sie es nutzen können, ohne täglich nach Mainz fahren zu müssen. Dazu haben wir ein intensives Coaching entwickelt“, erläutert die Projektkoordinatorin. Die Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmer kommen für das Training in der Regel einmal in der Woche nach Mainz. „Außerdem biete ich Treffen bzw. Sprechstunden für Interessierte in Alzey oder Oppenheim an, sagt Uta Galle-Hahn.

Familiencoaching ist sinnvoll

Auch Partnerinnen und Partner sowie Kinder von beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteigern können von einem Coaching profitieren. Teilweise habe ich ganze Familien hier sitzen. Auch eine Schwiegermutter kam schon einmal mit, berichtet sie. Das Familiencoaching ist sinnvoll, denn am beruflichen Wiedereinstiegsprozess ist das gesamte familiäre Umfeld beteiligt bzw. kann den Wiedereinstieg unterstützen und damit wesentlich zum Gelingen beitragen. Neben der Aufgabenverteilung in der Familie verändern sich in diesem Prozess auch Rollenvorstellungen, Prioritäten und Werte. Um diesen Weg gemeinsam zu vollziehen, ist der Austausch in der Familie wichtig, erklärt Uta Galle-Hahn.

Fortbildung im Bereich Haushaltsnahe Dienstleistungen

Für Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger, die im Bereich der Haushaltsnahen Dienstleistungen tägig werden möchten, bietet das Programm Perspektive Wiedereinstieg in Mainz jetzt eine eigene Fortbildung an. Wir konnten dabei auf bereits zertifizierte Qualifizierungsbausteine des CJD zurückgreifen und diese passend neu zusammenstellen. Der Schwerpunkt liegt auf den Themen Reinigung und Ernährung. Außerdem gibt es Module, in denen es um die Betreuung im Haushalt lebender Kinder, Jugendlicher und Älterer geht, erklärt die Projektleiterin. Die ersten acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden die Qualifizierung bald abschließen. Sie haben dann die Möglichkeit, sowohl in Privathaushalten als auch in Institutionen zu arbeiten. Um die Absolventinnen und Absolventen erfolgreich in Arbeit vermitteln zu können, kooperieren die Mainzer Perspektive Wiedereinstieg-Projektträger mit Mehrgenerationenhäusern und anderen Anbietern, die Haushaltnahe Dienstleistungen am Markt offerieren und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fest anstellen. „Außerdem klären wir im Moment, unter welchen Rahmenbedingungen sich unsere Absolventinnen und Absolventen bei den Krankenkassen als sogenannte Familienpflegerinnen bzw. Familienpfleger registrieren lassen könnten“, berichtet Uta Galle-Hahn.

Zugänge zu einer passgenauen Weiterbildung an Hochschulen eröffnet

Rund die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Perspektive Wiedereinstieg-Programm in Mainz sind Akademikerinnen oder Akademiker. Viele von ihnen brauchen, um in ihrem Fach beruflich anknüpfen zu können, eine inhaltliche Auffrischung. Die Bedarfe sind sehr unterschiedlich und oft recht speziell. Entsprechende Weiterbildungsangebote gibt es kaum, sagt Uta Galle-Hahn. Die Träger haben deshalb zusammen mit den Gleichstellungsstellen der regionalen Hochschulen und dem Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) der Johannes Gutenberg-Universität (JGU), die bereits bestehenden Angebote für Wiedereinsteigerinnen mit akademischem Anschluss der Hochschulen gesichtet, gebündelt und auf die Bedürfnisse der Akademiker und Akademikerinnen hin analysiert. Das Ziel ist eine exemplarische Entwicklung und Erprobung von kurzen Anpassungsqualifizierungen durch die Hochschulen. Gemeinsam wurde folgende Lösung erarbeitet: Weiterbildungsinteressierte können als Gasthörerinnen und Gasthörer gezielt die Vorlesungen und Seminare besuchen, die sie inhaltlich weiterbringen. Die Hochschulen unterstützen sie mit ausführlicher Studienfachberatung sowie dabei, parallel zur Studienphase einen entsprechenden Praktikumsplatz zu finden. Einziger Nachteil dieses Konzepts, das wir zu Zeit erproben, ist, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kein abschließendes Zertifikat erhalten, meint Uta Galle-Hahn.

Netzwerk Rhein-Nahe-Hunsrück

Die Expertinnen von CJD und SPAZ verstehen sich gleichzeitig als Lobby für die beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger. Sie besuchen Messen und machen kontinuierlich Öffentlichkeitsarbeit, um Unternehmen für das Potenzial zu sensibilisieren, das Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger für den Arbeitsmarkt darstellen. Wir konnten ‚Perspektive Wiedereinstieg’ dadurch bereits als ‚Marke’ etablieren, sagt Uta Galle-Hahn. Besonders effektiv ist die Zusammenarbeit im 2010 aufgebauten Netzwerk Rhein-Nahe-Hunsrück. Wir treffen uns ein- bis zweimal jährlich mit Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Unternehmen sowie weiteren Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren und besprechen aktuelle Anliegen rund um das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Außerdem geht es darum, wie wir Unternehmen, die offene Stellen haben, und Menschen, die einen Arbeitsplatz suchen, gut und passgenau zusammenbringen können. Betriebe berichten uns vielfach von ihren Vakanzen und wir können anhand der Profile unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer oft passende Bewerberinnen und Bewerber vermitteln, berichtet Uta Galle-Hahn, die bereits Pläne zur Verstetigung der Zusammenarbeit auch über das Programm hinaus schmiedet.

Link:

Perspektive Wiedereinstieg - CJD Mainz
Informationen auf der Website des CJD Mainz

Foto: Perspektive Wiedereinstieg-Modellstandort Mainz

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