Demografie-Gipfel in Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt Rückkehrrecht auf Vollzeitstelle

Die Bevölkerungszahl in Deutschland schrumpft, immer mehr ältere kommen auf immer weniger jüngere Personen: Diese Veränderungen werden als „demografischer Wandel“ bezeichnet. Maßnahmen, die dazu beitragen können, die damit verbundenen Herausforderungen positiv zu gestalten, diskutierte Bundeskanzlerin Angela Merkel am 14. Mai 2013 mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Berlin. Als Maßnahmen zur Fachkräftesicherung wurden unter anderem eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Unterstützung beim Wiedereinstieg ins Erwerbsleben nach einer Familienphase genannt. Personen, die aus familiären Gründen ihre Arbeitszeit reduzierten, müssten ein Recht haben, wieder auf eine Vollzeitstelle aufzustocken.

Foto: Bundeskanzlerin Angela Merkel

Die Gestaltung des demografischen Wandels ist ein Gemeinschaftswerk der Sozialen Marktwirtschaft, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede auf dem zweiten Demografie-Gipfel am 14. Mai 2013 in Berlin. Es gehe darum, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu bewahren, den Wohlstand im Lande nachhaltig zu sichern und Menschen zu helfen, Veränderungen und Übergänge im Lebensverlauf zu meistern. Im Zuge des ersten Demografie-Gipfels im Oktober 2012 waren neun Arbeitsgruppen ins Leben gerufen worden. Sie hatten den Auftrag, Maßnahmen zur Umsetzung der Demografie-Strategie der Bundesregierung auszuarbeiten. Auf dem zweiten Demografie-Gipfel stellten sie Vertreterinnen und Vertreter aus Bund, Ländern und Kommunen sowie Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft erste Ergebnisse vor.

Arbeitsgruppe zum Thema Stärkung von Familien

Im Fokus der Arbeitsgruppe Familie als Gemeinschaft stärken unter Vorsitz von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder stand die bessere Vereinbarkeit von Familien- bzw. Pflegeaufgaben und Beruf. Es gelte, den Anteil der Mütter und Väter zu erhöhen, die nach Ablauf der Elternzeit ihre Erwerbstätigkeit wieder aufnähmen, hieß es. Initiativen in Betrieben und Kommunen, die Familien mehr Zeitsouveränität geben, könnten ihnen helfen, den Alltag besser zu organisieren. Familienunterstützende und Haushaltsnahe Dienstleistungen könnten ebenfalls einen Beitrag leisten, Zeitgestaltung zu erleichtern. Dazu müsste dieser Markt transparenter organisiert werden.

Arbeitsgruppe zum Thema  Fachkräftesicherung

Die Arbeitsgruppe „Mobilisierung aller Potenziale zur Sicherung der Fachkräftebasis“ unter Vorsitz von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zeigte in ihrem Bericht unter anderem das Potenzial auf, das die sogenannte „Stille Reserve“ für den Arbeitsmarkt bildet. Gemeint sind vor allem Menschen, die nach einer Familienphase theoretisch wieder erwerbstätig sein könnten, sich jedoch schwer tun, passende Wege zu finden, um erneut Anschluss an den Arbeitsmarkt zu bekommen. Im Rahmen des ESF-Modellprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bundesagentur für Arbeit seien bereits Beratungs- und Unterstützungsangebote für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger entwickelt worden. Erfolgreiche Komponenten davon übernahm die Bundesagentur für Arbeit in ihren Maßnahmenkatalog zur Arbeitsförderung.

Kompetenzen durch Familienarbeit

Die Kanzlerin betonte die Kompetenzen für das Erwerbsleben, die Menschen durch Familienarbeit gewinnen: „Diejenigen, die sich mit Kindererziehung befassen – das habe ich auch immer wieder gesagt –, sind im Zweifelsfall nicht weniger flexibel, sondern außerordentlich flexibel und lebenserfahren."

Arbeitszeit aufstocken?

Ein weiteres wichtiges Arbeitskräftepotenzial bildeten die vielen – vor allem weiblichen - Teilzeitbeschäftigten, die gerne mehr arbeiten würden. Fast zwei Millionen erwerbstätige Frauen befinden sich laut Angaben des Statistischen Bundesamts in dieser Situation. Die Kanzlerin sprach sich daher in ihrer Rede für ein Recht zur Rückkehr auf eine Vollzeitstelle aus. Derzeit sieht die Gesetzeslage zwar ein Recht vor, die Arbeitszeit zu verringern. Möchten Beschäftigte zu einem späteren Zeitpunkt wieder voll arbeiten, liegt es jedoch im Ermessen des Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin, dies zu gewähren. Von einem Rechtsanspruch zur Rückkehr auf eine Vollzeitstelle sei die Wirtschaft jedoch noch nicht überzeugt, erklärte Angela Merkel: „Daran müssen wir noch arbeiten.“

Links:

Zweiter Demografiegipfel: Familien sollen besser über ihre Zeit verfügen können
Information auf der Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Demografiestrategie: Politik für alle Generationen
Informationen auf der Website der Bundesregierung

Foto: Bundesregierung / Guido Bergmann

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