Jubiläumsbeitrag: Erfahrungen, Höhepunkte und Wünsche!

Eva Peters, Referentin, Bundesagentur für Arbeit (BA), kann auf 10 Jahre „Perspektive Wiedereinstieg“ (PWE) zurückblicken. Sie berichtet über ihre Aufgaben, Erfahrungen und die Höhepunkte der letzten Jahre. Sie wünscht der PWE-Family auch für die Zukunft, ihrem Erfolgsgeheimnis treu zu bleiben!

Foto:Carmen Kraushaar

perspektive-wiedereinstieg.de: Frau Peters, wie lange sind Sie schon bei PWE dabei?

Eva Peters: Ich darf mich mit Fug und Recht als eine der Urmütter von PWE bezeichnen. Ursprünglich war ein reines Informationsportal geplant, das interaktiv und damit innovativ sein sollte. Doch dies hat sich schnell geändert, die Live-Maßnahmen der Träger unseres ESF-Bundesprogramms vor Ort entwickelten sich bundesweit zum „Herzstück“ von PWE.

perspektive-wiedereinstieg.de: Was waren ihre Aufgaben?

Eva Peters: Zur Zeit des „PWE-Urschleims“ war ich als Referentin in der Zentrale der BA tätig. Ich arbeitete damals Hand in Hand mit der damaligen BCA, Dagmar Hebmüller, später führte Heidi Holzhauser mit großer Begeisterung diese Aufgabe fort. Anfangs (und bei PWE-Online wieder) war auch Dagmar Boye aus unserem Medienbereich mit von der Partie. Neben der Mitarbeit am Konzept war vor allem die spätere Umsetzung als Maßnahme der BA meine und unsere Aufgabe.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Erfahrungen konnten Sie in dieser Zeit sammeln?

Eva Peters: PWE hat sich wohltuend von den klassischen Naturgesetzen des Projekt-Managements abgehoben. Natürlich gab es Querelen, natürlich waren wir uns nicht in allem einig, aber es ist der PWE-Family immer wieder gelungen, die Begeisterung aufrecht zu erhalten. Aus den einzelnen Akteuren ist mit den Jahren tatsächlich eine Familie geworden. Und was das Beste war: Die Auszeichnungen gingen nicht an „völlig Unbeteiligte“, sondern erreichten die eigentlichen „Macher und Macherinnen“!

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Ereignisse sind für Sie von besonderem Erinnerungswert?

Eva Peters: Ein Ereignis hervorzuheben, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist, fällt nicht leicht. Ein unglaubliches Highlight war die Verleihung des UN Public Service Awards in der Kategorie Gender an „Perspektive Wiedereinstieg“. Der Vortrag von Sabine Christen, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und mir erreichte sein Publikum. Das Überraschendste war, dass eine Unternehmerin aus dem Gastgeberland gleich im Anschluss zu uns kam, uns die Hand schüttelte und mit dem Brustton der Überzeugung bemerkte: „Die Probleme bei Ihnen sind exakt dieselben wie bei uns!“ So viele Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und dem arabischen Land am Persischen Golf (Bahrain)? Wer hätte das gedacht! In der Tat zeigten die Reaktionen des Publikums, dass es uns mit PWE gelungen ist, Antworten auf Fragen zu formulieren, die „universell“ und „kulturübergreifend“ gültig sind. Wie kann es gelingen, Selbstverwirklichung und Sorge um die Familie so zu verbinden, dass daraus kein Widerspruch entsteht? Wie lässt sich das (berufliche) Selbstbewusstsein von Wiedereinsteigerinnen stärken, deren Leben für viele Jahre hauptsächlich aus Erziehungs-, Pflege- und Haushaltspflichten bestand? Wie lernen die Frauen loszulassen? Und vor allem: Wie kann es gelingen, der drohenden beruflichen Dequalifizierung zu entgehen?

Ein weiteres Highlight war die Einführung unseres ebenfalls preisgekrönten digitalen Produkts „PWE-Online“. Und was mir auch stets in Erinnerung bleiben wird: Durch PWE ist das Problem des Wiedereinstiegs sichtbar geworden und es hat sich gezeigt, dass es keine Einzelfälle, sondern die Mehrheit der Frauen nach einer Familienphase betrifft. Und was noch wichtiger ist, das Projekt hat gezeigt, dass es Lösungen gibt. Durch persönliches Coaching, das Mut zum Wiedereinstieg macht und durch zukunftsweisende Angebote wie PWE-Online, die der fortschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft Rechnung tragen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Liebe Frau Peters, zum Abschluss unseres Gespräches haben wir noch eine letzte Frage: Was wünschen Sie dem Programm für die kommende Förderphase?

Eva Peters: Das Thema Pflege ist und bleibt ein wichtiges – vielleicht das wichtigste Zukunftsthema unserer Gesellschaft! Viele Frauen – und auch zunehmend Männer - steigen aufgrund von Pflegeaufgaben aus dem Berufsleben aus. Gleichzeitig stehen viele Erwerbstätige vor der Herausforderung, Beruf und Pflege zu vereinbaren. Auch in den kommenden Jahrzehnten wird es nicht ohne pflegende Familienangehörige gehen. Und die verdienen alle Unterstützung, die man ihnen geben kann: Finanziell, durch die Subventionierung Haushaltsnaher Dienstleistungen und ideell, indem spezifisches Coaching für diese Zielgruppe entwickelt und angeboten wird.

Darüber hinaus dürfen wir nicht nachlassen, Überzeugungsarbeit für PWE-Online zu leisten! Der digitalen Welt gehört die Zukunft der Weiterbildung. Der Ausbau dieser Angebote ist ein Muss. Ohne digitale Kompetenzen werden Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer immer stärker von den neuen Entwicklungen abgekoppelt werden. Dies trifft insbesondere Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger, die ohnehin gegen das Vorurteil ankämpfen müssen, neuere Entwicklungen verpasst zu haben. Die wichtigste Aufgabe – und zugleich das schwierigste Problem – wird die Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins sein. Trotz zunehmender Erwerbsbeteiligung von Frauen und trotz des Ausbaus an Unterstützungsangeboten hat sich an der Rollenwahrnehmung oftmals noch wenig geändert

Frau Peters, herzlichen Dank für das Gespräch mit Ihnen!

Links:

Website der Bundesagentur für Arbeit

Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Wiedereinstiegsrechner

XING-Gruppe: „Perspektive Wiedereinstieg: Klick Dich rein- für neue Wege“

perspektive-wiedereinstieg.de

Das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“

ESF-Standorte

Galerie "Erfolgsgeschichten"

Summer School – Gründungsgeschichten

PWE-Auszeichnungen

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Foto: © Holger Gottschall

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