Väter in Elternzeit – ein Gewinn für die Familie

Immer mehr Väter erkennen den Wert von Elternzeit: Laut aktueller Elterngeldstatistik liegt die Väterbeteiligung in Deutschland bei durchschnittlich 32 Prozent. Weshalb aber entscheidet sich eine wachsende Zahl von Vätern für die Elternzeit? Von welchen positiven Effekten profitieren sie, ihre Partnerinnen und Kinder? Im Herbst 2015 erschienen neue Studien zum Trendthema „aktive Vaterschaft“, die darauf eine Antwort geben.

Foto: Vater und Sohn toben

Die Väter von heute engagieren sich auf vielfältige Weise mit und für ihre Kinder. […] Je mehr sich jedoch auch die Mütter im Erwerb engagieren und je höher ihr Einkommen, desto wahrscheinlicher wird ein aktives Engagement der Väter.“ So heißt es im Fazit des Reports „Väter 2015: Wie aktiv sind sie, wie geht es ihnen und was brauchen sie? des Deutschen Jugendinstituts.

Wie lässt sich aktive Vaterschaft beschreiben? Das jüngst vom Bundesfamilienministerium herausgegebene Dossier Väter und Familie - erste Bilanz einer neuen Dynamik fasst die Erkenntnisse verschiedener Studien zusammen:

Aktive Väter

  • sehen sich ebenso wie die Mütter für die Erziehung und das Wohl der Kinder in der Verantwortung,
  • bringen sich aktiv und in einer warmherzigen Weise in Kinderbetreuung und -versorgung ein,
  • möchten eine partnerschaftliche Aufgabenteilung leben und
  • nehmen verstärkt Elterngeld und Elternzeit in Anspruch.

Väter: Motive für die Inanspruchnahme von Elternzeit

Die im Oktober 2015 erschienene Studie Väter bei der Commerzbank: Ein Kulturwandel entsteht macht folgende Motive aus, die Väter dazu bewegten, zwischen 2009 und 2014 eine Elternzeit zu nutzen: Für 97 Prozent der 754 befragten Väter war es wichtig, möglichst viel Zeit mit ihrem Kind zu verbringen. 84 Prozent wollten durch die Inanspruchnahme der Elternzeit die Beziehung zum Kind stärken und 80 Prozent mehr Familienaufgaben übernehmen. Dass auch die Unterstützung der Partnerin beim beruflichen Wiedereinstieg eine wichtige Motivation für das Engagement der Väter ist, wird in der Befragung ebenfalls deutlich: Über die Hälfte (53 Prozent) der befragten Väter entschied sich für die Elternzeit, so dass die Partnerin in den Beruf zurückkehren bzw. ihre Karriere weiter verfolgen konnte.

Effekte für den beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin

Das Dossier Väter und Familie - erste Bilanz einer neuen Dynamik des Bundesfamilienministeriums beschreibt folgenden Effekt: Väter, die ihre Partnerin bei einer frühzeitigen Berufsrückkehr unterstützen, verbessern deren Einkommens- und Karrierechancen. Unter Einbeziehung aktueller Forschungsergebnisse heißt es dazu: Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln sind die (bereinigten) Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern umso kleiner, je kürzer die Auszeiten von Frauen ausfallen. Während der Bruttostundenverdienst von Frauen mit mindestens dreijähriger Erwerbsunterbrechung 12 Prozent unter dem der Männer liegt, unterscheiden sich die Löhne von Frauen, die maximal 18 Monate ausgestiegen sind, nur noch um weniger als 2 Prozent von den Männern. Mit einem frühzeitigen beruflichen Wiedereinstieg und einem höheren Stundenumfang kann es Frauen gelingen, Rentenansprüche zu sichern und die Gefahr von Altersarmut zu vermindern.

Väter und Elternzeit – gut für Partnerschaft und Gesundheit

Dass eine Elternzeit des Vaters sogar einer Trennung und Scheidung vorbeugen kann, unterstreichen die Autoren der Commerzbank-Studie. Im Rahmen der Befragung und in vertiefenden Interviews zeigten sich Väter davon überzeugt, dass vor allem eine längere eigene Elternzeit das Risiko von Trennung und Scheidung senke. Das Engagement des Vaters in Familie und Haushalt führe zur Entlastung der Partnerin und einer hohen Beziehungszufriedenheit. Die Erfahrungen des Elternpaares als Team wirkten über die Elternzeit hinaus, so dass die Väter nachhaltig deutlich mehr Hausarbeiten und Aufgaben in der Kinderbetreuung übernehmen als vor der eigenen Familienphase. 86 Prozent der befragten Väter stimmten rückblickend der Aussage zu: ihre Elternzeit hat der Partnerschaft gutgetan.

Erfahrungen aus der vorgenannten Commerzbank-Studie zur Elternzeit in Schweden bestätigen dieses Ergebnis. So ist in dem nordeuropäischen Land die Scheidungsrate bei Vätern, die Elternzeit nutzten, seit der Einführung des Elterngeldes und der Elternzeit im Jahr 1974 um 30 Prozent gesunken.

Tipp für Väter: Restansprüche von Elternzeit nutzen

Väter, die selbst noch einmal in den Genuss der positiven Effekte einer Elternzeit kommen und ihre Partnerin beim beruflichen Wiedereinstieg unterstützen möchten, können unter Umständen ihren Restanspruch auf Elternzeit geltend machen. Informationen zum  Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) finden Interessierte auf dem Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Links:

Väter 2015: Wie aktiv sind sie, wie geht es ihnen, und was brauchen sie?
Deutsches Jugendinstitut, 2015

Väter bei der Commerzbank: Ein Kulturwandel entsteht.
Die Commerzbank-Väter-Studie, 2015

Väter und Familie - erste Bilanz einer neuen Dynamik – Dossier
Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2015

Elternzeit
Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Vaterschaft und Elternzeit
Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2011

perspektive-wiedereinstieg.de:

Studie: Nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung durch Väter

Report: Wunschväter in Deutschland

Checkliste: Beruflicher Wiedereinstieg, Partnerschaft und Familie

Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin - Ergebnisse qualitativer Interviews

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