Studie: "Nur Mut! Männer/Väter"

Väter nehmen familienfreundliche Angebote ihrer Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber noch deutlich seltener in Anspruch als Mütter. Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney gibt Hinweise, woran das liegen könnte. Die Autorinnen und Autoren empfehlen, Väter als Zielgruppe von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker in den Blick zu nehmen.

Cover der Studie "Nur Mut! Männer/Väter"

Die Unternehmensberatung A.T. Kearney führte im Rahmen der A.T. Kearney 361° Familien-Initiative die Studie "Nur Mut! Wie familienfreundliche Unter­neh­men zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen" durch und publizierte im Juli 2014 väterspezifische Ergebnisse in der Schriftenreihe 361°. An der zu Grun­de liegenden repräsentativen Online-Befragung hatten sich 1.771 Be­schäf­tigte im Alter zwischen 25 und 55 Jahren beteiligt. Ein zentrales Ergebnis: Männer nutzen familien­freund­liche Angebote nach wie vor seltener als Mütter. 48 Prozent der Väter gaben an, bereits familienfreundliche Leistungen in An­spruch genommen zu haben - im Vergleich zu 75 Prozent der Mütter. Nur sieben Prozent der Väter, aber 62 Prozent der Mütter, hatten bereits Erfahrung mit Teilzeitarbeit gemacht. Fast ein Drittel der Vollzeit arbeitenden Männer wünscht sich jedoch, die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren.

Warum klaffen Wunsch und Wirklichkeit bei der Arbeitsgestaltung oft auseinander?

Viele Männer befürchten Nachteile, wenn sie familienfreundliche Maßnahmen nutzen. 40 Prozent der Umfrageteilnehmer vermuten, dass ihre beruflichen Leistungen von Vorgesetzen dann als "schlechter" wahrgenommen würden. 31 Prozent meinen, dass sie finanzielle Einbußen erleiden würden, und 29 Prozent erwarten, dadurch Probleme mit Kolleginnen und Kollegen zu bekommen. Teilweise bemängeln Männer auch die vorhandenen Teilzeitangebote in ihrem Unternehmen oder halten ihre Vorgesetzten in Bezug auf das Thema Verein­bar­keit von Familie und Beruf für wenig glaubwürdig.

Wie nehmen Männer die Vereinbarkeitskultur in ihrem Unternehmen wahr?

Die meisten Männer (65 Prozent) meinen, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in ihrem Unternehmen keine Selbstverständlichkeit sei. Gehen nur die Antworten der (noch) kinderlosen Männer zwischen 25 und 40 Jahren in die Auswertung ein, sind es sogar 73 Prozent. Bei den kinderlosen Frauen dieser Altersgruppe haben dagegen "nur" 60 Prozent diesen Eindruck. Väter erhielten in ihrem Unternehmen zu wenig Unterstützung dabei, ausreichend Zeit für die Familie zu haben, kritisierten 41 Prozent der Befragten.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Was wünschen sich die Väter?

Die befragten Männer vermissen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf Angebote, die speziell auf Väter zugeschnitten sind. Auf dem zweiten Platz der Wunschliste steht die Möglichkeit, ein Langzeitkonto zu nutzen, auf dem sich Arbeitszeiten für eine längere Freistellungsphase ansparen lassen. Zu­sätzliche Geldleistungen für Familien könnten ebenfalls entlasten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern, meinen viele. 

"Mehr Flexibilität und unbürokratische Lösungen"

Neben den Befragungsergebnissen enthält die Publikation auch Interviews und Handlungsempfehlungen. In einem der Interviews antwortet Max Schön, Vorstand der Stiftung "2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz", auf die Frage, was aus seiner Sicht wünschenswert wäre, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gelingen kann: Dass alte mentale Grenzen überschritten werden, dass die Männer aber auch selbst aktiv werden. Dafür bedarf es eines grundsätzlichen Umdenkens. Noch herrscht der Primat der Gleichbehandlung, und manche Mitarbeiter sehen nicht ein, dass man als Unternehmer Vätern in besonderer Weise entgegenkommt. Die Neidfrequenz ist hoch. Aber 'gleich' ist nicht gerecht. Wir brauchen mehr Flexibilität und unbürokratische Lösungen für Männer, die sich verstärkt um ihre Familie kümmern möchten.

"Nur Mut!"

"Nur Mut!" rufen die Autorinnen und Autoren der Publikation den Unternehmen zu. Viele Betriebe unterschätzten die Bedeutung ihrer Möglichkeiten zur Ver­bes­serung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für ihre Beschäftigten - und auch den Nutzen, den das Unternehmen daraus zieht: Denn 94 Prozent der Männer, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei ihrem Arbeitgeber oder ihrer Arbeitgeberin als Selbstverständlichkeit erleben, arbeiten gerne für ihr Unternehmen und bleiben ihm treu. 82 Prozent von ihnen würden ihren Arbeitgeber bzw. ihre Arbeitgeberin anderen weiterempfehlen.

Für den Fachkräftemangel gerüstet

In ihrem Beitrag "Vom Alleinernährer zum Partner" im A.T.Kearney-361°-Blog thematisiert auch Sofie Geisel, Leiterin des Unternehmensnetzwerks "Erfolgsfaktor Familie", die "Revolution" in den Einstellungen von Vätern (und Müttern). Unternehmen profitierten, wenn sie ihre Beschäftigten dabei unter­stützten neue Lebensmodelle zu realisieren, sagt sie: Wenn Unternehmen jungen Vätern und Müttern künftig häufiger Berufs- und Karrierechancen einräumen, die nicht mehr nach 'Entweder-oder' und 'Verzicht' klingen, dann gewinnen sie nicht nur Motivation, sondern auch 'Kapazitäten'. Kapazitäten, die sie gut gebrauchen können, wenn sie für den Fachkräftemangel gerüstet sein wollen.

Bild: A.T. Kearney 361°

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