Studie: Nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung durch Väter

Eine Ende 2014 erschienene Studie des Instituts SowiTra macht deutlich, dass sich väterliche Elternzeiten und Aufgabenübernahme in der Familie positiv auf die Berufsbiografien vieler Mütter auswirken. Ungünstige Arbeitsbedingungen und -zeiten sowie ein vielfach niedrigeres Erwerbseinkommen von Frauen erschweren jedoch die Umsetzung egalitärer Familien-Arrangements. Betriebe können mit einer gleichstellungs­orientierten Unternehmenskultur gegensteuern.

Foto: Deckblatt der Studie

Wie wirkt es sich auf die Partnerschaft aus, wenn Väter Elterngeldmonate in Anspruch nehmen? Dieser Frage ging eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie des Berliner Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer SowiTra nach. Ein vierköpfiges Wissenschaftlerinnen- und Wissenschaftlerteam interviewte dafür von 2012 bis 2014 insgesamt 94 Elterngeld-Väter, Partnerinnen sowie Expertinnen und Experten in Unternehmen zu den Themen Elterngeldnutzung und betrieblicher Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Außerdem fand eine bundesweite Online-Befragung statt, die sich an Väter wendete, die Elterngeldmonate genutzt hatten.

Die Studienergebnisse zeigen einen starken Zusammenhang zwischen dem Umfang der Elterngeldnutzung durch die Väter und dem beruflichen Engagement ihrer Partnerinnen.

Welche Faktoren beeinflussen die Entscheidung für Elternzeit?

Wie viele Elterngeldmonate ein Vater nimmt, entscheidet er in der Regel gemeinsam mit seiner Partnerin. Wichtige Faktoren, die die Nutzung von Elterngeldmonaten begünstigen, sind eine hohe Arbeitsplatzsicherheit und eine für den Vater befriedigende Vertretungslösung während seiner Abwesenheit. Ein weiterer zentraler Einflussfaktor ist die berufliche Situation der Partnerin: Bedeutungsvoll sind dabei sowohl die jeweilige Berufsorientierung der Partnerin als auch ihre konkreten Arbeits- und Einkommensbedingungen, schreiben Svenja Pfahl, Stefan Reuyß, Dietmar Hobler und Sonja Weeber. Außerdem spielen gesellschaftliche Muster und Leitbilder, an denen sich Paare bei der Aufteilung der Elterngeldmonate orientieren, eine wichtige Rolle.

Elternzeit des Vaters kann der Mutter eine berufliche Weiterentwicklung ermöglichen

Je länger die für die Studie befragten Väter Elterngeld in Anspruch genommen hatten, desto egalitärer gestaltete sich ihre Paarbeziehung. Väter mit längeren Elternzeiten (mindestens drei Elterngeldmonate) reduzierten ihre Arbeitszeit im Anschluss an die Elterngeldmonate zum Beispiel deutlich häufiger als Väter mit kürzeren Elterngeldzeiten (maximal zwei Elterngeldmonate) und schafften sich längerfristig Freiräume für Tätigkeiten in der Kinderbetreuung und im Haushalt. Dieses verstärkte Familienengagement der Väter machte es ihren Partnerinnen möglich, sich auf ihr berufliches Fortkommen zu konzentrieren. Sie konnten zum Beispiel ihre Arbeitszeiten verlängern oder Weiterbildungen durchlaufen. Dadurch war es den Müttern anschließend vielfach möglich, einen relevanten Teil des Familieneinkommens zu erwirtschaften. Dies wiederum stärkte die gleichmäßige Aufteilung von Familien- und Erwerbsarbeit in der Paarbeziehung.

Die gesamte Familie profitiert

Die Väter berichteten, dass sie durch die Elternzeitnutzung eine bedeutende Betreuungsperson für ihre Kinder geworden seien und die Vater-Kind-Bindung davon profitiert habe. Die väterliche Elterngeldnutzung kam außerdem der Qualität der Paarbeziehung zu Gute.

Was die Umsetzung behindern kann

Ungünstige Arbeits- bzw. Arbeitszeitbedingungen bei einem oder beiden Elternteilen sowie Benachteiligungen von Frauen am Arbeitsmarkt könnten jedoch, so ermittelte das Studien-Team, Störfaktoren sein und eine solche partnerschaftliche Arbeitsteilung in der Familie be- oder verhindern. Die Studienautorinnen und -autoren fordern daher: Die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen deutlich, dass das familiale Engagement der Väter in dem Maße steigt, wie die Partnerin über ähnlich gute berufliche Chancen verfügt. Anders ausgedrückt: Wollen wir eine Gesellschaft, in der sich Männer stärker an Sorgearbeit beteiligen, müssen wir dafür sorgen, dass Frauen und Männer gleichberechtigte Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Auf Grundlage der Befragungsergebnisse raten die Autorinnen und Autoren Unternehmen, eine vätersensible und gleichstellungsorientierte Unternehmenskultur zu schaffen. Das bedeutet, Familie und Karriere für Männer und Frauen besser vereinbar zu machen, indem

  • Führung in Teilzeit möglich ist,
  • sich Leistungsbewertungen stärker an Ergebnissen und nicht so sehr an Anwesenheitszeiten orientieren,
  • es attraktive Arbeits- und Arbeitszeitmodelle für Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen gibt,
  • die Arbeitsorganisation familienfreundlich gestaltet ist,
  • nicht-lineare Erwerbsbiografien positiv gesehen und Familienkompetenzen als wichtige Ressource im Beruf anerkannt werden,
  • ein funktionierendes Vertretungsmanagement besteht, das es erlaubt, Familien- und Pflegezeiten sowie Teilzeitphasen gut zu überbrücken,
  • der Fokus bei der Gestaltung und Kommunikation des Themas „Vereinbarkeit von Familie bzw. Pflege und Beruf“ gleichermaßen auf Männern und Frauen liegt,
  • Frauen und Männer gleiche Bedingungen in Bezug auf Einkommen, Aufstiegsmöglichkeiten und Qualität der Arbeit vorfinden.

Bei der Umsetzung einer solchen Kultur ist es wichtig, die zentrale Rolle der Führungskräfte zu erkennen, sie entsprechend einzubinden und ihre Herausforderungen zu berücksichtigen. Die Studie hatte ergeben, dass die direkten Vorgesetzten eine maßgebliche Rolle dabei spielen, ob und in welchem Umfang Väter Elterngeldmonate nehmen. Eine Ablehnung von Elternzeitwünschen war teilweise darauf zurückzuführen, dass die Führungskräfte ihrer Entscheidung persönliche Wertvorstellungen zugrunde legten oder dass sie keine Möglichkeit hatten, für die Phase der Elternzeit eine Ersatzkraft zu bekommen.

Link:

Nachhaltige Effekte der Elterngeldnutzung durch Väter
Kurzfassung der Studienergebnisse zum Download auf der SowiTra-Website

Foto: SowiTra

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