Rollenbilder von Vätern und Müttern wandeln sich, sagt Volker Baisch, Initiator des Väter e.V.

Volker Baisch ist diplomierter Sozialwirt und zweifacher Vater. Als Initiator des Väter e.V. und Geschäftsführer der Väter gGmbH, Berater, Coach und Buchautor engagiert er sich für die Vereinbarkeit von Vaterschaft und Karriere. Im Gespräch mit perspektive-wiedereinstieg.de erklärt er, dass es wichtig ist, eine ganzheitliche Perspektive für Väter und Mütter zu entwickeln.

Foto: Volker Baisch

perspektive-wiedereinstieg.de:  Was ist die tragende Idee, die hinter Väter e.V. steht?

Volker Baisch: Die kommt aus meiner eigenen Geschichte als Vater, der in Elternzeit gehen wollte und im Prinzip kaum Unterstützungsstrukturen vorfand – sowohl innerhalb wie auch außerhalb der Unternehmen. Ich fragte mich: Da muss es doch auch noch andere Männer geben, die vor einem ähnlichen Problem stehen wie ich, nämlich: Wie sage ich das meinem Chef? Wie kann ich eigentlich dieses Gespräch so gut vorbereiten, dass es für mich stimmig ist, aber auch für das Unternehmen? Und das ist auch die zentrale Aufgabe des Vereins: Die Vereinbarkeit von Vaterschaft und Karriere zu lancieren – für die Männer und für die Unternehmen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie väterfreundlich ist die Berufskultur derzeit?

Volker Baisch: Das Bewusstsein ist da, dass Männer ein neues Rollenmodell und -verständnis haben, aber die Konsequenz daraus wird von den Unternehmen oft noch nicht gezogen. Das heißt, es gibt noch kaum Angebote, die Väter auch dazu ermutigen, diesen Schritt in die Elternzeit zu gehen. Umgekehrt ist die Weiterentwicklung von Schlüsselqualifikationen während der Elternzeit noch nicht ausreichend bei den Unternehmen angekommen – dass das für die Unternehmen selbst von Vorteil sein kann.

perspektive-wiedereinstieg.de: Das Aktionsprogramm Perspektive Wiedereinstieg richtet sich an Frauen , die längere Zeit in der Familienpause waren und in die Arbeitswelt zurückkehren wollen. Gibt es – in Anlehnung daran – Fälle männlichen Wiedereinstiegs, die Sie begleitet haben? Wenn ja, welche Erfahrungen haben die Männer gemacht?

Volker Baisch: Das haben wir ursprünglich nicht als unsere Aufgabe angesehen, aber interessanterweise entwickelt sich das seit dem Elterngeld in diese Richtung. Wir haben hier den sogenannten Elternzeittreff, wo Väter sich wöchentlich treffen und austauschen über das Thema Kinder, aber eben auch über den Aus- und Wiedereinstieg ins Berufsleben. Und wir begleiten auch Väter, die zum Beispiel nach der Elternzeit wieder Teilzeit arbeiten möchten, aber wissen, dass ihr Arbeitgeber ihnen das nicht ermöglicht. Da entscheiden sich Väter auch durchaus so, dass sie sagen: Das geht nicht? Dann suche ich mir einen neuen Job – gleich auf 30-Stunden-Basis. Hier bieten wir dann Coachings im Sinne einer familienfreundlichen Arbeitszeit an, in Unternehmen, aber auch außerhalb.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie beurteilen Sie die Chancen für Wiedereinsteigerinnen, wenn teilzeitflexible Arbeitsmodelle auch für männliche Karrieren immer relevanter werden?

Volker Baisch: Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Hauptthema, das auch schon vor zehn Jahren diskutiert wurde, eine Zäsur war allerdings die Einführung des Elterngeldes. Denn seitdem ist es finanziell auch möglich, dass ein Vater seine Arbeitszeit reduziert oder auch zu Hause bleibt. Gleichzeitig eröffnet es den Frauen mehr  Möglichkeiten, und sei es nur ein Zeitfenster von zwei Monaten, den Sprung zurück in das Berufsleben anzugehen, während der Vater das Kind in der Übergangsphase in die Kita begleitet. Das ist hochspannend, was da im Augenblick passiert.

perspektive-wiedereinstieg.de: Können Sie ein erstes Fazit ziehen zur Entwicklung einer familienfreundlicheren Personalpolitik seit Bestehen von Väter e.V.? Welche Erwartungen haben Sie für die Zukunft?

Volker Baisch: Der Rollenwandel bei Vätern – und das sagen auch die Umfragen – ist gesellschaftlich angekommen. Meine Vision ist, dass es wirklich eine Selbstverständlichkeit wird, dass Väter und Mütter sich die Kinderbetreuung gleichberechtigt teilen und auch arbeiten gehen, wenn sie möchten. Und was ich wichtig finde: In Zukunft sollte das Paar in den Fokus genommen werden und nicht NUR die Frauen oder NUR die Männer. Es geht um eine ganzheitliche Perspektive. Frauen müssen auch loslassen können bei der Kinderbetreuung – und Männer im gleichen Maß in die Verantwortung gehen.

Links:

Väter e.V., Hamburg

Väter gGmbH

Foto: Volker Baisch

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