Report: „Väter“

Väter, die sich mit ihrer Partnerin Erwerbs- und Familienarbeit gleichmäßig teilen, sind immer noch die Ausnahme in Deutschland. Doch das Modell liegt besonders bei jüngeren Männern im Trend. Flexiblere Arbeitsmodelle könnten künftig dazu beitragen, diese Entwicklung zu stärken. Denn viele Väter geben an, Familie und Beruf so besser vereinbaren zu können. Das sind einige der Forschungsergebnisse, die der Report "Väter" der FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg präsentiert.

Foto: Deckblatt der Broschüre

Im Report "Väter" der FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg, der im dritten Quartal 2014 erschien, sind die wichtigsten Ergebnisse der Väterforschung der letzten Jahre übersichtlich zusammengefasst. Erich Stutzer und Heike Lipinski möchten damit unter anderem die Frage beantworten, ob die viel zitierten „neuen“ Väter noch Einzelbeispiele oder bereits gesellschaftliche Normalität sind.

"Neuer" Vater zu sein, liegt im Trend

Der Trend ist eindeutig: Das egalitäre Rollenmodell "neuer" Väter, die sich Erwerbs- und Familienarbeit mit ihrer Partnerin gleichmäßig teilen, gewinnt an Zuspruch. 1982 konnten noch nicht einmal 30 Prozent der Männer dem etwas abgewinnen. 2012 dagegen äußerten sich drei Viertel positiv. Trotzdem: In der Praxis ist es eine Minderheit von etwa neun Prozent der Väter, die ein egalitäres Modell leben. Je jünger die Väter sind, desto häufiger praktizieren sie diese Form der familiären Arbeitsteilung.

Die Mehrheit der Väter sieht sich zu Hause als "Helfer"

Damit sind die "neuen" Väter noch immer die kleinste Väter-Gruppe: Traditionell orientierte Arrangements, in denen die Väter die Versorgung der Kinder und des Haushalts fast vollständig der Partnerin überlassen, gibt es dagegen in fast 35 Prozent der Familien. 57 Prozent der Väter verstehen sich als „Helfer“ in Haushalt und Kindererziehung und sind dort für bestimmte Aufgaben zuständig.

Als "Familienernährer" in Vollzeit berufstätig

Angesichts der Verteilung der Erwerbsarbeit wundert die verbreitete Zurückhaltung der Väter bei der Haus- und Familienarbeit nicht: Über 90 Prozent der Väter sind erwerbstätig – in der Regel in Vollzeit. Männer mit Kindern realisieren im Schnitt sogar längere Wochenarbeitszeiten als kinderlose.  In den meisten Familien sichern sie das Familieneinkommen überwiegend bzw. alleine.  Neben egalitären Sichtweisen seien traditionelle Vorstellungen nach wie vor fest verankert, heißt es in dem Report. "Befragungsergebnisse zeigen, dass Männer sich weiterhin in der Ernährerrolle sehen. Die Sorge für den Familienunterhalt empfinden 75 Prozent als eine große Verantwortung."

Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren

In der Praxis steht der Wille ein Vater zu sein, der viel Zeit mit seinen Kindern verbringt, häufig im Konflikt mit den Anforderungen im Erwerbsleben. Fast zwei Drittel der Väter sagen, dass es ihnen nicht gut gelinge, Familie und Beruf zu vereinbaren. Um die Situation zu verbessern, würden viele gerne ihre Arbeitszeit reduzieren oder von mehr Arbeitszeitflexibilität bzw. von mobilem Arbeiten profitieren.

Arbeitswelt: Auf dem Weg zu mehr Väterfreundlichkeit

Die Bevölkerung ist skeptisch in Bezug auf die Väterfreundlichkeit in der Arbeitswelt in Deutschland: 71 Prozent meinen, dass es wenig Verständnis dafür gäbe, wenn Väter ihre Arbeitszeit für die Familie reduzieren wollten. Bei Arbeitgeberinnen und Arbeitsgebern scheint die Bedeutung von familienfreundlichen Rahmenbedingungen für Väter jedoch angekommen zu sein: 80 Prozent gaben an, dass dies ein Zukunftsthema für sie sei. 18 Prozent der Betriebe setzten 2012 eine Väterförderung bereits um. 2006 lag ihr Anteil lediglich bei zehn Prozent.

Link:

"Väter"
Report in der Reihe „Familien in Baden-Württemberg“ 3/2014 der FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg

Foto: FaFo FamilienForschung Baden-Württemberg

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