Väter heute: Auf dem Weg zur partnerschaftlichen Aufgabenteilung

Wie nehmen sich Väter heute selbst wahr? Was bewirken die Elternzeiten von Vätern kurz- und langfristig für alle Beteiligten? Welche Unterstützung benötigen aktive Väter und wie können dadurch gleichzeitig die Mütter gefördert werden? Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt der jetzt in der aktualisierten Auflage vorliegende „Väterreport – Vater sein in Deutschland heute“, der im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) vom Beratungsunternehmen Prognos AG erstellt wurde.

Foto: Deckblatt der Broschüre

Der Report liefert eine Vielzahl an Fakten rund um die verschiedenen Bereiche des Vaterseins in Deutschland sowie internationale Vergleiche. Wissenschaftliche Erkenntnisse geben Antworten darauf, wie Väter Beruf und Familie heute leben wollen, was sie für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie brauchen und was sie von Politik und Unternehmen erwarten. Gute Vereinbarkeitslösungen für Väter bedeuten: Mehr Zeit für Familie, die Möglichkeit einer partnerschaftlichen Aufgabenteilung sowie damit verbundene bessere Karrierechancen für Mütter.

Selbstverständnis der heutigen Väter im Wandel

Die Erziehung und Betreuung der Kinder spielt für viele Väter mittlerweile eine wichtige Rolle und wird als persönlicher Gewinn gesehen. Laut dem Statistischen Bundesamt entscheiden sich Jahr für Jahr mehr Väter dafür, zeitweise beruflich auszusteigen oder kürzerzutreten, um sich um ihre Kinder zu kümmern. Zugleich kehren immer mehr Mütter früher und mit mehr Arbeitsstunden ins Erwerbsleben zurück. Als ein wichtiger Auslöser für diese Entwicklung werden das Elterngeld und der Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren angesehen.

Partnerschaftliche Aufgabenteilung gewünscht

58 Prozent der Väter möchten laut der Autoren des Reports mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. 47 Prozent wünschen sich, dass beide Partner annähernd gleich lang arbeiten. Nur noch eine Minderheit kann sich vorstellen, die Rolle des alleinigen oder hauptsächlichen Familienernährers zu übernehmen. 76 Prozent hätten gerne eine Partnerin, die selbst für den eigenen Lebensunterhalt sorgt.

Wunsch und Wirklichkeit

Im Gegensatz zu den Zielen und Wünschen der Väter dominieren derzeit aber nach wie vor klassische Arbeitszeitmuster und Rollenverteilungen. Während viele Väter weiterhin Vollzeit arbeiten, haben ihre Partnerinnen eine Teilzeittätigkeit und sind für den Großteil der Haus- und Familienarbeit zuständig. So übernehmen aktuell lediglich 18 Prozent der Väter die Hälfte der Kinderbetreuung in der Familie. 35 Prozent geben an, nur einen kleinen Teil zu übernehmen. Gleichzeitig leisten 80 Prozent der Väter eine Wochenarbeitszeit von mehr als 36 Wochenstunden. Bei den Müttern sind es nur 17 Prozent.

Zeit statt Zeitdruck

79 Prozent der Väter wünschen sich mehr Zeit für ihre Familie. Ebenso wie Mütter, die Familie und Beruf vereinbaren wollen, spüren auch Väter heute Zeitkonflikte: 57 Prozent sagen, dass sie sich häufig unter Zeitdruck fühlen. Bei den Müttern sind es 62 Prozent. Viele Väter streben daher an, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Vor allem jüngere Väter zwischen 25 und 40 Jahren wünschen sich eine Teilzeittätigkeit mit höherem Stundenumfang. Von ihnen sagen 83 Prozent, dass sich eine Tätigkeit in vollzeitnaher Teilzeit positiv auf ihre persönliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf auswirken würde.

Familienfreundliche Maßnahmen: Weiterentwicklung nötig

In der großen Mehrzahl der Familien ist es heute Normalität, dass beide Elternteile erwerbstätig sind. Partnerschaftliche Erwerbskonstellationen, bei denen beide Partner in einem ähnlichen Stundenumfang erwerbstätig sind, stellen allerdings weiterhin die Ausnahme dar. Damit sich das ändert, muss laut dem Väterreport vor allem an diesen Punkten gearbeitet werden:

  • Weiterentwicklung ehe- und familienbezogener Leistungen
    Aktuell begünstigen die ehe- und familienbezogenen Leistungen die ungleiche Aufgabenteilung zwischen Eltern. Vor allem das Einkommenssteuer- und Sozialversicherungsrecht hemmt eine Erwerbstätigkeit von Müttern und fördert, dass die Väter das Haupteinkommen der Familien erwirtschaften, was ihre aktive Rolle in der Familie einschränkt. Deshalb sollte nach Ansicht der Autoren des Reports das Steuer- und Transfersystem so angepasst werden, dass es Paare zur partnerschaftlichen Aufteilung der Erwerbsarbeit ermutigt.
  • Flexiblere Betreuungsangebote
    Sind beide Partner erwerbstätig, gewinnt eine umfassende Kinderbetreuung – insbesondere auch für Schulkinder – an Bedeutung und erleichtert Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
  • Lebensphasenorientierte Arbeitszeit und -organisation
    Unternehmen sollten die betrieblichen Arbeitsbedingungen und die Unternehmenskultur auf eine aktive Vaterschaft ausrichten. Familienfreundliche Maßnahmen müssen sich dabei gleichermaßen an Mütter und Väter richten. Im Mittelpunkt stehen dabei flexible Arbeitszeitmodelle – auch in Führungspositionen. Sie können Elemente betrieblicher lebensphasenorientierter Arbeitszeitvereinbarungen sein und Flexibilität, aber auch Verlässlichkeit und Sicherheit für beide Seiten schaffen.

Familienfreundlichkeit und Gleichstellungsziele verbinden

Arbeiten Eltern in Betrieben, die Familienfreundlichkeit mit Gleichstellungszielen verbinden, so dass Frauen wie Männer Voll- und Teilzeitmodelle ohne Karrierenachteile nutzen können, so fördert das eine partnerschaftliche Aufgabenteilung bzw. Vereinbarkeit. Derzeit sind ca. 20 Prozent der Eltern kleinerer Kinder in Deutschland in entsprechenden Betrieben tätig. Auch die Unternehmen profitieren von den familienfreundlichen Rahmenbedingungen, da sie zu weniger Zeitkonflikten bei Müttern und Vätern, einer höheren Verbundenheit mit dem Betrieb und weniger Kündigungen führen. Vereinbarkeitspolitik in Unternehmen sollte sich daher entsprechend an männliche und weibliche Beschäftigte richten.

Dass bessere betriebliche Rahmenbedingungen für aktive Väter ein Gewinn für alle Beteiligten sind, vermittelt auch das Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“.

Das BMFSFJ setzt sich im Rahmen dieses Programms zusammen mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft (DIHK, BDA, ZDH) und dem DGB dafür ein, Arbeitgeber zu motivieren und sie dabei zu unterstützen, eine familienfreundliche Arbeitswelt zu schaffen. Zielgruppenspezifische Leitfäden und eine „Datenbank der guten Beispiele“ auf www.erfolgsfaktor-familie.de bieten Unternehmen praxisnahe Tipps und Handlungsempfehlungen, um Väter bei der Vereinbarkeit zu unterstützen.

Link:

Väterreport - Vater sein in Deutschland heute
Broschüre des BMFSFJ

perspektive-wiedereinstieg.de

Interview: Wer Väter bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt, fördert die Gleichstellung, sagt Volker Baisch

Foto: BMFSFJ

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