Unterschiede in der Arbeits- und Einkommenssituation von Frauen und Männern abbauen

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung führt fortlaufend eine Online-Befragung zu Einkommens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern durch und ermittelte für 2011 diesbezüglich erneut deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Um diese Ungleichheit abzubauen, unterstützt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit dem Projekt "Lohngleichheit im Betrieb – Deutschland" (Logib – D) Unternehmen bei der Umsetzung einer geschlechtergerechten Personal- und Entgeltpolitik.

Foto: Zwei Aktentaschen

2011 beteiligten sich 22.000 Personen an der Befragung zu Einkommens- und Arbeitsbedingungen auf der Internetseite lohnspiegel.de des WSI. Die Auswertung ergab, dass es nach wie vor einen gravierenden Unterschied zwischen den Einkommensverhältnissen von Frauen und Männern gibt. Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Frauen lag rund 21 Prozent unter dem der Männer. Dieses Ergebnis entspricht dem Wert, den auch das Statistische Bundesamt für das Jahr 2011 ermittelte.

Je jünger die Altersgruppe desto geringer die Gehaltslücke

Eine Auswertung für Menschen mit akademischem Abschluss zeigte mit 21,5 Prozent eine ähnlich hohe Gehaltslücke (Gender Pay Gap). Der Unterschied weicht stark ab, je nachdem welche Altersgruppe betrachtet wird. Bei den 25- bis 30-Jährigen liegt die Differenz bei unterdurchschnittlichen 15,2 Prozent, bei den 46- bis 50-Jährigen dagegen bei 25,3 Prozent. 

Fachinformatikerinnen verdienen mehr als männliche Kollegen

Auch die Branche bzw. der Beruf macht einen Unterschied bei der Höhe des Gender Pay Gap. Fachinformatikerinnen, so ermittelte das WSI anhand der Antworten von 860 Frauen und Männern in diesem Beruf, verdienen zunächst sogar etwa zwei Prozent mehr als ihre männlichen Kollegen. Diese Differenz drehe sich jedoch mit zunehmender Berufserfahrung um. Am anderen Ende der Skala bewegen sich Physikerinnen, die rund 24 Prozent weniger verdienen als Männer mit dieser Qualifikation. 

Hauptgründe für die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern

Das WSI macht folgende Gründe für den aktuellen Abstand zwischen den Einkommen von Frauen und Männern verantwortlich:

  • Frauen arbeiten vielfach in Wirtschaftszweigen und Berufen mit niedrigerem Einkommensniveau.
  • Frauen sind seltener in Führungspositionen vertreten.
  • Frauen haben Nachteile durch familienbedingte Erwerbsunterbrechungen.
  • Frauen arbeiten häufiger auf geringer bezahlten Teilzeitstellen.
  • Frauen sind öfter von mittelbarer Diskriminierung betroffen – zum Beispiel durch nicht geschlechtsneutrale Tarifverträge oder durch falsche betriebliche Eingruppierung.

Instrument für Unternehmen: Logib-D

Damit Unternehmen erkennen können, wo sich in ihren Entgelt- und Personalstrukturen mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede verbergen, entwickelte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Analyseinstrument   Logib-D. Das standardisierte Programm steht auf der Internetseite www.logib-d.de zur Verfügung und lässt sich direkt kostenfrei und anonym nutzen. Bis Ende 2012 können sich interessierte Unternehmen für eine zusätzliche kostenlose Beratung bewerben. Professionelle Unternehmensberaterinnen und -berater erstellen dann einen umfassenden Vergütungsstrukturbericht und erarbeiten zusammen mit den Unternehmen konkrete Handlungsoptionen zur Reduzierung einer möglichen Entgeltlücke. Denn, so heißt es auf der Website: „Faire Bezahlung ist entscheidend für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sie ist damit ein wichtiger Faktor für die Existenzsicherung von Familien in Deutschland, für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben sowie eine Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“ 

Links:

"Frauen sind nicht nur beim Gehalt im Nachteil"
Information auf der Website des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung

Logib-D: Lohngleichheit im Betrieb – Deutschland
Flyer

"Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern in Deutschland"
Dossier herausgegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2009

Foto: pixelio.de / Peter Smola

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