Gutes Beispiel: Partnerschaftliche Aufgabenteilung in der Familie

Das Ehepaar Koch aus Paderborn hat sich die Elternzeit zur Betreuung der Tochter aufgeteilt. Durch die Möglichkeit, in der Elternzeit in Teilzeit sowie vom Home-Office aus zu arbeiten, konnten die Eltern ein gutes Arrangement zur Verein­bar­keit von Familie und Beruf umsetzen.

Yvonne und Raymund Koch mit Tochter

In den letzten 20 Jahren wandelte sich die Ausgestaltung der Arbeitsteilung in Familien: Für Väter, wird es zunehmend selbstverständlich, Aufgaben in der Familie - speziell bei der Betreuung und Erziehung der Kinder - zu übernehmen. Mütter fühlen sich auf der anderen Seite gleichberechtigt für den Familien­unter­halt verantwortlich.

Elternzeiten für Mütter und Väter

Raymund Koch, 54, Teamleiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Paderborn, ist ein gutes Beispiel für diesen Veränderungsprozess. Aus erster Ehe hat er zwei heute 20 und 25 Jahre alte Kinder. Als sie geboren wurden, kam es mir gar nicht in den Sinn, darüber nachzudenken, ob ich Elternzeit in Anspruch nehmen könnte. Das war zu dieser Zeit überhaupt kein Thema, berichtet er. Heute sieht das für Raymund Koch ganz anders aus. Als seine zweite Frau im Dezember 2013 eine Tochter zur Welt brachte, war dem Paar klar: Wir teilen uns die Elternzeit auf. Die Mutter ging die ersten zehn Monate in Elternzeit. Jetzt schließen die vier Elternzeitmonate des Vaters an. Dr. Yvonne Koch arbeitet wieder in Vollzeit. Raymund Koch sagt: Ich empfinde es als große Bereicherung, dass ich meine Vaterrolle heute intensiver leben kann. Die Beziehung zu meiner Tochter profitiert davon.

"Ich identifiziere mich sehr mit meinem Beruf"

Für Yvonne Koch war es nicht vorstellbar, länger im Beruf zu pausieren. Als Leiterin der zentralen Studienberatung der Universität Paderborn bekleide ich eine verantwortungsvolle Position, mit der ich mich sehr identifiziere. Meine Elternzeit habe ich daher so gestaltet, dass mein Stellvertreter und das Team Aufgaben übernehmen und diese Phase überbrücken konnten. Das war auch deshalb möglich, weil ich bei wichtigen Entscheidungen weiter ansprechbar blieb und die letzten drei Monate meiner Elternzeit in Teilzeit vom Home-Office aus arbeitete. Dadurch, dass ich immer gut einbezogen war, hatte ich überhaupt keine Mühe, beruflich den Faden wieder aufzunehmen.

Teilzeit in Elternzeit

Auch Raymund Koch wird dreieinhalb seiner vier Elternzeitmonate in 50 prozentiger Teilzeit arbeiten. Im Moment gewöhne ich unsere Tochter in der Kita ein. Anschließend kehre ich in Teilzeit in Elternzeit an den Arbeitsplatz zurück. Das hat für mich den Vorteil, dass ich ebenfalls die Verbindung zum Team nicht verliere und in alle Entscheidungsprozesse weiter eingebunden bin. Für den Arbeitgeber entsteht der Vorteil, dass ich in meiner Elternzeit die grundsätzliche Verantwortung für das Team behalte. Die Aufgaben haben wir so umverteilt, dass die Belastung für das Team und meine Vertreterin nicht zu groß wird.

Arbeitgeber eröffnen die nötigen Spielräume

Wir schätzen sehr, dass wir in den Genuss der hervorragenden Gestaltungsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst kommen, sagen Raymund und Yvonne Koch. Dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber Teilzeitarbeit in Elternzeit und die Arbeit vom Home-Office aus ermöglichen, ist ja nicht selbstverständlich. Hilfreich sei auch das Merkblatt zur Elternzeitgestaltung gewesen, das sein Arbeitgeber zur Verfügung gestellt habe, berichtet Raymund Koch. Seine Frau nutzte die Chance, sich im Eltern-Service-Büro der Universität zu Kinder­betreu­ungs­fragen beraten zu lassen und erhielt für die Tochter einen Platz in der Universitätskita.

Das Wichtigste: "Unserer Tochter muss es gut gehen"

Im Anschluss an seine Elternzeit will auch Raymund Koch wieder in Vollzeit arbeiten. Wir können beide unsere Arbeitszeiten flexibel gestalten und außerdem weiter bei Bedarf vom Home-Office aus arbeiten. Das schafft die Rahmenbedingungen dafür, dass wir beide weiter in Vollzeit arbeiten können. Natürlich müssen unsere Planungen den Praxistest erst noch bestehen. Unserer Tochter muss es mit diesem Arrangement ja ebenfalls gut gehen - das ist uns das Wichtigste.

"Ein Halbe-halbe-Modell wäre ideal"

Die Kochs sind zufrieden mit der Gestaltung ihrer Elternzeitphase. Unser Wunschmodell wäre es jedoch gewesen, gleichzeitig Elternzeit zu haben, in dieser Zeit beide 50 Prozent zu arbeiten und im Wechsel zu Hause zu sein, berichtet Yvonne Koch. Wenn beide Eltern gleichzeitig Elternzeit nehmen, gibt es nach der aktuellen Elterngeldregelung jedoch nur für sieben Monate Elterngeld. Daher haben wir uns dagegen entschieden. Dass das neue ElterngeldPlus künftig mehr Möglichkeiten für eine gleichberechtigte Gestaltung eröffnen wird, freut uns.

Link:

ElterngeldPlus
Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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