Gleiche und gleichwertige Arbeit: Geschlecht und Wohnort bestimmen Gehaltshöhe mit

Das Anforderungsniveau einer Tätigkeit ist in Deutschland einer von fünf maßgeblichen Faktoren, die die Höhe des Entgelts innerhalb der gleichen Berufsgruppe mitbestimmen. Weitere für die Gehaltshöhe entscheidende Faktoren können das individuelle Entgelt allerdings erheblich beeinflussen. Dazu zählen laut einer Datenanalyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung das Geschlecht, das Bundesland der Anstellung, die Betriebsgröße und ob nach Tarifvertrag gezahlt wird.

Foto: Balkendiagramm - eine Hand zeichnet mit rotem Stift die Kurve der unterschiedlichen Balkenhöhe nach

Den größten Einfluss auf das Gehalt hat die berufliche Qualifikation. Eine Berufsausbildung lohnt sich. Wer sich nach der Ausbildung weiterbildet und zum Beispiel die Prüfung zur Meisterin bzw. zum Meister absolviert, kann mit einem Gehaltsplus von durchschnittlich etwa 14 Prozent rechnen. Ein abgeschlossenes Studium zahlt sich in vielen Tätigkeitsbereichen noch deutlicher aus. In einigen Bereichen wie etwa dem Maschinenbau kann es im Vergleich zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung ein Gehaltsplus von bis zu 41 Prozent bedeuten. Das ergab die Analyse von mehr als 62.000 Datensätzen, die über Lohnspiegel.de erhoben wurden.

Weitere Ergebnisse: Geschlecht, Betriebsgröße und Bundesland bestimmen Gehaltshöhe mit

Eine große Differenz bei der Höhe des Gehalts macht noch immer das Geschlecht aus. Zwischen Männern und Frauen gibt es bei gleicher Berufserfahrung im gleichen oder eng verwandten Beruf mit dem gleichen Anforderungsniveau und auch unter sonst vergleichbaren Bedingungen einen durchschnittlichen Gehaltsunterschied von etwa 8 Prozent (bereinigter Gender Pay Gap). Der unbereinigte Gender Pay Gap 2020 - also der Unterschied im durchschnitlichen Stundenlohn von Frauen und Männern - beträgt laut Destatis 18 %.

Destatis-Video: Gender Pay Gap kurz und kompakt erklärt.

Einen weiteren Einfluss auf das Gehalt hat zudem die jeweilige Betriebsgröße: Wer in kleinen Betrieben mit weniger als 100 Beschäftigten arbeitet, bekommt im Durchschnitt 6 Prozent weniger als in einem mittelständischen Betrieb mit bis zu 150 Mitarbeitenden. In Großunternehmen werden dagegen durchschnittlich 9 Prozent mehr bezahlt. In tarifgebundenen Unternehmen liegt das Plus unabhängig von der Betriebsgröße im Durchschnitt bei 11 Prozent. Laut Datenanalyse spielt auch das Bundesland, in dem das Entgelt erwirtschaftet wird, eine wichtige Rolle. Spitzenreiter sind in dieser Hinsicht Baden-Württemberg und Hamburg. Hier liegen die Gehälter für vergleichbare Tätigkeiten im Durchschnitt um bis zu 7 Prozent über dem Niveau Nordrhein-Westfalens, das als Vergleichsmaßstab für die Berechnungen gewählt wurde. In Thüringen bekommen Angestellte dagegen durchschnittlich bis zu 15 Prozent weniger.

Informationen zur Methode

Die ausgewiesenen Entgeltunterschiede beruhen auf einer Lohnregression, mit deren Hilfe der Einfluss einzelner Faktoren auf das Entgeltniveau statistisch errechnet werden kann. Der Vergleich bezieht sich auf Beschäftigte mit der gleichen Berufserfahrung in der gleichen Berufsuntergruppe (4-Steller der Klassifikation der Berufe von 2010). Als Datengrundlage dient eine kontinuierliche Online-Umfrage des WSI-Portals Lohnspiegel.de unter Erwerbstätigen in Deutschland. Für die Analyse wurden 62.758 Datensätze berücksichtigt, die zwischen Anfang 2020 und Ende Januar 2021 erhoben wurden. Die Umfrage ist nicht-repräsentativ, erlaubt aber aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die tatsächlich gezahlten Entgelte.

Kostenloser Lohn- und Gehaltscheck für mehr Transparenz

Zu den fünf Hauptfaktoren kommen weitere Einflüsse hinzu, die für das Gehalt von Bedeutung sind – etwa das Berufsfeld, die Berufserfahrung und ob Leitungsverantwortung übernommen wird. Was das für unterschiedliche Berufe konkret bedeutet, können Interessierte mit Hilfe des Lohn- und Gehalts-Checks auf Lohnspiegel.de ermitteln. Der Check bietet die Möglichkeit, kostenlos und ohne Eingabe einer E-Mail-Adresse für mehr als 500 Berufe eine genaue Vergleichsberechnung durchzuführen.

Die Ergebnisse verschaffen mehr Transparenz beim Thema Gehalt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern können sie unter anderem bei der Jobsuche, bei der Karriereplanung und bei Gehaltsverhandlungen als Orientierungshilfe dienen.

Link:

Lohnspiegel.de – Internetseite des WSI der Hans-Böckler-Stiftung

Destatis: Erklärvideo zum Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern - bereinigter und dem unbereinigter Gender Pay Gap

Unternehmensprogramm „Entgeltgleichheit fördern – Unternehmen beraten, begleiten, stärken“

„Equal Pay Day“

perspektive-wiedereinstieg.de

Wissen, was die eigene Arbeit wert ist: Entgelttransparenzportale nutzen

Über Geld spricht man doch: Die Möglichkeiten des Entgelttransparenzgesetzes aktiv nutzen

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Foto: © Tumisu auf Pixabay

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