Erwerbstätige Mütter: Mit mehr Arbeitsstunden die finanzielle Eigenständigkeit sichern

Mütter in Deutschland nutzen immer häufiger ihre Arbeitsmarktchancen. Sie sind - auch mit kleinen Kindern – immer häufiger und zu einem wachsenden Anteil auch in höheren Stundenumfängen erwerbstätig. Damit wiederum schaffen es mehr Mütter, ihre finanzielle Existenz selbst zu sichern. Immerhin mehr als zwei Drittel der Mütter erzielen mittlerweile ein Einkommen, mit dem sie sich materiell absichern können, heißt es in der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erstellten Studie. Denn ob erwerbstätige Frauen mit Kindern finanziell auf eigenen Beinen stehen können, hängt wesentlich vom Arbeitsumfang sowie von ihrer Qualifikation ab, wie der aktuelle Monitor Familienforschung „(Existenzsichernde) Erwerbstätigkeit von Müttern“ zeigt.

 Cover der Broschüre des BMFSFJ Monitor Familienforschung „(Existenzsichernde) Erwerbstätigkeit von Müttern“

Die Familiengründung schränkt mittlerweile zwar nicht mehr grundsätzlich die Berufstätigkeit ein, sie spielt aber eine große Rolle für die Anzahl der Stunden, die Frauen mit Kindern arbeiten.

Mit 28 Stunden in der Woche über die Existenzsicherungsschwelle

Laut dem Monitor Familienforschung gelingt es der großen Mehrheit der Mütter mit Umfängen von 28 Stunden und mehr pro Woche die Existenzsicherungsschwelle zu überschreiten. Kleinere Umfänge von 20 Stunden und weniger reichen dagegen in der Regel nicht aus. Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Qualifikation der Mütter. Frauen mit einer qualifizierten Ausbildung können in der Regel höhere Stundenlöhne erzielen. Außerdem kehren viele von ihnen relativ früh und mit einem hohen Stundenumfang wieder in den Beruf zurück. Häufiger als andere Frauen realisieren sie dafür in ihrer Partnerschaft gleichberechtigte Erwerbskonzepte.

Positive Entwicklung: Mehr Mütter in „großer Teilzeit“

Einer Beschäftigung in der sogenannten großen Teilzeit mit einem Stundenumfang von 28 bis 36 Stunden gehen inzwischen 24 Prozent aller erwerbstätigen Mütter mit minderjährigen Kindern nach – 2006 waren es lediglich 15 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Mütter, die mit geringfügigen Stundenumfängen arbeiten, im selben Zeitraum von 23 Prozent auf 15 Prozent gesunken. Nahezu unverändert geblieben ist die Zahl der erwerbstätigen Mütter, die einer Vollzeitbeschäftigung mit mehr als 36 Wochenstunden nachgehen: 2006 wie 2018 war dies etwa jede vierte Mutter. Im Durchschnitt ist der wöchentliche Erwerbsumfang von erwerbstätigen Müttern von 24,7 Stunden im Jahr 2006 auf 26,7 Stunden im Jahr 2018 angestiegen.

Stundenumfang wächst mit dem Alter der Kinder

Ob und wie viel Mütter arbeiten, hängt wesentlich vom Alter und der Anzahl der Kinder ab. Mittlerweile sind weit mehr als die Hälfte der Mütter ab dem dritten Lebensjahr des jüngsten Kindes wieder erwerbstätig. Je älter die Kinder werden, desto häufiger arbeiten die Mütter und desto größer wird ihr Stundenumfang. Umgekehrt sinkt die Erwerbstätigkeit mit der Anzahl der Kinder. Während 2018 rund 70 Prozent aller Mütter mit einem Kind oder zwei Kindern einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sind, waren nur etwa die Hälfte der Mütter mit drei Kindern und lediglich knapp ein Drittel der Mütter mit vier und mehr Kindern erwerbstätig.

Arbeitsumfang: Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Damit in Zukunft möglichst alle Mütter frühzeitig einen beruflichen Weg einschlagen können, mit dem sie langfristig ihre Existenz sichern können, sind laut dem Monitor Familienforschung Politik, Gesellschaft und Wirtschaft gefragt. Denn viele Frauen in Teilzeit würden gerne mehr arbeiten, scheitern aber an unterschiedlichen Hürden. 

Angeregt wird unter anderem eine Anpassung des Steuersystems, die Paare stärker zu einer partnerschaftlichen Aufteilung der Erwerbstätigkeit motiviert. Dies hätte auch zur Folge, dass sich die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern verringern.

Vereinbarkeit verbessern – Partnerschaftlichkeit stärken

Darüber hinaus sollten die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie weiter verbessert werden. Dazu zählen beispielsweise der Ausbau der Betreuungsangebote auch für Grundschulkinder, familienbewusstere, flexiblere Arbeitszeitmodelle und höhere Stundenlöhne in frauenspezifischen Branchen wie etwa sozialen Berufen. Als hilfreich angesehen wird auch der Anspruch auf Rückkehr zu voller Erwerbstätigkeit nach einer familienbedingten Teilzeitphase. 

Gefordert sind aber auch die Mütter und Väter selbst. Mütter könnten mehr Stunden arbeiten, wenn Väter mehr unbezahlte Familienarbeit übernehmen. Frauen sollten entsprechend von den Männern eine partnerschaftlichere Aufgabenteilung einfordern. Gleichzeitig sollten Frauen und Männer frühzeitig und besser über die Vorteile einer gleichmäßigen Aufteilung von Familie und Beruf informiert werden. 

Links:

Broschüre des BMFSFJ „(Existenzsichernde) Erwerbstätigkeit von Müttern“ - Monitor Familienforschung - Ausgabe 41

perspektive-wiedereinstieg.de

Nach der Familienphase: Erwerbstätigkeit von Müttern wächst mit den Kindern mit

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Cover: © BMFSFJ

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