Faire partnerschaftliche Arbeits- und Aufgabenteilung für finanzielle Eigenständigkeit im Alter

Wie entwickelt sich das künftige Alterseinkommen von Frauen und besonders von Müttern? Welche Rolle spielen dabei die eigenständige Alterssicherung und die unterschiedlichen Erwerbsmuster in Paarbeziehungen und welche Perspektiven eröffnen sich dadurch für die Gesellschaft? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Studie „Frauen und Altersversorgung“, die das Beratungsunternehmen Prognos AG im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. in Berlin erstellt hat.

Foto: Ältere Dame - Bildhintergrund Parkgelände

Die Untersuchung zeigt auf, welche Auswirkungen eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen auf die Entwicklung des gesetzlichen Rentenniveaus haben kann. Zudem betrachtet sie mit Hilfe stilisierter Erwerbsbiografien von Müttern des Jahrgangs 1983 individuelle und haushaltsbezogene Rentenperspektiven für das Jahr 2050 – also dem Jahr, in dem diese Frauen nach dem derzeit geltenden Rentenrecht mit 67 Jahren in Rente gehen würden.

Laut der Studie „Frauen und Altersversorgung“, die 2018 veröffentlicht wurde, sind die Voraussetzungen für ein vermehrt eigenständiges Alterseinkommen von Frauen und Müttern in den kommenden Jahrzehnten günstig: Das früher dominierende Einverdiener-Modell ist auf dem Rückzug. Frauen sind heute häufiger und länger berufstätig. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat einen spürbaren Aufschwung genommen. Frauen verfügen über ein deutlich besseres Qualifikationsniveau und erzielen höhere Einkommen. Beim Thema Altersvorsorge bleiben Frauen allerdings noch weit hinter den Möglichkeiten zurück, speziell wenn es um eine private oder betriebliche Vorsorge geht.

Stärkere Erwerbsbeteiligung von Müttern: Entlastung für alle

Um die Effekte einer höheren Erwerbsbeteiligung von Müttern auf das gesetzliche Rentenniveau zu quantifizieren, haben die Verfasser der Studie in Anlehnung an den „Prognos Zukunftsreport Familie 2030“ zwei Szenarien entwickelt – ein Referenz- und ein Chancenszenario. Im Chancenszenario gehen sie davon aus, dass Frauen mit Kindern künftig häufiger und mehr als bisher arbeiten werden. Für die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) bedeute dies eine spürbare Entlastung: Der Beitragssatz steige geringer, das Rentenniveau werde höher, davon profitierten alle Versicherten.

Nach den Berechnungen der Fachleute müssten die aktuellen Beitragszahler und –zahlerinnen  bis zum Jahr 2050 insgesamt knapp 187 Milliarden Euro beziehungsweise durchschnittlich 5 Milliarden Euro jährlich weniger an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Der Bund müsse deutlich weniger Zuschüsse an das Rentensystem leisten. Als Nebeneffekt seien ein höheres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts und eine Reduktion des Fachkräftemangels möglich.

Schnelle Rückkehr in den Job erhöht die Rentenansprüche

Auch auf der individuellen Ebene zahlt sich die Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern aus. Dabei fallen die eigenen gesetzlichen Rentenansprüche laut der Studie umso höher aus, je früher Frauen nach der Geburt ihrer Kinder wieder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen, je höher ihr Erwerbsumfang ist und je höher sie qualifiziert sind. Verdeutlicht wird das anhand der Untersuchung von drei exemplarischen Berufen auf drei verschiedenen Qualifikationsstufen: Eine Verkäuferin als Beispiel für Fachkräfte, eine Bürokauffrau als Spezialistin und eine Controllerin als Expertin. Ergänzend für die Erwerbsbiografie kommen die drei Erwerbstypen familienorientierte Mutter, Zuverdienerin und erwerbsorientierte Mutter hinzu.

Gesetzliche Rentenansprüche: Erwerbsumfang und Qualifikation entscheidend

Bei den Ergebnissen zeichnen sich deutliche Unterschiede ab. So liegt die gesetzliche Rente einer Zuverdienerin mit mittleren Kindererziehungszeiten und Erwerbsumfängen 25 Prozent höher als bei einer familienorientierten Mutter mit vergleichsweise langen Kindererziehungszeiten und einem niedrigen Erwerbsumfang. Bei erwerbsorientierten Müttern, die schnell in den Beruf zurückkehren und im Vergleich einen hohen Erwerbsumfang haben, liegt die gesetzliche Rente sogar 50 Prozent höher als bei der familienorientierten Mutter.

Grundsätzlich spielt das Qualifikationsniveau aber eine entscheidende Rolle für die künftige Rente. Denn je höher die Qualifikation, desto höher sind in der Regel das sozialversicherungspflichtige Einkommen und damit auch die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung. Das wiederum sorgt für eine höhere gesetzliche Rente im Alter. So fällt beispielsweise die gesetzliche Rente der Spezialistin um rund ein Drittel höher aus als die der geringer qualifizierten Fachkraft, bei der Expertin sind es sogar 60 Prozent mehr.

Finanzielle Eigenständigkeit im Alter

Wie die vorangegangenen Beispiele zeigen, ist das Thema Erwerbstätigkeit von Frauen nicht nur gesamtgesellschaftlich, sondern auch in Bezug auf die individuelle finanzielle Sicherheit im  Alter ein wichtiger Faktor. Frauen können zwar in einer Ehe- oder Lebenspartnerschaft von der evtl. höheren Rente des Partners profitieren, doch steigt mit einer niedrigen eigenen Rente auch die finanzielle Abhängigkeit vom Partner. Sollte das Einkommen des Partners wegfallen – etwa durch eine Scheidung – besteht das Risiko, den Lebensunterhalt nicht mehr finanzieren zu können.

Die Autoren der Studie sehen es deshalb als Ziel, Frauen darin zu bestärken, die finanzielle Eigenständigkeit im Alter sicherzustellen. Der Schlüssel dazu liege in der fairen Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit in Paarbeziehungen. Dies sollte nicht nur für die Familienphase ausgehandelt werden, sondern auch mit Blick auf die finanziellen Konsequenzen für den Ruhestand.

Links:

Studie: „Frauen und Altersvorsorge“

perspektive-wiedereinstieg.de

Broschüre: „Zusätzliche Altersvorsorge“

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