Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin - Ergebnisse qualitativer Interviews

Der berufliche Wiedereinstieg bringt Veränderungen für die ganze Familie und die bislang praktizierte Aufgabenteilung mit sich. Was motiviert Väter, diese Neuerungen mitzutragen und den beruflichen Wiedereinstieg ihrer Partnerin nach deren Familienphase zu unterstützen? Die im Dezember 2011 veröffentlichte Studie Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der hessenstiftung – familie hat zukunft fasst zusammen, welche Erfahrungen Väter mit der Verteilung der Erwerbs-, Haushalts- und Familienarbeit gemacht haben.

Foto: Deckblatt der Studie

Für den Ergebnisbericht Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin wurden Väter befragt, wie sie die Elternzeit und den beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin, eine eventuelle eigene Elternzeit und ggf. einen eigenen beruflichen Wiedereinstieg sowie die Verteilung der Erwerbs-, Haushalts- und Familienarbeit erlebt haben.

Vaterschaft bringt Veränderungen

Für alle befragten Väter veränderte die eigene Vaterschaft das bisherige Leben. Eigene Interessen und Werte verschoben sich zugunsten eines neuen Verantwortungsgefühls für die Familie. Das machte sich vor allem in der eigenen Berufstätigkeit bemerkbar. Den befragten Vätern ist die finanzielle Absicherung der Familie nahezu genauso wichtig, wie Zeit mit der Familie zu verbringen. Väter, die keine Elternzeit genommen hatten, konnten sich nach eigenen Angaben durch die Elternzeit der Partnerin auf ihren Job konzentrieren. Allerdings nahmen sie teilweise wahr, dass sie und ihre Partnerin sich in dieser Zeit auseinandergelebt haben. Väter mit mit zwei- oder mehrmonatiger Elternzeit erklärten, dass sie aufgrund der Erfahrungen mit der Elternzeit ein besseres Verständnis für die Situation von Frauen in der Familienphase bekommen hatten.

Mit Beginn der Familienphase ist die Aufgabenverteilung in Haushalt und Familie oft zunächst wieder traditionell

Alle interviewten Väter und ihre Partnerinnen waren vor der Geburt des ersten Kindes Vollzeit berufstätig. Die Verteilung der Aufgaben im Haushalt wurde in der Regel als gleichberechtigt wahrgenommen. Zur Aufgabenteilung im gemeinsamen Haushalt wurden selten konkrete Absprachen getroffen. Einige Interviewte gaben an, dass sie die anfallenden Arbeiten gemäß den eigenen Vorlieben aufgeteilt hatten.

Die meisten der befragten Väter beobachteten, dass sich aus der ursprünglichen Absicht,  familiäre Pflichten und Erwerbsarbeit partnerschaftlich aufzuteilen, vielfach eine traditionelle Aufgabenteilung entwickelte. Insbesondere Väter ohne eigene Elternzeit und mit zwei Monaten sahen sich in der finanziellen Verantwortung für die Familie. Während sie sich nach ihren zeitlichen Möglichkeiten, die der Beruf ihnen ließ, um die Kinder kümmerten, erledigten die Frauen den größeren Teil der Aufgaben im Haushalt. Aus dem zuvor gelebten „Halbe-Halbe“ im Haushalt wurde häufig unausgesprochen ein 25-zu-75-Prozent-Verhältnis, vor allem bei den Aufgaben in Küche und Bad. Die befragten Väter fühlten sich eher für Arbeiten rund um Auto und Handwerk sowie das Tragen von schweren Gegenständen und den Einkauf zuständig.

Eine ausgewogenere Verteilung der Aufgaben in Haushalt und Familie gab es bei den Vätern mit längeren Elternzeiten.

Väter unterstützen den beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin

Alle befragten Väter äußerten die Bereitschaft, die mit dem beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin einhergehenden Veränderungen mitzutragen und den erneuten Start ins Berufsleben zu unterstützen. Allerdings erwarteten sie, dass ihre Unterstützung von der Partnerin rechtzeitig „abgerufen“ werden solle, indem das Thema frühzeitig anzusprechen und Erwartungen und Konsequenzen, die der berufliche Wiedereinstieg mit sich bringt, zu klären sind. Die befragten Väter wünschten sich, dass der berufliche Wiedereinstieg die Zufriedenheit der Partnerin und damit auch die Qualität der Partnerschaft steigert. Einige wollten so die Gelegenheit nutzen, an ursprünglich verfolgte, gleichberechtigte Lebenskonzepte anzuknüpfen.

Wie die Befragung zeigt, ist der finanzielle Aspekt des beruflichen Wiedereinstiegs der Partnerin für die Väter nicht so entscheidend. Allerdings sollte der berufliche Wiedereinstieg, wenn er Ausgaben wie zum Beispiel Kinderbetreuungskosten nach sich zieht, mindestens ein Nullsummenspiel sein.

Prinzipiell beurteilten die befragten Väter den beruflichen Wiedereinstieg ihrer Partnerin als reibungslos. In der Gruppe der Väter ohne und mit zwei Monaten Elternzeit ging die Initiative zum beruflichen Wiedereinstieg häufig von den Frauen selbst aus. Die Frauen, die vielfach eine längere Familienphase gemacht hatten, regelten die Rückkehr ins Berufsleben oft relativ kurzfristig. Einige Väter berichteten in den Interviews, dass sie selbst von anderen Abmachungen ausgegangen waren. Väter mit längeren Elternzeiten dagegen hatten den Zeitpunkt des beruflichen Wiedereinstiegs der Frauen schon vor Beginn ihrer Elternzeit vereinbart. Hier unterstützten die Väter den beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin oft durch eine eigene Elternzeit und eine Reduzierung der Arbeitszeit.

Die eigene Arbeitszeit zu reduzieren, fällt Vätern dann leichter, wenn die Partnerin ausdrücklich einen Teil der Verantwortung für das Familieneinkommen übernimmt. Das zeigen besonders die Erfahrungen der Väter mit einer längeren Elternzeit. Eine Arbeitszeitreduzierung um durchschnittlich 25 Prozent für eine Dauer von drei bis sechs Monaten ist für die meisten der Befragten in jedem Fall machbar.

Den beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin empfanden die befragten Väter in der Regel als reibungslos. Allerdings war die tägliche Organisation der Kinderbetreuung zum Teil sehr aufwendig.

Absprachen in der Partnerschaft erleichtern den beruflichen Wiedereinstieg

Die Befragung zeigt: Aushandlungsprozesse in der Partnerschaft spielen eine wichtige Rolle für den beruflichen Wiedereinstieg der Frauen. Mit Beginn der Familienphase werden die Weichen für die Verteilung der Erwerbs-, Familien- und Haushaltsarbeit in der Partnerschaft gestellt. Frühzeitige Absprachen machen es möglich, dass sich alle Beteiligten auf die Veränderungen, die der berufliche Wiedereinstieg mit sich bringt, einlassen können. Auch eine Arbeitszeitreduzierung der Väter kann so rechtzeitig geplant werden.

Links:

Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin - Ergebnisse qualitativer Interviews
Publikation des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Zeit für Wiedereinstieg – Potenziale und Perspektiven
Publikation des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Foto: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

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