Untersuchung zeigt: Partnerschaft beeinflusst beruflichen Aufstieg

Paare, in denen beide hochqualifiziert sind und im gleichen Berufsfeld arbeiten, scheinen bei ihrer Karriere voneinander zu profitieren. Die Wahrscheinlichkeit für einen beruflichen Aufstieg erhöht sich. Frauen profitieren darüber hinaus dann besonders, wenn sie von ihrem Partner im beruflichen Fortkommen unterstützt und von Hausarbeit entlastet werden.

Frau und Mann schauen in Tablet-Computer

Welche Auswirkungen haben ein vergleichbarer, hoher Bildungsstand bzw. ein gemeinsames Berufsfeld auf den beruflichen Aufstieg von Frauen und Männern in Doppelverdiener-Partnerschaften? Wie wichtig ist partnerschaftliche Unterstützung für die jeweilige Karriereentwicklung? Diesen Fragen gingen Juniorprofessorin Anne Busch von der Universität Hamburg gemeinsam mit Miriam Bröckel und Dr. Katrin Golsch von der Universität Bielefeld nach. Beruflich erfolgreiche Männer seien für ihre Frauen ein Karrierehemmnis, heißt es in vielen Studien. Doch gleichzeitig gibt die Forschung auch Hinweise auf gegenseitige Unterstützung, die die Karrieren von Frauen und Männern fördert, sagt Anne Busch. Wir wollten es genau wissen und untersuchten die Frage auf Basis der Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) sowie vorhandener Forschungen in diesem Themenfeld.

Männer profitieren stärker als Frauen

Die Untersuchung, deren Ergebnisse die Wissenschaftlerinnen in der Zeitschrift für Familienforschung (Heft 1/2014) vorstellten, zeigen, dass Männer in allen untersuchten Konstellationen höhere Chancen haben, beruflich aufzusteigen als Frauen. Hoch qualifizierte Frauen und Männer, die mit einer Person zusammenleben, die ebenfalls sehr gut qualifiziert und im gleichen Berufsfeld tätig ist, weisen vergleichsweise hohe Karrierechancen auf. In solchen Partnerschaften steigen 32 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen beruflich auf. Hier können offenbar die Partnerinnen und Partner voneinander profitieren. Sind die Berufsfelder unterschiedlich, sinkt die Aufstiegsquote bei den Frauen auf 18 Prozent, bei den Männern – deutlich stärker – auf  23 Prozent. Frauen scheinen nicht in gleichem Maße von einer Partnerschaft unter Hochqualifizierten mit übereinstimmendem Berufsfeld zu profitieren wie Männer, erläutert die Professorin. Wir nehmen an, dass es in diesen Partnerschaften besonders leicht zu einer Konkurrenzsituation kommt, die – auch aufgrund äußerer Einflussfaktoren – zu Lasten der Frauen entschieden wird. 

Ein wichtiger Karrierefaktor: Entlastung bei der Hausarbeit

Sehr spannend ist ein weiteres Untersuchungsergebnis: Die soziale Unterstützung durch den Partner wirkt sich bei den Frauen besonders positiv auf ihren beruflichen Aufstieg aus, erläutert Anne Busch. Soziale Unterstützung bedeutet zum einen emotionale Unterstützung, wie etwa das Zuhören, und zum anderen instrumentelle Unterstützung durch Entlastung bei der Hausarbeit. Es zeigte sich, dass die Unterstützung bei der Hausarbeit einen wesentlichen Einfluss auf die Karrieren der Frauen hat. Unsere Studie legt nahe, dass die verbreitete ungleiche familiäre Aufteilung der Hausarbeit eine stichhaltige Erklärung dafür ist, dass Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind. Bei den Männern, die in der Regel weniger Hausarbeit übernehmen, sei diese instrumentelle Unterstützung für den beruflichen Aufstieg weniger relevant. Darüber hinausgehende soziale Unterstützung durch die Partnerin ist bei Männern nur im Zusammenhang mit der Unterstützung durch andere Personen, wie Kolleginnen und Kollegen oder Bekannte, ein Pluspunkt für die Karriere.

Sind die Ergebnisse auf den beruflichen Wiedereinstieg übertragbar?

Es liegt nahe, die Ergebnisse auf den beruflichen Wiedereinstieg nach Familienphasen zu übertragen. Die Hypothese lautet dann, dass emotionaler Rückhalt beim Partner oder der Partnerin sowie handfeste Unterstützung im Haushalt wesentlich dazu beitragen können, einen beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen und langfristig zu sichern. Spannend wäre auch die Frage, inwieweit Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger vom Netzwerk eines Partners oder einer Partnerin profitieren, der bzw. die im gleichen Berufsfeld arbeitet. Die Frage ist, ob hier eher die Konkurrenz oder die Unterstützung in der Partnerschaft ausschlaggebend ist, sagt die Forscherin.

Links:

Jun. Prof. Dr. Anne Busch
Informationen auf der Website der Universität Hamburg

Miriam Bröckel
Informationen auf der Website der Universität Bielefeld

Dr. Katrin Golsch
Informationen auf der Website der Universität Bielefeld

Foto: Rido - Fotolia.com

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