Studie: Modellprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" mobilisiert "Stille Reserve"

Ein Forschungsteam des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) begleitete das Modellprogramm "Perspektive Wiedereinstieg" und legte im August 2013 seinen Bericht zur ersten Programmphase vor.

Foto: Deckblatt der Broschüre

Im Rahmen des vom europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Modellprogramms "Perspektive Wiedereinstieg" (PWE) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Bundesagentur für Arbeit können sich berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger nach längeren Familienphasen beim Weg zurück in den Beruf individuell beraten und begleiten lassen. In der ersten Förderperiode des Programms von März 2009 bis Februar 2012 boten 28 Träger an 20 Standorten eine solche Unterstützung an. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) untersuchte, wie wirksam die Angebote sind, und legte jetzt einen etwa 100-seitigen Forschungsbericht vor.

"Soll ich wieder einsteigen?": "Perspektive Wiedereinstieg" hilft bei der Klärung

Ein Wissenschaftlerinnen-Team befragte dafür Teilnehmerinnen am Programm sowie eine Vergleichsgruppe von beruflichen Wiedereinsteigerinnen, die sich ausschließlich von der Arbeitsagentur oder einem Jobcenter betreuen ließen. Es zeigte sich, dass es durch das Programm gelingt, die sogenannte "Stille Reserve" anzusprechen, also Frauen und (in Ausnahmefällen) Männer, die sich in einer Familienphase befinden und sich noch nicht sicher sind, ob und wann sie wieder ins Erwerbsleben eintreten sollen. Viele der befragten Teilnehmerinnen besaßen eine hohe Qualifikation, waren jedoch sehr lange - oft mehr als zehn Jahre - nicht berufstätig. Vielfach engagierten sie sich während dieser Phase ehrenamtlich.

Motivation, berufstätig zu werden, steigt

Durch die Teilnahme an Informationsveranstaltungen und Workshops, durch persönliches Coaching sowie den Austausch mit anderen am Wiedereinstieg Interessierten erhöhte sich die Motivation der befragten Teilnehmerinnen, wieder eine Beschäftigung aufzunehmen. Ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und zu nutzen, ist für die meisten von ihnen der Hauptgrund für den geplanten beruflichen Wiedereinstieg.

Die meisten Teilnehmerinnen suchen und finden Teilzeitstellen

Das Forschungsteam führte insgesamt fünf Befragungsrunden durch. Zum jeweiligen Befragungszeitpunkt hatten 50 bis 70 Prozent der Teilnehmerinnen am Programm sowie der Nicht-Teilnehmerinnen eine Beschäftigung gefunden. Etwa zehn Prozent von ihnen waren selbstständig tätig. Nur zehn Prozent der Wiedereinsteigerinnen hatten eine Vollzeitstelle angenommen. Die anderen arbeiteten - wie in den meisten Fällen gewünscht - in unterschiedlichen Teilzeitmodellen. Rund 40 Prozent gaben an, eine Arbeit aufgenommen zu haben, für die sie eigentlich überqualifiziert seien. Die Unterschiede zwischen den Teilnehmerinnen und den Nicht-Teilnehmerinnen waren in allen Punkten gering. Hervorzuheben sei jedoch, schreiben die Autorinnen, dass viele der "Perspektive Wiedereinstieg"-Teilnehmerinnen einen beruflichen Wiedereinstieg ohne das Programm wahrscheinlich noch längere Zeit nicht in Angriff genommen hätten.

Unterstützungs- und Qualifizierungsmaßnahmen wirken

Eine Unterstützung bei der Stellensuche sowie Qualifizierungsmaßnahmen, die die "Perspektive Wiedereinstieg"-Träger anboten, wirkten sich der Studie zufolge besonders positiv auf die Job-Chancen der Teilnehmerinnen aus. Mehr als drei Viertel von ihnen gaben an, mit der Förderung im Rahmen des Programms sehr zufrieden bzw. zufrieden zu sein.

Unterschiede in Ost- und Westdeutschland

Die Studie enthält darüber hinaus viele interessante Einzelaspekte. So zeigten sich zum Beispiel deutliche Einstellungsunterschiede bei Frauen in Ost- und Westdeutschland. Ostdeutsche Frauen bewerten eine Erwerbstätigkeit von Müttern wesentlich positiver als Westdeutsche. Die Partner scheinen diese Einschätzung zu teilen. Männer in Ostdeutschland sind nach Angabe der Frauen öfter bereit, ihre Partnerinnen beim Wiedereinstieg zu unterstützen, indem sie mehr Familienarbeit übernehmen oder ihre Erwerbsarbeit reduzieren. 73 Prozent der befragten ostdeutschen Frauen gaben außerdem an: "Mein Partner wollte, dass ich wieder arbeite." Von den Westdeutschen bestätigten das lediglich 52 Prozent.

Link:

„Beruflicher Wiedereinstieg von Frauen nach familienbedingter Erwerbsunterbrechung. Befunde der Evaluation des ESF-Programms ‚Perspektive Wiedereinstieg’ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“
IAB-Forschungsbericht 9/2013

Foto: IAB

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