Saskia B. (45)

Saskia B., Bankkauffrau und Mutter von drei Kindern (17, 18 und 20 Jahre), lebt in einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein. Nach ihrer sechsjährigen Familienphase musste sie zahlreiche strukturelle Hürden überwinden, um sich wieder im Beruf zu etablieren. Mittlerweile hat sich die inzwischen Alleinerziehende mehrere berufliche Standbeine aufgebaut.

Foto: Hinterkopf einer Frau, dei ein Tablet in der Hand hält

Der schwere Unfall meines Partners stellte meine Pläne vollständig auf den Kopf.

Nach dem Abitur absolvierte Saskia B. ein freiwilliges soziales Jahr. Ich hatte vor, Karriere zu machen, erinnert sie sich. Um mir mein Studium zu finanzieren, machte ich zunächst einmal eine Banklehre. Ich war eine gute und wissbegierige Auszubildende – bis im letzten Ausbildungsjahr mein Partner einen schweren Auto-Unfall hatte. Sie verbrachte bis zu zwölf Stunden täglich bei ihrem Freund und späteren Ehemann im Krankenhaus. Anschließend pflegte sie ihn im Hause ihrer Eltern und mit deren Hilfe ein Jahr lang gesund. Trotzdem habe ich meine Ausbildung abgeschlossen. Angesichts der schwierigen Umstände immer noch mit einem ansehnlichen Ergebnis, erzählt die Bankkauffrau nicht ohne Stolz. Als das Ausbildungsunternehmen sie jedoch nur weiterbeschäftigen wollte, wenn sie für die Abwesenheit aufgrund ihrer Pflegeaufgaben noch ein halbes Jahr Ausbildungszeit nacharbeitete, kündigte Saskia B. und trat eine Stelle bei einem anderen Kreditinstitut an.

Das Wohl der Familie im Fokus

Als mein Mann wieder gesund war, haben wir eine Familie gegründet. In der Zeit zwischen 1996 und 1999 kamen unsere drei Kinder zur Welt. Während mein Mann sich auf seine Karriere konzentrierte, kümmerte ich mich um die Kinder und war insgesamt sechs Jahre in Elternzeit, berichtet Saskia B. Nach der Familienphase wollte sie in Teilzeit bei ihrem damaligen Arbeitgeber beruflich wieder einsteigen. Das Unternehmen war jedoch nicht dazu bereit, den Vollzeitvertrag der dreifachen Mutter in einen Vertrag mit reduzierter Stundenanzahl umzuwandeln. Saskia B. sah sich gezwungen, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Ich nahm das zum Anlass, an meinen ursprünglichen Berufsplänen wieder anzuknüpfen und begann ein Studium in Betriebswirtschaftslehre, erläutert sie. Auf dem Land ging das nur über ein Fernstudium, denn ich hatte keine ausreichende Kinderbetreuung. Bei Öffnungszeiten der Kindertageseinrichtung von 8 bis 12 Uhr hätte ich weder in Hamburg noch in Kiel Vorlesungen und Seminare besuchen können. Im selben Jahr kam es zur Trennung von ihrem Mann. Ich war plötzlich alleinerziehend mit drei kleinen Kindern. Das ist in einer Kleinstadt immer noch eine besondere Herausforderung. Schließlich habe ich die unterschiedlichen Anforderungen nicht mehr zeitlich miteinander vereinbaren können und musste nach zwei Jahren mein Studium aufgeben.

Schritte in die Selbstständigkeit

Um so bald wie möglich wieder berufstätig sein zu können, machte Saskia B. eine Ausbildung zur Fachkosmetikerin. Auf dem Land gibt es ja nicht so viele Möglichkeiten, lacht sie auf. Die Ausbildung konnte ich in den Abendstunden und an Wochenenden absolvieren. Meine Eltern haben mich in dieser Zeit sehr bei der Betreuung der Kinder unterstützt. Sonst hätte ich das nicht geschafft. 2006 eröffnete sie eine Praxis für Kosmetik, Maniküre, Pediküre und Wellness-Massagen. Parallel dazu bildete sie sich im Bereich Shiatsu, einer in Japan entwickelten Körpertherapie, weiter. Durch die intensive Pflege meines Mannes kam ich mit dem Thema ganzheitliche Körperarbeit in Kontakt. Das hat mich damals schon sehr interessiert. Ich habe Fachliteratur gelesen und Fortbildungen besucht. Da auch meine Tochter in den ersten Lebensjahren wegen einer Bewegungsbeeinträchtigung Frühförderung brauchte, war ich ständig damit befasst, andere im Erlernen von Bewegungsabläufen zu unterstützen. Das möchte ich seitdem gerne an andere Menschen weitergeben.

Durch persönliche Empfehlung in die Festanstellung

Allerdings war der Ausbau der Praxis hin zu einer existenzsichernden Einkommenssituation nicht realisierbar. Die zahlungskräftigen Kundinnen und Kunden hätten gerne Termine in den Abendstunden oder am Wochenende gehabt. Das konnte ich mit der alleinigen Verantwortung für die Kinderbetreuung nicht bewerkstelligen, erklärt Saskia B. Die Praxis hat sie schließlich aufgegeben, ihre Tätigkeit im Bereich Shiatsu führt sie nebenberuflich weiter.

Ich begab mich auf die Suche nach einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung und machte das auch in meinem Familien- und Bekanntenkreis publik. Ich hatte Glück, dass jemand eine Empfehlung für mich ausgesprochen hat, und konnte bei meinem alten Arbeitgeber mit durchschnittlich 25 Wochenstunden im Service-Bereich des Firmenkundenbereichs tätig werden. Ich war froh, dass sich mir als Alleinerziehende mit drei Kindern diese Chance bot, sagt Saskia B. Um meinen Job ausüben zu können, fahre ich täglich zweieinhalb Stunden.

Nach drei Jahren wechselte sie intern und arbeitet nun seit vier Jahren erfolgreich als Privatkundenberaterin. In meinem Job kann ich die Erfahrungen aus der Familienphase und der anschließenden Selbstständigkeit sehr gut einbringen. Ich hatte vielfältige Rollen auszufüllen zum Beispiel als Motivatorin, Organisatorin und Vermittlerin. Dadurch konnte ich meine Kommunikationsfähigkeiten sehr gut ausbauen, erläutert sie.

Parallel dazu: „Familienunternehmen“ gerettet

Seit 2010 hat Saskia B. noch ein anderes herausforderndes Projekt übergenommen: Nachdem ihr Vater im Zusammenhang mit den im Familienbesitz befindlichen Immobilien in eine finanzielle Schieflage kam, hat sich die Tochter sehr engagiert, um eine Insolvenz abzuwenden: Meine Eltern haben mich immer intensiv unterstützt, auch finanziell. Da war es für mich selbstverständlich, dass ich etwas zurückgebe, sagt sie. Sie war zu Beginn als eine Art Unternehmens- und Insolvenzberaterin aktiv, hat sich selbst finanziell eingebracht und kümmert sich seitdem um An- und Verkauf, Verwaltung sowie die Sanierung und Instandhaltung der Immobilien. Diese anspruchsvollen Aufgaben umfassen ca. 20 Stunden in der Woche. 2017 werden wir dieses Projekt abgeschlossen haben. Dann fährt alles wieder in geordneten Fahrwassern, freut sich Saskia B. Ab diesem Zeitpunkt kann ich mich wieder auf meine eigenen Pläne konzentrieren und beruflich noch weiter durchstarten. Denn ich habe noch eine ganze Menge vor! Aktuell habe ich eine Fortbildung zur Fachfrau für Betriebliches Gesundheitsmanagement erfolgreich abgeschlossen. Um die weiteren Schritte zu gehen, wird sie sich diesmal mehr professionelle Unterstützung holen. Ich habe mir in der Vergangenheit viel zu wenig Beratung zukommen lassen und fast alles alleine gestemmt. Auch weil ich nicht wusste, dass es so tolle Informations- und Beratungsangebote rund um den beruflichen Wiedereinstieg gibt.

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Bankkauffrau/-mann
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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