Olivia Lindisch (31)

Ob Bohr- oder Montagearbeiten – wenn im Haushalt etwas kaputt geht, dann ist sie zur Stelle. Olivia Lindisch, Gründerin des Heimwerkerservice "fraugemacht", bietet  Reparaturarbeiten aus Frauenhand an. Als die zweifache Mutter aus Mülheim an der Ruhr noch als Vorstandsassistentin arbeitete, hätte sie im Traum nicht daran gedacht…

Porträt Olivia Lindisch

Zur Firmengründung  inspiriert wurde sie von einer Freundin, denn im privaten Kreis wusste man ihr handwerkliches Geschick längst zu schätzen. Schließlich hatte sie dort in ihrer Freizeit immer wieder mal ausgeholfen und Reparaturen durchgeführt. Ihr Geld verdient hat die gelernte Industriemechanikerin aber bei der Wapme Systems AG, wo sie dem Vorstand assistierte – sieben Jahre lang!

Noch während ihrer zweiten Schwangerschaft ging das Unternehmen insolvent und Olivia Lindisch wurde arbeitslos. Dass sie nicht wieder in ihren alten Beruf zurückkehren würde, war ihr nach mehreren Anlaufversuchen, die sie nach der Familienpause unternommen hatte, klar. Eine 60-Stunden-Arbeitswoche in der Chefetage ließ sich doch nur schwierig mit der gewachsenen Familie vereinen. Das würde sich mit dem eigenen Unternehmen "fraugemacht" ändern, doch dahin war es noch ein weiter Weg.

Der Entschluss zum Neustart war gefasst, doch wie sollte es weitergehen? "Fast neun Monate lang habe ich mich auf die Selbstständigkeit vorbereitet", so Olivia Lindisch, "denn eine gute Vorbereitung, das ist das A und O, wenn man selbstständig Erfolg haben möchte". Das hieß für sie auch die Vereinbarkeit mit dem Familienleben abzuwägen. "Darin liegt die größte Schwierigkeit als Frau, dass man ein schlechtes Gewissen hat, wenn die Kinder zurückstecken müssen, weil die Zeit so knapp ist. Außerdem möchte man die Kleinen schließlich auch aufwachsen sehen", berichtet sie weiter. Deshalb klärte sie  bereits im Vorfeld mit ihrem Mann, ob und wie er sie unterstützen kann. Ihre Geschäftsidee hat sie dann in der Mülheimer Gründerinnenwerkstatt, die sie neben weiteren Gründerinnenseminaren besuchte, noch einmal optimiert und ein rundes Konzept entwickelt.

Die Familie war sofort begeistert und unterstützte sie in vollem Umfang. Dennoch blieb es nicht aus, dass  ihr Steine in den Weg gelegt wurden. Denn als es um die Finanzierung von "fraugemacht" ging, konnte die angehende Selbstständige zwar einen Existenzgründungszuschuss von der Arbeitsagentur in Anspruch nehmen, aber die Banken zeigten sich nicht überzeugt von ihrem Konzept und sperrten sich. Doch davon ließ sich Olivia Lindisch nicht beirren und fand eine andere Lösung, um ihre Geschäftsidee umzusetzen.

Und ihre Kundinnen und Kunden geben ihr Recht. Denn viele bevorzugen weibliche Fachkräfte, insbesondere alleinstehende Frauen und ältere Menschen, die ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis haben und zu einer weiblichen Ansprechpartnerin eher Vertrauen fassen als zu einem hemdsärmeligen Bartträger. Und die Mutter einer zweijährigen Tochter und eines achtjährigen Sohns kann sich die Arbeitszeit frei einteilen und  ihren Tagesablauf flexibel gestalten. "fraugemacht" ist ein voller Erfolg.

"Ich bin auch nicht der Typ, der ausschließlich zu Hause bei den Kindern bleiben möchte", resümiert sie. "Ich brauche meinen Job. Für mich ist die berufliche Tätigkeit – ob angestellt oder selbstständig – ein Stück Selbstverwirklichung. Auch um von diesem Denken einmal abzuschalten, das sich ausschließlich nur um Kinder und Familie dreht."

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