Monika Falkenthal (49)

Als gelernte Industriekauffrau leitete Monika Falkenthal das technische Sekretariat in ihrem Ausbildungsbetrieb. Nach der Geburt ihres dritten Kindes ging  sie in die Familienpause, die 15 Jahre anhalten sollte – und die die vierfache Mutter nicht ungenutzt ließ. Dass sie ihr langjähriges Engagement unter anderem in der Elternarbeit aber auch als Kompetenz geltend machen könne – gegenüber einem Arbeitgeber – wurde ihr erst bewusst, als sie an einer Qualifizierungsmaßnahme der Arbeitsagentur teilnahm. Heute leitet sie in Calw die Geschäftsstelle der Energieberatung.

Monika Falkenthal

Sie arbeitet gern, nicht zuletzt wegen der Weite und Vielfältigkeit, die das Berufsleben im Vergleich zu diesem relativ geschlossenen Kreis von Haushalt und Familie bietet, wie Monika Falkenthal sagt. Als sie und ihr Mann ihr erstes Kind bekamen, konnte sie wie gehabt mit Unterstützung der Oma weiter ihrem Beruf nachgehen, mit dem zweiten Kind war allerdings klar, dass sie nicht mehr Vollzeit arbeiten wollte. Teilzeitmodelle waren damals noch weitgehend unpopulär, und so spricht sie von einem typischen Karriereknick durch die Kinder. Zwar konnte sie sich mit einer anderen Kollegin in einer ähnlichen Situation eine Stelle im Betrieb teilen, aber in der Arbeits-Hierarchie wurde sie umgehend heruntergestuft und musste die Leitung des Sekretariats abgeben.

Das Familienmanagement funktionierte gut – gerade auch im Wechsel mit der Kollegin – und ihr Mann übernahm seinen Teil, aber eine berufliche Zukunftsperspektive war so nicht mehr gegeben. Mit der Geburt des dritten und schließlich des vierten Kindes verabschiedete sich Monika Falkenthal von ihrem Job.

Die Betreuungsfrage war so nicht mehr zu lösen, resümiert die 49-Jährige, zumal sie auch Wert darauf legte, die älteren Kinder zum Beispiel in Punkto Hausaufgaben in guten Händen zu wissen. Von nun an wollte sie also ganz und gar für die sechsköpfige Familie da sein. Doch schnell hatte sie das Gefühl: Mein Horizont schnurrt ganz zusammen. Da wusste ich, du musst unbedingt zusätzlich noch was machen. Sie fing also mit der Elternarbeit an – zuerst im Kindergarten, dann in der Schule, wo sie für drei Jahre auch den Elternbeiratsvorsitz übernahm. Dazu kam das Engagement in einem Verein. Doch für den Kopf wollte sie auch etwas tun, wie sie sagt. Deshalb begann sie an der Volkshochschule Schreibkurse zu besuchen. Das machte der Industriekauffrau in Familienpause nicht nur Spaß, sondern sie entdeckte auch ihr Talent für das schriftliche Wort. Sie ließ sich beim Volkshochschulverband als Schreibwerkstättenleiterin ausbilden und gab nun selbst Kurse, zum Beispiel im autobiografischen Schreiben. Zudem verfasste sie selbst als Autorin zwei Bücher für die Geschenkbuchreihe „Wir vom Jahrgang“.  2003 nahm sie in Elternzeitvertretung einen Teilzeitjob an, aber nichts Anspruchsvolles, so Monika Falkenthal. Mit dem Job war sie nicht zufrieden, da sie an ihre alten Berufskompetenzen anknüpfen und sich entsprechend qualifizieren wollte: Zu diesem Zeitpunkt habe ich mir nicht viel zugetraut. Wenn man so lange aus dem Beruf raus ist, weiß man gar nicht, was eigentlich von einem verlangt wird und ist nicht auf dem Stand der Dinge, wenn man überlegt, was in 15 Jahren an technischen Entwicklungen in einem Büro stattfindet.

Die Lösung bot schließlich eine Maßnahme der Agentur für Arbeit, auf die sie durch eine Notiz in der Zeitung aufmerksam wurde. Sie reagierte ad hoc, berief eine Familienkonferenz ein, und keine zwei Wochen später war sie Teilnehmerin eines Qualifizierungskurses, in dem sie sich über 8 Monate werktags von 8 bis 12 Uhr als EDV-Sachbearbeiterin ausbildete. Sich zuvor bei der Arbeitsagentur arbeitsuchend bzw. arbeitslos  zu melden – das bereitete ihr zunächst ein wenig Bauchschmerzen, denn mit diesen Begriffen konnte sich die umtriebige Mutter in keiner Weise identifizieren. Eine entsprechende  Meldung  und vorherige Beratung  bei der zuständigen Arbeitsagentur ist jedoch zur Überprüfung der Notwendigkeit  und Zweckmäßigkeit  einer Bildungsmaßnahme erforderlich. Schnell stellte sich diese Entscheidung allerdings als absolut richtig heraus. Neben den grundlegenden Kenntnissen der Office-Anwendungen, Buchführung, Business Englisch, Bewerbungstraining und einem Praktikum lernte sie auch andere Wiedereinsteigerinnen kennen. Alle antworteten auf die Frage, was sie während der Familienpause gemacht hätten, einhellig: Nichts. Doch das stimmte nicht, denn alle hatten, wie Monika Falkenthal, vieles gemacht – vom nachgeholten Fachabitur bis zum Ehrenamt – nur dass ihnen das gar nicht bewusst war. Gemeinsam fanden sie es heraus. Aus den Kursteilnehmerinnen wurde richtiggehend eine Wiedereinsteigerinnen-Clique, die sich austauschte, Stellenanzeigen zuschanzte, zusammenhielt – und heute noch in gutem Kontakt steht.

Dass ihr ältester Sohn sie mittlerweile als ernst zu nehmende Gesprächspartnerin in Sachen PC-Kenntnisse anerkennt, war ein Schlüsselerlebnis für Monika Falkenthal. Und als sie sich für den neuen Job vorstellte, hielt sie auch nicht mehr damit zurück zu betonen, dass sie während ihrer ehrenamtlichen Arbeit gelernt hätte zu repräsentieren, Positionen zu vertreten, Sitzungen und Diskussionen zu leiten – alles Erfahrungen, die sie zusammen mit den Lernerfolgen durch den Kurs der Arbeitsagentur für die Stelle als Leiterin der Energieberatung qualifizierten. Das überzeugte ihren zukünftigen Chef und zum Berufseinstieg finanzierte er ihr eine Fortbildung als Solateurvertriebstechnikerin – damit ist sie heute sowohl für Kunden als auch für Energieberater eine kompetente Ansprechpartnerin.

Heute kümmert sich Monika Falkenthal in Teilzeit um die Verwaltung und Organisation der Geschäftsstelle der Energieberater im Landkreis Calw, vertritt sie auf Abendveranstaltungen und Messen und koordiniert 27 Berater im Bereich erneuerbare Energien – ein Glückstreffer, wie sie selbst betont. Und eine Zukunftsbranche für eine Frau, die allen Umwegen zum Trotz ihre Zukunft selbst in die Hand genommen hat!

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Energieberater/in
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Fachwirt/in – Energie
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Techniker/in - Umweltschutz (Erneuerb.Energ., Energieber.)
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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