Gundi Wenzel (43)

Infolge einer betrieblichen Umstrukturierung konnte Gundi Wenzel nach der Elternzeit nicht auf ihre Teilzeitstelle als Buchhalterin zurückkehren. Die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz verlief schwieriger als gedacht. Aus den geplanten drei Jahren wurden unfreiwillig acht Jahre Familienphase. Doch inzwischen hat Gundi Wenzel in einem kleinen familienfreundlichen Unternehmen ihren Traumjob gefunden.

Rückenansicht: Frau mit grünem T-Shirt vor dem Computer

Während ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau fand Gundi Wenzel das Arbeitsgebiet, das sie bis heute fasziniert: die Buchhaltung. Im Anschluss an ihre Lehrzeit war sie für ihren Ausbildungsbetrieb in diesem Bereich tätig. Nach dem ersten Kind und drei Jahren Elternzeit kehrte sie auf einer Teilzeitstelle in das Unternehmen zurück. Sieben Jahre später kam das zweite Kind. Als ich nach drei Jahren Elternzeit meine Halbtagstätigkeit wieder aufnehmen wollte, hieß es, das Unternehmen habe zwischenzeitlich alle Teilzeitarbeitsplätze abgeschafft. Ich hätte nur in Vollzeit wieder einsteigen können. Das wollte ich aber nicht und erhielt die Kündigung, berichtet Gundi Wenzel.

Teilzeitstelle in der Buchhaltung gesucht

Eine neue, passende Teilzeitstelle zu finden, war viel schwieriger als gedacht. Ich stand halbtags von 8.00 bis 12.00 Uhr zur Verfügung und habe nirgends eine entsprechende Stelle finden können, sagt sie. Ich war beim Arbeitsamt arbeitslos gemeldet und bekam darüber Stellenangebote, habe mich auf Anzeigen beworben, Initiativbewerbungen verfasst und überall erzählt, dass ich einen Arbeitsplatz suche. Ich bin sogar einfach in Geschäfte und Betriebe reingegangen und habe gefragt, ob sie für ihre Buchhaltung Unterstützung brauchen. Aber nichts führte zum Erfolg. Sie nimmt an, dass unter anderem ihr Status als Unverheiratete mit zwei relativ jungen Kindern potenzielle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber abschreckte. Aus den Unterlagen ging ja nicht hervor, dass ich in einer festen Partnerschaft lebe und für die Kinderbetreuung nicht allein zuständig bin, erklärt sie. Ich bin dann dazu übergegangen, meinen Lebensgefährten in den Unterlagen mit zu erwähnen. 

Mehr Flexibilität wäre in Unternehmen einfach umsetzbar

Sie wundert sich auch über eine vielfach geringe Flexibilität der Unternehmen in Bezug auf Arbeitszeit und -ort. In der Buchhaltung habe ich keinen Kundinnen- und Kundenkontakt. Eigentlich ist es egal, wann ich die Arbeiten erledige, Hauptsache sie sind fristgerecht fertig. Ich könnte das theoretisch von Zuhause aus machen: Home-Office-Lösungen wären daher in meinem Bereich oft ganz einfach zu realisieren, meint sie. In der Praxis seien solche flexiblen Angebote ihrer Erfahrung nach jedoch noch viel zu selten.

Humor und Optimismus behalten

In der Zeit der Arbeitslosigkeit war der Rückhalt, den mir mein Partner, meine Kinder und unserer Freundeskreis gegeben haben, besonders wichtig und hilfreich für mich, erzählt Gundi Wenzel. Mein Partner hat mir immer zugeraten, auf den richtigen Arbeitsplatz zu warten und nicht irgendein obskures Angebot – und davon gab es einige – anzunehmen, um überhaupt etwas zu haben. Damit hatte er Recht. Wenn man längerfristig ohne Jobzusage bleibe, sei es eine Herausforderung, nicht die Schuld bei sich selbst zu suchen, sich für "minderwertig" zu halten. Das ist mir ganz gut gelungen. Dabei kamen mir mein Humor und mein rheinischer Optimismus zu Gute. Nach dem Motto: Et hätt noch emmer joot jejange (Es ist noch immer gut gegangen), erzählt sie. Ich habe mir vor Augen gehalten, was ich früher beruflich alles geleistet habe, und mir gesagt: ‚Die Unternehmen wissen gar nicht, was sie verpassen, wenn sie mich nicht einstellen.’

Ehrenämter sind ihr wichtig

Gundi Wenzel nutzte diese Phase der Arbeitslosigkeit auch für vermehrtes ehrenamtliches Engagement. Auch das ist eine Quelle für Selbstbestätigung: Ich war Vorsitzende des Elternbeirats –zuerst im Kindergarten und dann in der Schule. Zusammen mit ihrem Partner ist sie zudem im Fußballverein stark involviert: Ich hatte den Posten der Kassiererin inne – das liegt bei mir natürlich nahe.

Freundin unterstützt

Inzwischen – nach insgesamt achtjähriger Familienphase –hat Gundi Wenzel ihren Traumjob gefunden. Wie das kam? Eine Freundin ist als private Arbeitsvermittlerin tätig. Sie bot mir an, für mich mit zu suchen – obwohl sie eigentlich auf andere Felder spezialisiert ist, berichtet Gundi Wenzel. Sie entdeckte eines Tages die kleine Anzeige einer Hausverwaltung und schickte meine Bewerbung los. 

Pflegebedürftigkeit der Mutter ändert Prioritäten

Kurz vorher erkrankte ihre Mutter schwer und wurde pflegebedürftig. Ich wusste nicht, wie lange sie noch leben würde. Alles andere – auch die Jobsuche – trat völlig in den Hintergrund, berichtet Gundi Wenzel, die regelmäßig in die eineinhalb Autostunden entfernte Klinik pendelte bevor sie die Mutter schließlich in einem nahe gelegenen Pflegeheim unterbringen konnte. 

Ich erhielt eine Stelle, als es mir eigentlich gar nicht passte

In dieser Situation hieß es dann: Deine Bewerbung hat die erste Hürde genommen. Du kannst dich vorstellen, erinnert sich Gundi Wenzel. Ich hätte fast abgesagt. Es passte gerade überhaupt nicht. Sie nahm den Termin aber dennoch wahr und legte die Karten einfach offen auf den Tisch. Ich habe von den Anforderungen berichtet, die die Kinder und meine kranke Mutter an mich stellten. ‚Wenn die Klinik anruft, muss ich eventuell sofort los’, habe ich gesagt. Ihr späterer Arbeitgeber blieb ganz gelassen. Das bekämen sie hin, das sei kein Problem, meinte er. Gundi Wenzel sagt: Ich war verblüfft, dass er sich schließlich für mich entschied, denn ich weiß, dass er noch einige andere Gespräche geführt hat.

Positives Klima in einem kleinen Team

Von ihrem heutigen Arbeitsplatz schwärmt sie: Das Arbeitsklima ist toll und ich profitiere sehr von der Flexibilität, die es im Unternehmen gibt. Umgekehrt legt auch sie sich ins Zeug und bleibt mal länger, wenn etwas dringend fertig werden muss. In die Tätigkeitsgebiete ihrer beiden Kolleginnen hat sie sich inzwischen genauso eingearbeitet wie am eigenen Arbeitsplatz. Ich kann sie dadurch vertreten, wenn eine mal ausfällt. Umgekehrt kennen sie sich auch in der Buchhaltung aus, sagt sie. Denn uns ist wichtig, dass es rund läuft.

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Fachkaufmann/-frau - Verwaltung von Wohnungseigentum
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Fachwirt/in – Immobilien
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Objektverwalter/in (Immobilien)
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Foto: Igor Mojzes / Fotolia.com

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