Cornelia Guttmann (45)

Cornelia Guttmann ist 45 Jahre alt und hat den Großteil ihrer Berufserfahrung in der Sachbearbeitung bei Banken gesammelt, danach war sie lange Hausfrau und Mutter. Doch als sie sich zum Wiedereinstieg entschloss, wollte sie zurück zu ihren Wurzeln: 26 Jahre nach Ende ihrer Ausbildung zur Apothekenhelferin steht sie wieder hinter dem Medikamententisch.

Cornelia Guttmann

Gleich nach dem Abschluss der Handelsschule begann Cornelia Guttmann die Ausbildung zu ihrem Traumberuf: Apothekenhelferin. Auch wenn ihr die Tätigkeiten gefielen und sie ihre Ausbildung mit guten Ergebnissen abschloss, fehlte ihr der rechte Pfiff, wie sie heute sagt. Nur die sehr Guten hatten bei der wirtschaftlichen Lage eine Chance, erzählt Cornelia Guttmann.

Sie sah sich dennoch im Apotheken- und Drogerieumfeld nach einem Job um, wandte sich an die Agentur für Arbeit, verschickte Initiativbewerbungen – ohne Erfolg. Bekannte rieten ihr schließlich, sich bei der örtlichen Sparkasse im hessischen Höchst zu bewerben. Die suchte Leute – und kaufmännische Kenntnisse hatte Guttmann auf der Handelsschule erworben. Die Sparkasse stellte sie ein, und so arbeitete Cornelia Guttmann zunächst sieben Jahre in der Belegbearbeitung, nach einem Umzug nach Mainz als Sachbearbeiterin für das Geldinstitut. Ein bisschen Wehmut war stets dabei: Immer, wenn ich in einer Apotheke stand, dachte ich ‚Das wäre ja eigentlich viel schöner gewesen‘, sagt Guttmann. Sie zog sogar hin und wieder in Erwägung, noch einmal die Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin (PTA) zu absolvieren.

Als ihr Sohn zur Welt kam, gab sie ihren Job bei der Sparkasse auf. Als er drei Jahre alt war, wagte sie zum ersten Mal die Rückkehr in den Beruf. Zweieinhalb Jahre war sie als Kassiererin bei der Sparkasse beschäftigt, doch die Vollzeitstelle war mit einem so kleinen Sohn schwer vereinbar. Cornelia Guttmann entschloss sich, eine Pause einzulegen. Eigentlich beabsichtigte sie, wieder halbtags einzusteigen, sobald ihr Sohn die Schule besuchen würde. Doch während der Auszeit wurde sie mit ihrem zweiten Kind schwanger. „Und dann bin ich erst mal ganz lange nicht mehr arbeiten gewesen“, erzählt Cornelia Guttmann. Mit den zwei Kindern war auch eine Schulung überhaupt nicht denkbar. Die PTA, die mir immer wieder in den Sinn kam, ist eine zweijährige Intensivschulung, ganztägig. Das hätte ich nebenbei nicht geschafft.

Dann aber fasste sie den Entschluss, wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Sie begründet es so: „Es war, wie es bei vielen Frauen ist, der Gedanke: Es muss da noch mehr geben! Ich wollte einen Job finden, der mir Spaß macht, der mir etwas gibt. Ich bin froh, dass ich meine Familie habe, aber ich brauchte noch eine andere Bestätigung. Doch ihr Vorhaben schob sie von Monat zu Monat vor sich her – bis ihr Mann Anfang 2010 in der Zeitung einen Artikel über das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ entdeckte. Cornelia Guttmann belegte verschiedene Kurse, um wieder fit für den Arbeitsmarkt zu werden. Das Wichtigste für mich war die erste Woche, eine Art Selbstfindung. Ich lernte: Ich bin nicht der Motor meiner Familie, ich bin ich. Und ich will etwas erreichen! Das für mich herauszufinden und mich selbst nicht hinten anzustellen, war sehr interessant und machte mir Mut."

Cornelia Guttmann absolvierte unter anderem auch zwei Praktika in der Apotheke. Ich arbeitete unter anderem in der Apotheke, in der ich seit 17 Jahren Kundin bin, erzählt die 45-Jährige. Die Apothekerin war ganz überrascht und sagte: ‚Aber Sie sind doch Bankkauffrau‘ – ‚Ich habe zwar in der Bank gearbeitet, aber ich bin gelernte Apothekenhelferin‘, klärte ich sie auf. Als sie sich an die konkreten Bewerbungen wagte, begleiteten Zweifel und auch Angst diesen Schritt: Als ich die ersten Anrufe tätigte und nachfragte, ob ich mit meinen Unterlagen vorbeikommen könnte, wurde ich ein wenig kleiner. Ich bekam Antworten wie: ‚Wir haben kein Interesse‘ oder ‚Wiedereinstieg? Um Gottes Willen, wie lange waren Sie draußen?‘. Wieder andere suchten nach jemandem, der sofort Vollzeit arbeiten kann. Doch Cornelia Guttmann ließ sich nicht entmutigen: Seit August vergangenen Jahres ist sie mit einem unbefristeten Vertrag beschäftigt.

Der größte Kompromiss, den die Stelle mit sich bringt, ist die fehlende Zeit mit ihren Kindern. Derzeit arbeitet sie an vier Nachmittagen der Woche; gern würde sie diese Zeit mit ihrer zehnjährigen Tochter nutzen. Die Zeit ist abends viel zu kurz. Wenn ich nach Hause komme, braucht meine Tochter Aufmerksamkeit. Die Kinder sind gewohnt, dass ich da bin, wenn sie nach Hause kommen, sagt Cornelia Guttmann. Abgesehen davon haben sich nicht allzu viele Dinge geändert. Sie hat nach wie vor die volle Unterstützung ihres Mannes, der auch schon vorher im Haushalt mitgeholfen hat.

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Pharmazeutisch-kaufmännische/r Angestellte/r
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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