Christiane Kompch-Maneshkarimi (50)

Christiane Kompch-Maneshkarimi lebt mit Mann und zwei Töchtern im ländlichen Oestrich-Winkel in Hessen. Als die studierte Sozialwissenschaftlerin nach einer sechsjährigen Familienphase beruflich wieder einsteigen möchte, ist dieser Schritt deutlich schwieriger als gedacht. Schließlich gibt ihr eine Fortbildung für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger die nötigen Impulse für einen Neustart: Heute ist Christiane Kompch-Maneshkarimi als Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Oestrich-Winkel erfolgreich.

Christiane Kompch-Maneshkarimi

Die Sozialwissenschaftlerin Christiane Kompch-Maneshkarimi leitet seit 2008 das Mehrgenerationenhaus in Oestrich-Winkel im Rheingau. Zunächst arbeitete sie auf einer Halbtagsstelle, inzwischen ist die gebürtige Nordfriesin ganztags für die Einrichtung tätig. Ich habe hier eine wichtige und sinnvolle Aufgabe gefunden. Sie ist mir jede Stunde Wert, die ich dafür aktiv bin, sagt sie.

Der alte Arbeitgeber war umgezogen

Es ist ein längerer Weg, der Christiane Kompch-Maneshkarimi auf diese Position führte. Nach sechsjähriger Elternzeit für unsere beiden Töchter konnte ich nicht mehr zu meinem alten Arbeitgeber, einem Träger für Erwachsenenbildung, zurück. Das Unternehmen war inzwischen nach Berlin umgezogen, erklärt sie. Ich habe vergeblich nach einer Möglichkeit gesucht, hier vor Ort, meiner beruflichen Kompetenz entsprechend, in Teilzeit zu arbeiten. Dass ich mich durch eine Familienzeit derart ins berufliche 'Aus' schieße, damit hatte ich nicht gerechnet. 

Überqualifiziert im Minijob

Um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, absolvierte Christiane Kompch-Maneshkarimi eine kaufmännische Fortbildung. Außerdem besuchte sie als Gasthörerin Vorlesungen an der Uni, die sie in ihrem Fachgebiet auf dem Laufenden hielten. Ich ergatterte schließlich einen 400-Euro-Job als Mitarbeiterin in der Marktforschung, den ich drei Jahre lang ausübte, berichtet Christiane Kompch-Maneshkarimi. Auf die Dauer sei die Arbeit jedoch unbefriedigend gewesen. Ich arbeitete viel - mehr als ich eigentlich wollte und sollte. Trotzdem erhielt ich keine Aufgaben, die meiner Qualifikation entsprachen. Beim nächsten Arbeitsplatz im Hochschulbereich - ebenfalls einem sogenannten Minijob - waren die Erfahrungen ähnlich. Die Belastung, die es bedeutete, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, und das, was finanziell dabei heraussprang, standen in keinem vernünftigen Verhältnis. Ich entschied mich für den Rückzug und legte eine weitere zweijährige Familienzeit ein.

Ein Kurs gab mir den nötigen Startschuss

Doch 2007 beschloss Christiane Kompch-Maneshkarimi, einen neuen Anlauf zu nehmen. Sie ging zur Arbeitsagentur und ließ sich beraten. Das Ergebnis: Sie nahm an einem kaufmännischen Lehrgang der GbQ Gesellschaft für berufliche Weiterqualifizierung e.V. in Wiesbaden teil, der mit IHK-Zertifikat abschloss. Dieser sechsmonatige Kurs war speziell für berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger konzipiert und ein echter Startschuss für mich. Ich habe mir zum ersten Mal wirklich systematisch darüber Gedanken gemacht, was ich will, wo meine Kompetenzen liegen und welche Möglichkeiten es für mich damit gibt. Den beruflichen Wiedereinstieg in der Gruppe anzugehen, war ebenfalls sehr hilfreich und motivierend. Es war einfach gut zu sehen, dass es vielen anderen genauso geht wie mir. Durch die Fortbildung habe ich daher nicht nur inhaltlich viel gelernt, zum Beispiel im Umgang mit MS-Office-Programmen. Ich habe auch Selbstvertrauen gewonnen und wusste hinterher genau, was ich anstrebte.

Praktikum im Familienbüro der Gemeinde

Bei der Suche nach einem Platz für das zweimonatige Praktikum, das zum Lehrgang gehörte, wandte sich Christiane Kompch-Maneshkarimi ganz gezielt an das Familienbüro der Gemeinde. Denn sie hatte in der Presse verfolgt, dass sich Oestrich-Winkel im Rahmen des Bundesprogramms Mehrgenerationenhäuser des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beworben hatte und auch, dass der erste Antrag abgelehnt worden war. Ich hatte bei dem Gedanken an ein Mehrgenerationenhaus sofort Feuer gefangen, berichtet sie. Ich bewarb mich für das Praktikum beim Familienbüro im Rathaus, das sich um die Beantragung kümmerte, und erhielt prompt eine Zusage. Sicherlich sei ihr dabei auch zu Gute gekommen, dass der Bürgermeister sie bereits aus ihrem ehrenamtlichen Engagement als organisatorische Leiterin des Kinder- und Jugendchors kannte. 

Vom Praktikum zur Festanstellung

Im Rahmen meines Praktikums konnte ich mich in die Überarbeitung des Konzepts für das Mehrgenerationenhaus einbringen und den Aspekt, es als soziale Drehscheibe im Ort zu etablieren, schärfen. Noch während ihres Praktikums kam die Zusage für die Förderung im Rahmen des Bundesprogramms. Christiane Kompch-Maneshkarimi hatte ihren künftigen Arbeitsplatz sicher. Einen Tag nach der Abschlussprüfung für den Lehrgang trat sie ihre Position als Leiterin des Mehrgenerationenhauses an. Zunächst arbeitete sie in Teil- später in Vollzeit. Es gibt keine Aufgabe, die ich lieber übernommen hätte, sagt Christiane Kompch-Maneshkarimi. Hier kann ich frei konzeptionell arbeiten, sehr viel umsetzen und sowohl mein fachliches Wissen als auch meine Lebenserfahrung einbringen. Meine Arbeit trägt inzwischen Früchte. Unser Mehrgenerationenhaus hat eine Strahlkraft entwickelt, die über den Ort hinausreicht. 

Eine Herausforderung: Arbeit Zuhause neu aufteilen

Und Zuhause? Es war klar, dass wir die Arbeit in der Familie anders aufteilen mussten. Unsere Töchter waren damals 11 und 14 Jahre alt sollten auch etwas übernehmen, erinnert sich Christiane Kompch-Maneshkarimi. In der Umsetzung war das jedoch schwieriger, als ich gedacht hatte. Wir waren alle sehr eingefahren. Organisieren ist halt mein Ding. Mir geht das leicht von der Hand - den anderen oftmals nicht. Da fällt es allen schwer, auf einmal neue Zuständigkeiten zu übernehmen. Anderen rät sie, die Familie frühzeitig mit ins Boot zu holen: Ein beruflicher Wiedereinstieg krempelt zwar das Leben Zuhause um, aber alle haben etwas davon. Es ist wichtig, das deutlich zu machen. Interessanterweise machte Christiane Kompch-Maneshkarimi die Erfahrung, dass der Übergang von der Teil- auf die Vollzeitstelle ihre Situation in gewisser Hinsicht entspannte: Ich stehe bei der Arbeit nicht mehr so unter Zeitdruck und komme dadurch weniger 'abgehetzt' nach Hause. 

Haushaltnahe Dienstleistungen: Putzhilfe unterstützt

Im Haushalt hat die Familie zwischenzeitlich Unterstützung durch eine Reinigungskraft. Das kann ich jeder bzw. jedem nur empfehlen. Dadurch ist das Wochenende nicht durch Putzen und Aufräumen blockiert. Es bleibt auch Zeit für gemeinsame Unternehmungen, erklärt sie. Eine solche Haushaltshilfe löse natürlich nicht alle Herausforderungen. Es gäbe immer mal wieder Phasen, in denen es nicht rund laufe mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Doch grundsätzlich überwiegen die Vorteile einer Berufstätigkeit: Die Arbeit macht mich zufrieden, ich verdiene Geld und kann für mein Alter vorsorgen. Mir ist es auch wichtig, dass mich meine Töchter als berufstätige Frau erleben. Dadurch lernen sie mich noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen.

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Soziale Arbeit
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Fachwirt/in - Organisation u. Führung (Sozial)
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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