Christiane Gütschow (53)

Christiane Gütschow aus Kiel, Diplom-Ingenieurin für Lebensmitteltechnologie und Mutter von zwei Kindern, stieg nach 16-jähriger Familienphase wieder ins Erwerbsleben ein und hat sich dafür beruflich ganz neu orientiert.

Foto: Christiane Gütschow

Eine Weltreise mit der ganzen Familie, eine chronische Erkrankung des jüngeren Kindes, der Kauf und Umbau eines alten Hauses und dabei die häufige Abwesenheit ihres Mannes, der zur See fuhr - für eine Berufstätigkeit blieb im Leben von Christiane Gütschow lange Zeit kein Platz. Doch dann - die Söhne waren 18 und 20 Jahre alt - zerbrach ihre Ehe: Das hat mich nicht nur emotional schwer getroffen. Ich musste plötzlich Geld verdienen und hatte das Gefühl, überhaupt nichts vorweisen zu können, was auf dem Arbeitsmarkt von Wert gewesen wäre. Das machte mir Angst.

Selbstständig als Altersvorsorgeberaterin

Bei einer Versicherung gab es die Möglichkeit, eine mehrmonatige Ausbildung zur Altersvorsorgeberaterin zu machen. Diese Chance habe ich ergriffen, erzählt Christiane Gütschow. Anschließend arbeitete ich zwei Jahre lang in diesem Bereich - als selbstständige Beraterin. Geld gab es nur, wenn ich Abschlüsse tätigte. Mit dem so erzielten Einkommen konnte ich mich auf Dauer nicht versorgen. Also beschloss ich, wieder von vorne zu starten - wusste aber überhaupt nicht, wo ich ansetzen sollte.

Perspektive Wiedereinstieg: „Kompetenz-Analyse – meine Stärken werden sichtbar“

Ihre Beraterin bei der Agentur für Arbeit empfahl ihr eine Teilnahme am Modellprogramm Perspektive Wiedereinstieg beim Träger Frauennetzwerk zur Arbeitssituation e.V. in Kiel. Dort bekam ich genau das, was ich in dieser Situation brauchte: Unterstützung bei der Ist-Analyse und der Definition meiner beruflichen Ziele, sagt sie. Wir haben in der Gruppe herausgearbeitet, was wir während der Familienphase alles gemacht, welche Kompetenzen wir dabei eingebracht und entwickelt haben. Anfangs dachte ich: Da ist gar nichts. Doch dann kam ganz viel zum Vorschein. Im Rahmen ihrer Familienaufgaben hatte sich Christiane Gütschow Fachkenntnisse zu speziellen Gesundheitsthemen angeeignet und sich als Schulelternbeiratsvorsitzende engagiert. Sie war in unterschiedlichen Vereinen aktiv. Dort leistete sie Öffentlichkeitsarbeit, organisierte Veranstaltungen, leitete Gruppen und besuchte in diesem Zusammenhang verschiedene Fortbildungen. "Als wir betrachteten, was ich alles geleistet hatte, wurden auch meine Stärken deutlich. Sie liegen in den Bereichen Teambildung, Kommunikation und Organisation. Um mein Profil abzurunden, besuchte ich im Rahmen von ‚Perspektive Wiedereinstieg’ Kurse zu allen gängigen MS-Office-Anwendungen.“

Orientierungskurs mit Praktikum

Um ihr Berufsziel weiter schärfen zu können, ermöglichte die Arbeitsagentur Christiane Gütschow  im Rahmen einer Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) die Teilnahme an einem Orientierungskurs mit anschließendem 4-wöchigen Praktikum: Wir erhielten Einblicke in unterschiedliche Arbeitsfelder wie Public Relations oder Qualitätsmanagement. Meine EDV-Kenntnisse konnte ich ebenfalls weiter ausbauen. Christiane Gütschow absolvierte ihr Praktikum bei der  Wirtschaftsförderung Kiel und blieb ein Jahr lang als 450-Euro-Kraft. Meine Vorgesetzte hätte mich gerne weiter beschäftigt und hat viel versucht, um die erforderlichen Mittel für eine feste Vollzeitstelle zu erhalten. Leider hat das nicht geklappt.

Wichtig: gute Englischkenntnisse

Ihre Beraterin bei der Arbeitsagentur unterstützte sie dabei, sich wieder neu zu orientieren. Sie wies darauf hin, wie wichtig es für viele Stellen ist, gut Englisch sprechen zu können und ermöglichte Christiane Gütschow die Teilnahme an einem neunwöchigen Intensivkurs für Business-Englisch. Dass ich gleich im Anschluss im Rahmen des Leonardo-Programms noch ein dreimonatiges Praktikum in Birmingham (UK) machen konnte, habe ich Hilke Oltmanns von 'Perspektive Wiedereinstieg' zu verdanken. Sie erinnerte sich daran, dass ich gesagt hatte, gerne für einige Zeit ins Ausland gehen zu wollen, rief mich an und berichtete mir von dieser Möglichkeit, erzählt Christiane Gütschow.

Stellensuche erfolgreich

Fast direkt im Anschluss an ihre Rückkehr nach Deutschland erhielt sie schließlich eine Stelle bei einem großen Hersteller von Schiffsmotoren. Heute, drei Jahre später, ist sie immer noch dort und inzwischen bereits aufgestiegen. Ich arbeite im Ersatzteilservice. Unsere Abteilung ist für die Preisgestaltung der rund 35.000 Teile zuständig, die in aller Welt gefragt sind, um die Motoren aus unserer Produktion am Laufen zu halten. Ohne meine aktuellen PC- und guten Englischkenntnisse hätte ich den Posten nicht bekommen. Dass ich meine Organisations-, Kommunikations- und Teamkompetenzen gut darstellen konnte, hat mir ebenfalls geholfen. Außerdem sprach die Erfahrung im Autoersatzteilhandel, die ich bei der Mitarbeit im elterlichen Betrieb sammeln konnte, für mich.

Wenn ich aktiv bin, kommen die Dinge auf mich zu

Rund 30 Bewerbungen hätte sie zwischen 2010 und 2012, bis sie ihre heutige Stelle antrat, wohl insgesamt geschrieben, meint Christiane Gütschow. Da gab es immer mal wieder Tiefphasen, wenn Absagen kamen und nirgends ein Vorstellungsgespräch in Sicht war. Zeitweise bin ich nebenbei putzen gegangen, um finanziell über die Runden zu kommen. Sie habe sich dann immer gesagt: Schaue auf das, was geht! Es hat sich gezeigt: Wenn ich unterwegs und aktiv bin, kommen die Dinge auf mich zu. Ich hatte das Gefühl, dass es etwas gibt, was mich auf meinem Weg unterstützt. Dass man zwischendrin auch mal abstürzt und eine gewisse Bewegungsunfähigkeit einsetzt, ist - glaube ich - normal. Meine Lebenserfahrung hat mir sicherlich dabei geholfen, dann wieder Kraft zu schöpfen und voranzugehen - schließlich habe ich auch schon viele andere schwierige Situationen gemeistert. 

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Betriebswirt/in - Außenhandel
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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Foto: Christiane Gütschow

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