Birgit Bey (52)

Birgit Bey musste vor gut zwölf Jahren nach der Trennung von heute auf morgen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bewerkstelligen. Hartnäckig und mit einer guten Portion Durchsetzungsvermögen verfolgte sie trotz mancher Rückschläge innerhalb von einem Jahr die Gründung ihres eigenen Kindergartens, der 1996 zunächst als erste Tagesgroßpflege Berlins startete.

Porträt Birgit Bey

Wenn Birgit Bey (52) rückblickend erzählt, dass sie zu Zeiten ihrer Ehe als Vollzeit-Hausfrau und Mutter von vier Kindern nicht einmal wusste, wie sie selbstständig Geld am Bankautomaten hätte ziehen sollen, mag man das heute kaum glauben. Diese dynamische, herzliche Inhaberin des privaten Berliner Kindergartens ‚Kids Company’ wirkt so gar nicht unbeholfen oder vermittelt den Eindruck des Heimchens am Herd.

Lange Zeit hat sie sich der Familie und ihren vier Kindern gewidmet: Die Rolle hat mich ausgefüllt, ich war glücklich und zufrieden. Nach der Trennung von ihrem Mann, die mich ganz schön in die Tiefe gerissen hat und die ich Dank der Hilfe von guten Freundinnen überwunden habe, musste die damals Vierzigjährige eine eigene berufliche Zukunft entwickeln. Einen Beruf, der ihr selbst die Vereinbarkeit von Familie und Job ermöglichte, denn der jüngste Sohn war gerade mal zehn Jahre alt. Entsprechend ihrer Ausbildung zur Erzieherin und ihrer eigenen Erfahrung in der Kinderladenszene, die sie sowohl als Mutter wie auch als Erzieherin kennen gelernt hat, überlegte sich Birgit Bey, einen privaten Kindergarten einzurichten.

Sie hatte als Leiterin in einem Elterninitiativ-Kindergarten neue Perspektiven des Erzieherinnenberufes ausgelotet. Gleichzeitig gelangte sie an die Grenzen dieser Arbeit, denn es kam zu Konflikten mit Eltern, die mit ihrer Doppelrolle als Eltern und Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen nicht zurecht kamen. Diese Erfahrung wollte ich mitnehmen und in einem privaten Kindergarten mit klarer Rollenverteilung umsetzen, schildert Birgit Bey. 1996 hatte sie bereits einen Existenzgründungskurs besucht und nach geeigneten Räumen für den Kindergarten Ausschau gehalten, als überraschend die Nachricht kam, dass sich ihre Tochter einer komplizierten Operation an der Wirbelsäule unterziehen musste. „Als allein erziehende Mutter habe ich diese Idee der Geschäftsgründung dann doch erst einmal zurück gesetzt“, erzählt die 52-Jährige.

Also hat sie ihre Idee in kleinerem Umfang umgesetzt. Schon allein für die abgespeckte Variante ihrer Geschäftsidee brauchte Birgit Bey eine gute Portion Überzeugungskraft und Hartnäckigkeit: Ich habe damals die erste private Tagesgroßpflege in Berlin gegründet, erzählt sie. Das Jugendamt wollte ihr die Erlaubnis dazu nicht geben, denn es war üblich, dass eine Tagesmutter nicht mehr als drei Kinder betreute. Mit dem Argument, dafür gäbe es kein Formular, erinnert sie sich. Ich bin immer wieder ins Jugendamt marschiert und habe am Ende die Leute von meinem Konzept überzeugt.

Rasch kamen Eltern mit ihren Kindern zu ihr. Eltern, die ihre Kinder zu Birgit Bey in die Betreuung geben, sind überzeugt von ihrem Konzept. Bis heute ist Mund-zu-Mund-Propaganda die wesentliche Werbung ihres Unternehmens, aus dem sich die ‚nachwachsende’ Elternschaft rekrutiert.

Aber es ist nicht nur der herzliche und dabei kompetente Umgang mit Kindern und Eltern gleichermaßen, der ihr den Zulauf und eine rege Nachfrage nach Betreuungsplätzen garantiert. Bereits zu Zeiten der Tagesgroßpflege bot Birgit Beys Konzept maximal-flexible und auf individuelle Elternbedürfnisse abgestimmte Betreuungszeiten an 365 Tagen im Jahr bis hin zu einer 24 Stunden-Betreuung. Mir war schon damals wichtig, dass Frauen ihren Beruf mit der Rolle als Mutter guten Gewissens vereinbaren können. Eltern sollen ihre Sprösslinge gut betreut wissen, auch wenn berufliche Erfordernisse kurzfristig dazwischen kommen.“ Die Berlinerin möchte ihren Teil dazu beitragen, dass Eltern kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie auch mal kurzfristig für Tagungen und Fortbildungen einen erhöhten Betreuungsbedarf für ihre Kinder haben.

Die Zufriedenheit der Eltern, die Birgit Beys herzliche, harmonische Art mit Kindern umzugehen sehr schätzen, hat sie bewogen, ihren Traum vom eigenen, privaten Kindergarten wahr zu machen. Ihr Kindergarten mit 30 Kindern im Alter von acht Monaten bis sechs Jahre ist inzwischen ausgebucht, auch im kommenden Jahr.

Weitere Informationen zum Berufs- bzw. Tätigkeitsfeld:

Erzieher/in
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

"Kindertagespflege - eine neue berufliche Perspektive"
Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

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