Bettina D. (38) - Weiterbildungen brachten den Durchbruch zum Traumjob

Bettina D.* (38) ist Diplom-Geographin und zweifache Mutter. Im Qualitätsmanagement eines großen Ingenieurbüros hatte die Münchnerin vor der Geburt der Kinder ihre Berufung gefunden. Dass ihr im Unternehmen nach der Elternzeit ein Sekretariatsjob angeboten wurde, weil kein Bedarf mehr im Qualitätsmanagement bestand, kratzte an ihrem Selbstbewusstsein. Durch das Coaching am ESF-Standort „power_m – Perspektive Wiedereinstieg“ entwickelte Bettina D. eine Strategie für eine erfolgreiche Rückkehr in ihren Traumjob. Ihre wichtigste Erkenntnis: „Man darf nie aufhören dazuzulernen.“

Foto: Bettina D.

Nach Praktika, Studentenjobs, einer langen Bewerbungsphase und einem Zeitarbeits-Job in einer Bank hat Bettina D. gleich bei ihrer ersten „richtigen“ Festanstellung als Projektmitarbeiterin in einem großen Ingenieurbüro ihren Traumjob gefunden. Nach einem Jahr Mitarbeit im Qualitätsmanagement neben der Projektarbeit wurde sie als Koordinatorin verantwortlich für alle zwölf Niederlassungen des Unternehmens und deren Qualitätsmanagement-Beauftragte. Nach sechs Jahren Betriebszugehörigkeit ging sie in den Mutterschutz. Die Elternzeit verlängerte die zweifache Mutter auf insgesamt viereinhalb Jahre. Das war so nicht von mir geplant, aber mir wurde vom Unternehmen signalisiert, dass kein Interesse mehr an meiner Mitarbeit bestand, erzählt Bettina D. Vom Unternehmen wurde mir dann schließlich ein Sekretariatsjob angeboten, das hat mein Selbstbewusstsein ganz schön angekratzt.

Spielregeln im Bewerbungsprozess lernen

Über eine Nachbarin erfuhr Bettina D. vom Angebot des Münchner Trägerverbunds „power_m“. Unter diesem Dach haben sich sechs Fort- und Weiterbildungseinrichtungen mit langjähriger Erfahrung sowie das Referat für Arbeit und Wirtschaft (als Teil der Stadtverwaltung Münchens) zusammengetan, um Frauen und Männer nach einer längeren Familienphase beim Wiedereinstieg in den Beruf zu unterstützen. Die kostenlosen Workshops, Kurse und Beratungen werden im Rahmen des aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Bundesprogramms „Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt.

Lange Zeit habe ich mein Licht eher unter den Scheffel gestellt. Der Kompetenz-Workshop und die Einzelgespräche haben mir viel Selbstbewusstsein zurückgegeben, sagt Bettina D. im Rückblick. Meine Betreuerin bei power_m hat mir mit ihrer Kompetenz und ihrem Einfühlungsvermögen geholfen, meine Stärken zu erkennen. Durch sie habe ich begriffen, dass mein Selbstbild und das Bild, das andere von mir haben, auseinanderlagen. Besonders hilfreich waren auch das Bewerbungstraining und der Gehaltsverhandlungskurs, in dem ich viel über die  Spielregeln im Bewerbungsprozess gelernt habe.

 Man kann sich nicht auf seinen Berufserfahrungen ausruhen.

 Auch wenn Bettina D. zahlreiche Bewerbungen versandte und immer weiter an ihren Unterlagen feilte, musste sie durch Absagen zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Ich habe mich jedes Mal gefragt, was ich falsch mache oder was an meinen Unterlagen falsch sein könnte, sagt Bettina D. Zum Glück gelang es meinem Coach bei power_m, mich immer neu zu motivieren. Den Durchbruch brachte schließlich die Teilnahme am „Refresh-Workshop“ bei power_m, nach dem Bettina D. beschloss, die lange hinausgeschobenen Fortbildungen anzugehen. Die zwei einwöchigen Schulungen im Qualitätsmanagement mit Abschlussprüfung und Zertifikat sieht sie heute als wichtige Weichenstellungen an: Die Kurse haben mich zwar Geld gekostet, waren aber lohnenswert. Ich glaube, die Weiterbildungen waren ausschlaggebend dafür, dass ich meinen jetzigen Job bekommen habe. Man kann sich heutzutage nicht auf seinen Berufserfahrungen ausruhen. Wie heißt es so schön: Man lernt nie aus.

Auch eine Weichenstellung im Privaten sieht Bettina D. im Rückblick als wichtig an. Mit Ihrem Ehemann hatte sie vereinbart, dass er – zumindest auf Zeit – seine Arbeitszeit zugunsten der Familie reduziert. „Es ist häufig einfacher, einen passenden Job zu finden, wenn man zeitlich nicht so eingeengt ist“, sagt sie. „Und für die Familie ist es auch sehr schön, wenn beide Partner Zeit für die Kinder haben.“

 Dem Traumjob treu bleiben

 Durch das Coaching bei „power_m“ hat Bettina D. gelernt, sich gut zu vernetzen. Sie blieb während der Arbeitssuche mit anderen Müttern und allen Bekannten über mögliche Jobs im Gespräch, rief initiativ bei geeigneten Unternehmen an und tauschte sich über Fachgruppen in sozialen Netzwerken aus. Auf dem Business-Portal „Xing“ stieß sie schließlich auf eine passende Stellenausschreibung als „Qualitäts- und Prozessmanagerin“ in einem Architekturbüro und bekam schon wenige Tage nach Zusendung der Bewerbungsunterlagen die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Am Ende des Termins wurde ihr Interesse signalisiert, die Zusage folgte am nächsten Tag.

Mein neuer Chef ist sehr offen und weitsichtig, und die Arbeitsatmosphäre unter den 80 Kolleginnen und Kollegen ist sehr freundlich, erzählt Bettina D. Sie arbeitet an der Schnittstelle sämtlicher Unternehmensbereiche mit der Aufgabe, die Prozessabläufe in Anlehnung an die Anforderungen der internationalen Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001 zu optimieren und dokumentieren.  Dazu führt sie interne Audits durch und schult Führungskräfte und Beschäftigte zum Thema Qualitätsmanagement.

 Neue Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Im neuen Job arbeitet Bettina D. 32 Wochenstunden, wobei sie einen der vier Arbeitstage im Home-Office verbringt. Gleichzeitig hat ihr Mann seine Arbeit auf drei Tage mit 24 Wochenstunden reduziert. Die dreijährige Tochter und der fast fünfjährige Sohn besuchen eine Kinderbetreuungseinrichtung. Eine langjährige Babysitterin unterstützt die Eltern, und in Notfällen können die Großeltern einspringen. So kommen wir bisher gut zurecht, und die neue Arbeit macht mir sehr großen Spaß, erzählt Bettina D., die durch die Rückkehr ins Berufsleben zu neuem Selbstbewusstsein gefunden hat. Sollte es mit der Leitungsposition in einem Unternehmen nicht auf Dauer klappen, könne sie sich heute dank des Coachings bei „power_m“ sogar vorstellen, sich im Bereich der Qualitätsmanagement-Beratung selbständig zu machen. Da ich eine treue Arbeitnehmerin bin, tendiere ich jedoch zur Festanstellung. Aber auf jeden Fall werde ich dem Qualitätsmanagement treu bleiben, bringt es Bettina D. auf den Punkt. 

 *Der Name wurde von der Redaktion geändert.

Link:

ESF-Standort „Perspektive Wiedereinstieg“ – München

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Qualitätsmanager/Qualitätsmanagerin
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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